Wissen | Gesundheit
15.06.2018

Speichelproben lassen Burnout-Risiko einschätzen

Ob ein Mensch Burnout-gefährdet ist, kann die Menge des Stresshormons Cortisol im Speichel anzeigen.

Lustlos, gereizt, müde: Menschen, die unter einem Burnout leiden, erkennen oft erst spät, dass sie tatsächlich ausgebrannt sind. Dabei könnte ein Risiko dafür bereits durch eine Speichelprobe festgestellt werden, wie Forscher der MedUni Wien und des Gesundheits- und Vorsorgezentrums der KFA nun in einer Studie belegen konnten.

Ob ein Mensch Burnout-gefährdet ist, zeigt demnach die Konzentration des Anti-Stresshormons Cortisol im Speichel an. Das Hormon wird vor allem in der Früh während des Aufstehens ausgeschüttet und kurbelt den Kreislauf an. Dann sinkt der Cortisol-Spiegel bei gesunden Menschen im Lauf des Tages wieder ab – bis am Abend praktisch kein Cortisol mehr messbar ist.

Bei Menschen, die unter Dauerstress leiden, hält der Körper den Cortisolspiegel hingegen viel länger im messbaren Bereich, um mit dem anfallenden Stress fertig zu werden – wird der Stress dann „chronisch“, entstehen hohe Cortisolspiegel ohne normale Tagesrhythmik.

Hoher Cortisolspiegel bei Stress

In ihrer Studie konnten die Wissenschaftler einen erhöhten Cortisol-Spiegel mit jeweils einer Speichelprobe nachweisen. Diese wurde den Probanden zu Mittag oder am Abend entnommen. Damit konnten die Forscher zeigen, dass das Risiko für Burnout messbar ist.

Konkret wurden arbeitsbezogene Stress- und Cortisol-Spiegel von Burnout-Patienten mit jenen gesunder Arbeitnehmer verglichen. „Es zeigte sich, dass jene Personen, bei denen mit psychologischen Methoden eine hohe arbeitsbezogene Stressbelastung nachgewiesen werden konnte, sowohl zu Mittag als auch am Abend auffallend höhere Cortisolwerte aufwiesen“, erklärt Helmuth Haslacher, einer der Studienleiter.

Weitere Studien dazu sollen folgen um ein valides, biochemisches Testsystem für den klinischen Alltag zu entwickeln und gefährdete Menschen eindeutig zu identifizieren.

Laut WHO stehen Depressionen in der weltweiten „Krankheitslast“ auf Platz 1, auch in Österreich nehmen seelische Leiden wie Burnout zu. Seit 2010 sind sie die Hauptursache für Invaliditätspensionen.