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Wissen Gesundheit
08/19/2021

Warum das Nationale Impfgremium einen dritten Stich empfiehlt

Expertin Ursula Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien erklärt im Interview, für wen, wann und warum eine Auffrischung sinnvoll ist.

von Ernst Mauritz

Die Vakzinologin (Impfstoffspezialistin) Ursula Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien ist wissenschaftliches Mitglied im Nationalen Impfgremium (NIG), das jetzt Empfehlungen für die „Drittimpfung“ ausgesprochen hat.

KURIER: Aus Israel und den USA gibt es Hinweise auf eine steigende Zahl von schweren Covid-Erkrankungen auch bei doppelt Geimpften. Auch in Österreich?

Ursula Wiedermann-Schmidt: Die Daten, die uns bisher vorliegen, zeigen, dass solche Impfdurchbrüche bei uns nach wie vor sehr selten sind, bei weniger als 1 pro 100.000 Geimpften auftreten und nicht anteilsmäßig zunehmen. Wie es im Herbst mit einem steigenden Infektionsdruck wird, wissen wir natürlich nicht. Aber ganz besonders die schweren Krankheitsverläufe sind unter vollständig Geimpften bei uns nach wie vor die Ausnahme, ebenso wie Covid-Todesfälle unter den doppelt Geimpften.

Warum wird dann eine Auffrischung empfohlen?

Unter dem Aspekt der infektiöseren Delta-Variante wollen wir hier kein Risiko eingehen und empfehlen die dritte Impfung Menschen über 65, Risikopatienten und allen mit Astra Zeneca Geimpften bereits sechs bis neun Monate nach der zweiten – bzw. bei Johnson & Johnson nach der ersten Impfung. Bei fast allen Impfungen werden ab dem 65. Lebensjahr die Auffrischungsintervalle verkürzt, weil man bei älteren Menschen ein schlechteres Ansprechen auf Impfungen und einen rascheren Antikörperabfall sieht. Wir haben von den Firmen noch keine Einjahresdaten erhalten, daher mussten wir hier nach theoretischen Überlegungen vorgehen und als Sicherheitsmaßnahme diese Personengruppen vorziehen. Bei den Vektorimpfstoffen wiederum zeigte sich, dass die Kombination mit einem mRNA-Impfstoff (nur mit solchen wird aufgefrischt, Anm.) den Schutz deutlich erhöht.

Und der Impfschutz bei jüngeren Gesunden?

Wir wissen von Genesenen, dass sie ihre Antikörperspiegel zumindest ein Jahr lang gut halten, wenn sie drei Monate nach der Infektion neutralisierende (schützende) Antikörper gehabt haben. Deshalb sehen wir bei den jüngeren Gesunden nicht so einen Druck für die dritte Impfung und sind der Ansicht, dass man damit neun bis zwölf Monate warten kann. Diese Vorgangsweise ist aus Sicht des NIG eine sinnvolle Staffelung.

Was ist jetzt wichtiger: die Zweit- oder die Drittimpfungen voranzutreiben?

Aus meiner Sicht ist beides gleich wichtig: Geimpfte sind deutlich weniger infektiös als Ungeimpfte. Das heißt, ein großer Pool an Ungeimpften treibt die Pandemie an und bedeutet eine Gefahr für jene Geimpften, die keine optimale Immunität haben wie viele Ältere oder chronisch Kranke. Deshalb benötigen sie als Sicherheitsmaßnahme die dritte Impfung. Gleichzeitig müssen wir aber das Reservoir der Ungeimpften reduzieren – eine breite Viruszirkulation erhöht auch das Risiko von Mutationen.

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