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Warum ist meine Freundin plötzlich neidisch?

Was tun, wenn sich innerhalb eines Freundeskreises die Rahmenbedingungen geändert haben und plötzlich Vorwürfe im Raum stehen. Psychotherapeut Christian Beer gibt Rat.
Female friends arguing at home

Leserin Daniela F. (35) fragt: 

Seit meiner Trennung nach 5-jähriger Partnerschaft hat sich die Beziehung zu meiner besten Freundin verändert. Wir hatten eine wirklich dicke Freundschaft und sind durch vieles gemeinsam durchgegangen. Ohne Aufrechnung. Jetzt habe ich natürlich mehr Zeit für sie. Doch nun wirft sie mir nachträglich vor, viel zu viel Zeit für mich investiert zu haben, und ich sei nicht für sie da gewesen – was in meiner Wahrnehmung nicht stimmt. Ich habe mich wirklich bemüht, sie einzubinden. Ich möchte unsere Freundschaft nicht gegenrechnen, aber ihr Vorwurf ärgert mich.

Antwort:

Oft wird unterschätzt, dass für Frauen andere Dinge in einer Beziehung im Vordergrund stehen als für Männer. Man kann – nicht als hinreichende, aber als notwendige Bedingung – von zwei unterschiedlichen Ebenen sprechen: Commitment und Attachment. Die Beziehungsforschung (Rusbult, Investment-Modell) trennt beide bewusst: Attachment ist die emotionale Bindung, Commitment die aktive Entscheidung und Investition, an der Beziehung festzuhalten. 

hr Ärger ist nachvollziehbar – der Vorwurf Ihrer Freundin hat vermutlich wenig mit Ihrer tatsächlichen Verfügbarkeit zu tun, sondern mit einer stillen Verschiebung im Beziehungsgefüge. Aus evolutionspsychologischer Sicht konkurrieren Frauen selten offen um Status oder „Sieg“ wie Männer, die Rangordnungen direkt austragen. Die Forscherin Anne Campbell zeigte mit ihrer „Staying-Alive“-Theorie: Weibliche Konkurrenz verläuft meist indirekt, über Beziehung und subtile Signale statt über offenen Wettstreit – vor allem dann, wenn ein direkter Angriff riskant wäre. Eine Studie (Sulikowski et al., 2024) zeigt das exemplarisch: Frauen mit hoher intrasexueller Konkurrenzneigung rieten in einem Experiment anderen Frauen unbewusst zu kürzeren Haarschnitten, um deren Attraktivität zu mindern, ohne sich das selbst einzugestehen. 

Das erklärt vermutlich auch das Timing: Solange Sie liiert waren, war Ihre Freundin als Single in der vermeintlich schwächeren Position – ein offener Vorwurf hätte riskant gewirkt. Jetzt, wo Sie beide wieder auf Augenhöhe sind, kann sich der während der Beziehung angestaute Neid endlich zeigen, verpackt als moralischer Vorwurf statt als eingestandenes Gefühl. Statt zu bewerten, teilen Sie ihr mit, wie es sich für Sie anfühlt, wenn sie so reagiert. Gehen Sie davon aus, dass darin auch Scham und Selbstabwertung stecken – drängen Sie sie nicht in die Ecke. Bleiben Sie großzügig, vielleicht mit etwas Distanz oder einer kleinen Freundschaftspause, bis sich ihr Neid wieder zu Freundschaft wandeln kann.

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