Vitiligo: Österreich-Star spricht über Diagnose
Kaleen hat bisher keine negativen Erfahrungen mit ihrer Hauterkrankung gemacht.
„Ich scheue mich nicht, meine Haut zu zeigen. Meine Flecken machen mich als Menschen einzigartig und ich muss sie nicht verstecken“, sagte Sängerin Kaleen bei einem Pressetermin am Mittwoch. Die 31-jährige trat 2024 für Österreich beim Eurovision Song Contest in Malmö an ("We will rave") – und sie hat Vitiligo. Bei der chronischen, nicht ansteckenden Hauterkrankung bilden sich weiße, klar abgegrenzte Flecken auf der Haut. Sie entstehen, weil die Melanozyten, die Zellen, die den Farbstoff Melanin produzieren, zerstört werden oder ihre Funktion verlieren. Melanin ist für die natürliche Haut-, Haar- und Augenfarbe verantwortlich. Fehlt es in bestimmten Hautbereichen, erscheinen diese deutlich heller oder vollständig weiß, weshalb Vitiligo auch Weißfleckenkrankheit genannt wird.
Kaleen entdeckte ihren ersten Fleck vor vier Jahren rechts auf der Hüfte, jedes Jahr kamen ein paar weitere hinzu. „Ich habe physisch keinerlei Einschränkungen und bin in die Erkrankung hineingewachsen. Ich hatte früher Probleme mit Akne und weiß, wie es ist, wenn man das Gefühl hat, sich verstecken zu müssen. Für mich ist es heute aber total in Ordnung, so zu sein wie ich bin“, betont Kaleen, die ihre Hautveränderungen liebevoll als „Leopardenflecken“ bezeichnet.
Vorurteile abbauen und Akzeptanz schaffen
Die Musikerin zeigt auf der Bühne gerne Haut und wird ihre Flecken auch bei ihrer Hochzeit im August nicht abdecken. Bisher habe sie keine negativen Erfahrungen gemacht und sei auf Akzeptanz gestoßen. Das ist aber nicht bei allen Betroffenen so, erzählt Annette-Marie Hofians, Gründerin der Vitiligo Hilfe Österreich. „Meine ersten Flecken traten in meiner Schulzeit auf und manche dachten, die Erkrankung wäre ansteckend. Auch ich kannte Vitiligo damals nicht und wusste zunächst nicht, was das bedeutet“, sagt Hofians.
Heute geht sie selbstbewusst mit der Erkrankung um und ist stolz, einen Fleck in Form eines Herzens zu haben – er ist auch der Grund, weshalb sie das Herz als Symbol für die Vitiligo Hilfe auswählte. „Mir ist wichtig, Akzeptanz für die Erkrankung zu schaffen und mit Vorurteilen aufzuräumen, die bestehen. Und wir wollen Betroffene unterstützen“, so Hofians.
Betroffene meiden Freibad und Fitnessstudio
Viele leiden psychisch unter den Hautveränderungen, wie eine Erhebung der internationalen Vitiligo Patientenorganisation VIPOC zeigt: Die Hälfte der Befragten sieht ihr berufliches Fortkommen durch das Stigma rund um die Weißfleckenkrankheit eingeschränkt. Besonders jene Menschen, bei denen mehr als fünf Prozent der Körperfläche von Vitiligo betroffen sind, als auch Betroffene mit dunklerem Hauttyp leiden stark und nannten eine verschlechterte Lebensqualität aufgrund der Erkrankung. Mehr als jeder Zweite wählt die Kleidung oft oder sogar täglich so aus, dass sie möglichst viel vom Körper bedeckt. Viele meiden das Freibad, das Fitnessstudio oder den Friseurbesuch. Händeschütteln ist für rund 46 Prozent belastend.
Schätzungen zufolge leben in Österreich rund 100.000 Menschen mit Vitiligo. Je nach Hauttyp sind die Flecken stärker bzw. schwächer abgegrenzt. Vitiligo kann nicht geheilt, aber behandelt und stabil gehalten werden. „Vor allem bei Menschen, die unter einer psychischen Belastung durch die Erkrankung leiden, kann man Therapieversuche starten. Es gibt Präparate, mit denen man Erfolge erzielen kann, aber nicht jeder profitiert davon und man muss Vitiligo nicht unbedingt behandeln“, sagt Christian Posch, Vorstand der Dermatologischen Abteilung der Kliniken Hietzing und Landstraße in Wien.
Ursache unbekannt
Die Erkrankung schreitet in der Regel fort, das heißt, die Flecken werden mehr. Sie kann aber auch über Jahrzehnte stabil bleiben, erklärt Posch. „Über die Ursache von Vitiligo weiß man bisher nichts. Es gibt eine genetische Häufung, wenn etwa bereits Fälle in der Familie auftraten, das muss aber nicht der Fall sein.“ Es wird angenommen, dass eine Autoimmunreaktion beteiligt ist.
Sängerin Kaleen zeigte sich erfreut, dass Diversität auf Social Media und beispielsweise bei Models für verstärkte Aufmerksamkeit für Vitiligo sorgt und die Erkrankung bekannter wird. Sie trat am Mittwoch symbolisch der Vitiligo Hilfe als Mitglied bei.
Kommentare