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Vorzeitiger Samenerguss: Expertin rät zu dieser Methode

Zu schnell zum Orgasmus zu kommen, belastet viele Männer, aber nur wenige suchen Hilfe. Ein neues KI-gestütztes Programm soll Betroffene niederschwellig begleiten.
Gabriele Kuhn aus Wien
Depression, mental health and sad man in stress feeling bad, upset and depressed alone in his home, house or hotel suite. Wake up, morning and frustrated, unhappy male in bedroom tired with anxiety

Zusammenfassung

  • Vorzeitiger Samenerguss belastet viele Männer, wird aber aus Scham selten thematisiert und kann das Selbstwertgefühl sowie Beziehungen beeinträchtigen.
  • Ein neues KI-gestütztes 30-Tage-Programm bietet niederschwellige Hilfe mit praktischen Übungen wie Atmung, Körperwahrnehmung und verändertem Erregungsmuster.
  • Das Programm setzt auf anonyme, digitale Begleitung und gezielte Übungen, um Betroffenen mehr Kontrolle und Selbstwahrnehmung zu ermöglichen.

Es gibt Probleme, über die Männer nur ungern sprechen, vorzeitiger Samenerguss gehört dazu. Die Scham ist oft groß und die Angst sorgt für einen heiklen Kreislauf, der das Problem noch verstärkt.

„Fachlich spricht man bei sehr kurzer Ejakulationszeit – grob unter einer bis eineinhalb Minuten – von vorzeitigem Samenerguss“, sagt die klinische Sexologin und Sexualtherapeutin Beatrix Roidinger. 

Er ist für viele Männer nicht nur eine sexuelle Unannehmlichkeit, sondern kann Selbstwert, Partnerschaft und Körpergefühl belasten. Manche Männer vermeiden dann Nähe, andere versuchen, mit Tricks, Ablenkung oder innerem Druck zu funktionieren. „Das ist Teil des Problems“, so Roidinger.

30-Tage-Programm mit KI

Sie leitet „Best Lover“, ein Institut für männliche Sexualität, und startet nun mit „Best Lover Control“ ein KI-gestütztes 30-Tage-Programm gegen vorzeitigen Samenerguss. Es kombiniert einen Videokurs mit einer digitalen Sexualberaterin, die über den Kanal Telegram erreichbar ist. 

Die KI soll nicht nur Fragen beantworten, sondern Männer durch Übungen führen, nachfragen, motivieren und den nächsten Schritt setzen. Entwickelt wurde sie auf Basis der Methode, mit der Roidinger und ihr Team seit Jahren arbeiten.

Die Grundursache sieht sie häufig in einem ungünstig gelernten Erregungsmuster. „Das beginnt oft schon in jungen Jahren, wenn Männer zu masturbieren beginnen.“ Gemeint ist nicht die Masturbation an sich, sondern eine bestimmte Art, Erregung herzustellen: schnell, angespannt, zielorientiert, oft mit starker Reibung und wenig Körperwahrnehmung

Funktioniert das über Jahre, kann sich das als Muster einprägen. Beim partnerschaftlichen Sex lässt es sich aber oft schlecht steuern. In der klinischen Sexologie wird dabei auf körperliche Faktoren geachtet: Muskeltonus, Rhythmus, Atmung und Bewegung.

Zu viel Spannung

Roidinger beschreibt den Körper wie ein Mischpult. Sind die Regler immer gleich eingestellt – viel Spannung, schneller Rhythmus, flache Atmung, wenig differenzierte Bewegung –, steigt die Erregung rasch an. Kommt Angst dazu, wird der Körper noch angespannter. „Angst führt zu Muskelanspannung, Druck, weniger bewusste Atmung. So wird der Ejakulationsreflex schneller ausgelöst.“

Der Mann glaube oft, er sei „zu erregt“. Roidinger sieht das anders: Die Erregung ist nicht zu groß, sondern zu eng gebündelt, stark auf den Genitalbereich konzentriert, begleitet von hoher Spannung. Ziel der Übungen sei daher nicht, Lust zu dämpfen, sondern sie besser wahrzunehmen und über den Körper zu verteilen. 

Dazu gehören Atemübungen, Beckenbewegung, die Arbeit mit Körpertonus, veränderte Masturbation, Pausen und Kommunikation. Wer intensiver spüre, könne besser steuern.

Niederschwellige Hilfe

Warum KI? Roidinger: „Weil viele Männer den Weg in eine Sexualberatung nie gehen würden.“ Die Chance liegt darin, Hilfe niederschwelliger zu machen. Nutzer könnten unter einem Nickname auftreten, Telefonnummer und echter Name müssten nicht sichtbar sein. 

Dennoch bleibt die Frage, ob eine KI Sexualberatung leisten kann. Roidinger spricht von einem Hybridmodell: „Die Inhalte stammen von Menschen, die Begleitung übernimmt die KI. Das Programm ist eng geführt.“ Es gehe nicht um Lebensberatung, Paartherapie, medizinische Diagnosen. Die KI sei auf das konkrete Problem beschränkt. Wer mit ihr über Beziehungskrisen oder medizinische Fragen sprechen will, wird weiterverwiesen.

Gezielte Übungen

Roidingers Erfahrung zeigt, dass vorzeitiger Samenerguss im Vergleich zu anderen sexuellen Problemen relativ gut mit gezielten Übungen beeinflussbar ist – vorausgesetzt, der Mann übt mit, im Sinne eines Trainings.

Die Partnerin oder den Partner wird bei dem Programm bewusst nicht ins Zentrum gestellt oder eingebunden. Trotzdem komme man an Kommunikation nicht vorbei. Männer müssten oft lernen, dass Konsens in beide Richtungen gilt: Nicht nur sie sollen fragen, was die Partnerin braucht; auch sie selbst dürfen sagen, was ihnen hilft. Dazu gehören etwa: Pause machen. Und das Tempo verändern, um aus dem Gefühl eines „Ich muss liefern“ dauerhaft herauszukommen.

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