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Wissen Gesundheit
03/08/2021

„In den Bauch hineinfühlen, ist wichtiger als der Mikrobiom-Test“

Ernährungswissenschafter Uwe Knop über individualisierte Ernährung, die Ernährungspyramide und genbasierte Diäten.

von Susanne Mauthner-Weber

KURIER: Herr Knop, ist die Ernährungspyramide tot?

Uwe Knop: Die war schon immer eine Totgeburt. Jetzt kann sie abgeschafft werden. Es ist nämlich nicht möglich, aus der wissenschaftlichen Datenlage so etwas zu extrahieren wie: „Iss davon so viel, vom anderen mehr und davon weniger.“

In der Realität ist die heilige Kuh Ernährungspyramide aber nicht totzukriegen ...

Das kommt daher, dass die Fachwelt zeigen möchte, dass sie weiß, wovon sie redet und den Bürgern sagen will, was gut und was schlecht ist. Mittlerweile wird aber immer deutlicher, dass die wissenschaftliche Basis viel zu schwach ist, um Regeln für alle abzuleiten. Viel wichtiger ist das Individuum, vor allem die Verträglichkeit, die von ganz individuellen Faktoren abhängt.

Die da wären?

Das A und O ist es, den eigenen Körper wieder kennenzulernen. Der kleinste gemeinsame Nenner: Abwechslungsreich und in Maßen essen, aus all dem schöpfen, was es gibt und vor allem aus dem, was man gut verträgt. Und nicht aus Frust, Kummer, Langeweile, Routine essen, sondern dann, wenn der Körper sagt: Ich habe Hunger! Alles andere ist individuell.

Apropos individuell: Forschungen haben ergeben, dass jeder Mensch seine ganz eigene Darmflora, Mikrobiom genannt, hat. Inwieweit kann da eine Analyse helfen?

Die Darmflora ist eine Blackbox: Hunderte Millionen verschiedenster Lebewesen tummeln sich dort. Ja, man weiß mittlerweile, dass das Mikrobiom absolut individuell ist. Letztlich kann Ihnen aber noch niemand irgendetwas Valides dazu sagen. Vor allem nicht, wie man die Darmflora steuern könnte. Da gibt es erst Grundlagen, aber praktische Empfehlungen lassen sich nicht ableiten. So lange sollte man einfach essen, was man verträgt. Nimmt man Falsches zu sich, merkt man das: Man bekommt Magenschmerzen, Bauchgrummeln, vielleicht Durchfall oder Blähungen. Das sind Zeichen, dass Ihr Mikrobiom damit nicht gut umgehen kann. In den Bauch hineinfühlen, ist also wesentlich wichtiger als der Mikrobiom-Test. Es ist einfach viel zu früh, hier Empfehlungen abzugeben. Genauso wie bei der genbasierten Ernährung. Das Geld für derartige Tests kann man sich sparen. Mikrobiom-Analyse und genbasierte Diät sind absolute Zukunftsmusik – kein seriöser Wissenschafter wird vorerst dazu raten.

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