Warum Steuern auf Softdrinks, Alkohol und Tabak sinnvoll sind

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Die Auswertung von 300 Studien hat gezeigt, dass höhere Preise die Nachfrage nach ungesunden Produkten senken könnten.

Zusätzliche Steuern auf Softdrinks, Alkohol und Tabak könnten ein wirksames Mittel gegen die Zunahme chronischer und nicht übertragbarer Krankheiten sein. Zu diesem Ergebnis kommen fünf internationale Studien, die am Mittwoch in der britischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden.

So seien Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen und Krebs häufig auf ungesunde Ernährung und Suchtmittel zurückzuführen. Die Forscher fanden nach Auswertung von über 300 internationalen Studien heraus, dass höhere Preise die Nachfrage nach ungesunden Produkten vor allem bei einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen senken könnten. Diese Gruppen seien gleichzeitig besonders oft von schweren Krankheiten und damit verbundenen finanziellen Auswirkungen betroffen.

Steuern in Armutsbekämpfung investieren

"Nicht übertragbare Krankheiten sind eine Hauptursache und zugleich Hauptfolge von Armut weltweit", sagte Rachel Nugent von der Nichtregierungsorganisation RTI (Research Triangle Institute) International und Leiterin des The Lancet-Programms zu nicht übertragbaren Krankheiten. Es sei deshalb sinnvoll, die zusätzlich generierten Steuereinnahmen in die Armutsbekämpfung zu investieren. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse legen nahe, dass Befürchtungen übertrieben sind, wonach höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und Softdrinks den Armen schaden."

Die Forscher des The Lancet-Programms betonten außerdem, Sondersteuern könnten dazu beitragen, die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu erreichen. Die Staatengemeinschaft hatte im Jahr 2015 vereinbart, Armut in allen ihren Formen bis 2030 zu beenden. Außerdem war das Ziel formuliert worden, nicht übertragbare Krankheiten weltweit um ein Drittel zu reduzieren.

Verbraucherorganisation kritisiert Coca Cola

Dass Sondersteuern auf ungesunde Produkte nur zögerlich eingeführt werden, liegt laut der Verbraucherorganisation Foodwatch auch am Lobbyismus der Industrie. Foodwatch warf dem Coca-Cola-Konzern am Mittwoch in einem 100-seitigen Bericht vor, wissenschaftlich belegte Risiken seiner zuckerhaltigen Getränke zu verharmlosen und für die Zunahme von Fettleibigkeit und Diabetes mitverantwortlich zu sein. Der US-Konzern wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Man investiere überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker, hieß es in einer Stellungnahme.

Nicht übertragbare Krankheiten sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge die häufigste Todesursache weltweit. In Europa werden ihnen 86 Prozent aller Todesfälle zugeschrieben.

( Agenturen , elmo ) Erstellt am 04.04.2018