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Wissen Gesundheit
03/08/2021

Warum die Diät tot ist

Immer mehr Studien belegen, dass Menschen auf dieselben Lebensmittel unterschiedlich reagieren. Beginnt jetzt das Zeitalter der personalisierten Ernährung?

von Susanne Mauthner-Weber

Uwe Knop klingt – auf gut österreichisch würde man sagen – ang’fressen. „Wir müssen weg von den Ernährungsregeln von der Stange“. Der Ernährungswissenschafter und Analyst der wissenschaftlichen Datenlage beschäftigt sich seit zehn Jahren mit individueller Ernährung und hat jetzt endlich das Gefühl, dass es zu einer Abkehr vom Dogma „gesunde Ernährung als allgemeingültige Pauschalempfehlung für alle Menschen“ kommt.

Gleich und doch anders

Das, was so mancher beobachtet – der eine kann essen, was er will, ohne ein Gramm zuzunehmen, der andere legt schon beim Hinschauen an – bestätigen immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse. Bereits 2015 veröffentlichte etwa das israelische Weizmann-Institut im Fachjournal Cell eine Studie, wonach vergleichbare Mahlzeiten ganz individuelle Stoffwechsel-Reaktionen hervorriefen. Studienleiter Eran Elinav resümierte damals: „Wir hatten gleichzeitig etwas sehr Interessantes, aber auch Beunruhigendes gelernt: Dass das Paradigma der gesunden Ernährung grundlegend falsch ist.“

 

Wie unterschiedlich die Reaktionen sein können, enthüllte erst unlängst eine weitere umfangreiche Arbeit im renommierten Fachjournal Nature Medicine. Wissenschafter des King’s College in London beobachteten, wie sich das „Zuckerhormon“ Insulin bei mehr als 1.100 Erwachsenen aus Großbritannien und den USA, darunter mehrere hundert Zwillingspaare, entwickelt, während alle idente Mahlzeiten vorgesetzt bekamen. Auch der Anstieg der Blutzucker- und Fettwerte wurde gemessen.

„Wir beobachteten bei den einzelnen Teilnehmern eine große individuelle Variabilität, was die körperlichen Stoffwechselreaktionen betrifft“, erklärten die Forscher rund um Studienleiterin Sarah E. Berry.

Das Fazit der Londoner Forscher: „Es ist zunehmend offensichtlich, dass allgemeine Ernährungsempfehlungen nicht für alle geeignet sind.“ Und weiter: „Diese Studie ist die bis dato umfassendste Bewertung der metabolischen (Stoffwechsel-)Reaktionen auf identische Mahlzeiten in einem strengen, gut überwachten Studiendesign und belegt, dass personalisierte Ernährung zur Vorbeugung von Krankheiten Potenzial haben könnte.“

Einheitskonzept funktioniert nicht

Für Yiannis Mavrommatis von der Forschungsgruppe für Ernährung und Genetik an der St Mary’s University in London ist „der logische Schluss personalisierte Ernährung: Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass ein Einheitskonzept nicht für alle Menschen funktioniert.“ Das werde die Ernährungswissenschaft fundamental verändern.

Noch stehe die personalisierte Ernährung am Anfang. Doch sei eindeutig, dass „jeder Mensch anders is(s)t“, resümierte Ernährungswissenschafter Knop und dass es deshalb auch keine gesunden Lebensmittel für alle gibt. Verdauung, Verwertung und Verträglichkeit sind immer individuell unterschiedlich.

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