Schwimmen: Warum der Wassersport so gesund ist
Am 1. Juni um 20:00 Uhr wurde die Anmeldung zur diesjährigen Atterseeüberquerung geöffnet. Eine Stunde später waren alle Startplätze vergeben. Zugelassen sind 400 Teilnehmer, die am ersten Augustwochenende die 2.520 Meter von Weyregg nach Attersee durchschwimmen werden.
Mangelhafte Schwimmkenntnisse
Angesichts dieses Andrangs könnte man meinen, Schwimmen erfreue sich größter Beliebtheit. Die Statistik sagt etwas anderes: Jeder vierte Österreicher schätzt laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) seine Schwimmkenntnisse als „unsicher“ oder nur „mittelmäßig“ ein (siehe Kasten).
In diese Kerbe schlägt auch Sportarzt Piero Lercher. „Bitte rechtzeitig Schwimmen oder zumindest Über-Wasser-Halten lernen“, appelliert er. Kinder dürften niemals unbeaufsichtigt bleiben, auch nicht mit Schwimmhilfen. Denn Kinder ertrinken lautlos, und Ertrinkungsunfälle häufen sich.
In Österreich ertrinken pro Jahr durchschnittlich 42 Menschen. Laut einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) schätzt jede vierte Person in Österreich ihre Schwimmkenntnisse als „unsicher“ oder nur „mittelmäßig“ ein. Und rund sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung können nicht schwimmen. Die Hauptgründe sind fehlender Schulschwimmunterricht, mangelnde Infrastruktur und wenig familiäre Schwimmerfahrung.
Einmaliges Erlernen sei für die Sicherheit im Wasser nicht ausreichend, heißt es vom KFV. Deshalb sei es notwendig, regelmäßig vor der Sommersaison zu üben und immer wieder die Schwimmkenntnisse aufzufrischen.
Für Körper und Geist
Der Wassersport hat gegenüber anderen Sportarten einen großen Vorteil: „Schwimmen ist ein idealer Gesundheitssport“, sagt Lercher. Es ermöglicht nicht nur ein gelenkschonendes Ganzkörpertraining, das einen Großteil der Skelettmuskulatur erfasst, sondern stärkt auch Organsysteme wie Herz-Kreislauf und Lunge.
Besonders dem Stützapparat tut die Bewegung im Wasser gut. „Bedingt durch den Auftrieb wird der Körper schwerelos, Gelenke, Wirbelsäule und Muskulatur werden entlastet – das geht bei Wirbelsäulen-Patienten bis hin zur Schmerzfreiheit“, erklärt Lercher. Nicht zu unterschätzen ist die meditative Komponente: „Im Sinne von Stressmanagement kann Schwimmen entspannend wirken. Man fokussiert sich auf den nächsten Atemzug, spürt das Wasser und die Temperatur auf der Haut und genießt den Rhythmus der Bewegung.“
Auf die Frage, ob man bei fehlender Technik besser auf Schwimmen verzichten soll, antwortet Lercher deutlich mit einem „Nein“. Ein Aufenthalt im Wasser sei immer empfehlenswert – jede Bewegung im Wasser ist besser als keine Bewegung. Bei Unsicherheiten empfiehlt er Schwimmhilfen. Dennoch: Besser sei es Schwimmen richtig zu erlernen. Eine falsche Schwimmtechnik könne längerfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.
Eine Frage der Lage
Ob Rücken, Brust, Kraul oder Delfin – nicht jede Lage ist für jeden gleich gut geeignet. Bei Wirbelsäulenbeschwerden empfiehlt Lercher besonders das Rückenschwimmen: „Der Kopf liegt entspannt im Wasser, die Ohren kann man bei Bedarf mit Ohrstöpseln schützen. Wichtig ist, dass die Wirbelsäule komplett gerade bleibt, wodurch Bandscheiben und Nackenmuskulatur optimal entlastet werden.“ Das laienhafte Brustschwimmen sei hier kontraproduktiv, da man dabei extrem im Hohlkreuz sei und zudem den Nacken überstrecke, warnt der Sportarzt.
Auch bei Kniebeschwerden sollte man die Froschbewegung unterlassen. Bei Schulterschmerzen wiederum könne ein schonendes Brustschwimmen empfohlen werden. Bei Knie- und Hüftschmerzen empfiehlt der Experte Kraulen und Rückenschwimmen.
Wie Anfangen?
Am Anfang steht die sportärztliche Untersuchung, egal bei welcher Sportart, so Lercher. Man erhält dadurch nicht nur einen aktuellen Gesundheitsstatus, sondern auch Parameter für das individuelle Training. Sporteinsteigern, älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen ist eine Leistungsdiagnostik unbedingt empfohlen.
Schwimmen gegen Kilos
Hat man die Freigabe in der Tasche, erfolgt der Trainingsaufbau unter Berücksichtigung von Belastungs-, Erholungs- und Regenerationsphasen. Zuallererst muss die Technik perfektioniert werden, auch die Ausrüstung – Schwimmbrille oder passende Badebekleidung – ist wichtig. Empfehlenswert ist es, zwischen verschiedenen Stilen zu variieren, um unterschiedliche Muskelgruppen zu aktivieren.
Und wie steht es ums Abnehmen? „Eher negativ“, sagt Lercher. Bestenfalls gelinge das gegen eine Gegenstromanlage. Der Aufenthalt im Wasser ermöglicht jedoch Schwerelosigkeit, die den Bewegungsapparat entlastet – besonders bei Übergewicht von Bedeutung. Gewichtsverlust sollte mit einer Kombination aus Ernährungsmanagement und gelenkschonender Aktivität wie Radfahren, Rudern oder Powerwalken erfolgen. „Schwimmen ist Ausgleichssport.“
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