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18.07.2018

UNO: Sieg über Immunschwächekrankheit Aids ist in Gefahr

Mehr Mittel und Anstrengungen notwendig. Bisherige Erfolge gut, aber langfristig noch zu wenig.

Teilerfolge beim Zurückdrängen von HIV/ Aids sollten nicht den Blick darauf verstellen, dass für einen endgültigen Sieg über die Immunschwächekrankheit mehr Mittel und Anstrengungen notwendig sind. "Das Tempo unserer Fortschritte gewährleistet nicht das Erreichen unseres globalen Ziels", betonte am Mittwoch UNAIDS-Generaldirektor Michel Sidibe anlässlich der Vorstellung des neuen Welt-Aids-Reports.

Sidibe präsentierte den Bericht in Genf wenige Tage vor Beginn der Welt-Aids-Konferenz (23. bis 27. Juli) in Amsterdam. Es geht um das Erreichen eines ambitiösen Ziels. 2020 sollen weltweit 90 Prozent der von HIV-Betroffenen über ihre Infektion Bescheid wissen, 90 Prozent davon in Behandlung sein und bei wiederum 90 Prozent das Virus im Blut durch die Unterdrückung der Virus-Vermehrung nicht mehr nachweisbar sein. So lautet die UNAIDS-Devise im Rahmen des "90-90-90"-Programms zur Beendung der Pandemie.

Keine Hilfsversprechen für mehr Mittel

Die Welt befinde sich erst auf halbem Weg bei der Erreichung der Ziele, betonte der UNAIDS-Chef: "Die Zahl der Aids-bedingten Todesfälle ist derzeit auf dem niedrigsten Stand in diesem Jahrhundert mit weniger als einer Million Opfer pro Jahr. (...) Derzeit bekommen mit 21,7 Millionen Menschen mehr Betroffene in Behandlung als je zuvor (....). In den nächsten drei Jahren aber müssten jährlich weitere 2,8 Millionen Patienten hinzukommen. Doch es gibt keine neuen Hilfsversprechen auf mehr Mittel. Es gibt einen akuten Mangel an Personal im Gesundheitswesen sowie andauernde Diskriminierung und Stigmatisierung." Besonders die Kinder würden im Kampf gegen HIV/Aids zurückgelassen. Zwar habe man seit 2010 rund 1,4 Millionen Neuinfektionen bei Kindern verhindern können. Aber 2017 habe es noch immer 118.000 Fälle von Ansteckung gegeben. "Das ist weit vom Ziel entfernt, dass es 2018 keine neuen HIV-Infektionen bei Kindern mehr geben soll", betonte Sidibe.

Wie groß die Herausforderung durch HIV/Aids weiterhin ist, belegen die aktuellen Zahlen: 2017 lebten weltweit 36,9 Millionen Menschen mit HIV-Aids. 19,6 Millionen von ihnen leben südlich der Sahara und in Ostafrika. 21,7 Millionen Patienten erhielten eine antiretrovirale Therapie. Die Zahl der Neuinfektionen betrug 1,8 Millionen. Vergangenes Jahr starben rund 940.000 Menschen an HIV/Aids. Seit dem Beginn der weltweiten Epidemie (Mitte der 1980er-Jahre) sind 77,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert worden. 35,4 Millionen Patienten sind gestorben.

Im Vergleich zum "90-90-90"-Programm, dessen Ziele 2020 zu erreichen wären, gibt es noch etlichen Aufholbedarf: 2017 wussten rund 75 Prozent der HIV-Positiven über ihren Infektionsstatus bescheid. 79 Prozent davon bekamen eine antiretrovirale Therapie. Bei 81 Prozent der Behandelten konnte die Konzentration der HI-Viren unter die Nachweisgrenze gedrückt werden. Bei solchen Entwicklungen wird es allerdings mit jedem Fortschritt immer schwieriger die letzten Ziele zu erreichen. Während im Jahr 2000 für die Staaten mit geringem oder mittlerem BIP rund 4,8 Milliarden US-Dollar (4,10 Mrd. Euro) für den Kampf gegen HIV/Aids zur Verfügung standen, waren es im Jahr 2017 21,3 Mrd. US-Dollar (18,17 Mrd. Euro). 2014 bis 2016 waren es jährlich jeweils ziemlich gleichbleibend um die 19 Mrd. US-Dollar (16,21 Mrd. Euro) gewesen. Jetzt geht es darum, durch eine weitere Anstrengung den Weg zum echten Ende der HIV/Aids-Pandemie aufzubereiten.