Schwangerschaft: Cannabiskonsum schädigt Gehirn von Ungeborenen

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Suchtstoffkonsum schädige ungeborene Kinder insgesamt, warnen Neuropharmakologen.

Potenziell abhängig machende psychoaktive Suchtgifte können Ungeborene schädigen. Für Alkohol ist das seit Jahrzehnten bekannt. Auch Cannabis dürfte zu diesen Substanzen gehören. Beim "Collegium internationale Neuro-Psychopharmacologium" diskutieren ab Samstag (16. Juni) rund 3.500 Neuro-Pharmakologen über die Wirkung von Substanzen und Arzneimittel auf das Gehirn.

Tibor Harkany von der Abteilung für Molekulare Neurowissenschaften an der MedUni Wien wird in einem Beitrag über die Wirkung von Cannabis auf Babys, Kleinkinder und Jugendliche sprechen, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung des Austria Center Vienna. "Während die Wirkungen von psychoaktiven Cannabinoiden, hauptsächlichTetrahydrocannabinol (THC), beim Erwachsenen temporär und damit reversibel sein dürften, haben diese während der Entwicklung des Gehirns ganz gravierende und lebenslange Auswirkungen", wurde Harkany zitiert.

Schäden von Entwicklungsstadium abhängig

Welche Schäden durch den Cannabiskonsum der Mutter beim Embyro ausgelöst werden, hängt stark davon ab, welche Gehirnentwicklungsschritte gerade beim Ungeborenen im Gange sind. So würden beispielsweise im ersten Schwangerschaftstrimester wesentliche Grundsteine für die motorischen Funktionen und das Belohnungssystem im Körper gelegt und im zweiten Trimester vor allem wichtige kognitive Funktionen entwickelt, die dann durch den Cannabiskonsum entsprechend gestört und geschädigt werden könnten. Die Folgen für die Kinder würden daher von Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten wie Sprache, Intelligenz, Konzentration und Merkfähigkeit über motorische Fähigkeiten und psychologische Entwicklungen reichen.

Das Grundproblem liege im THC, das wie ein Schlüssel in ein Schloss auf einen Hauptrezeptor in unserem Gehirn passe. "Eigentlich sind die Cannabinoidrezeptoren während der Gehirnentwicklung in unserem Gehirn dazu da, die Verbindung der Nervenzellen untereinander zu regeln. Da sich nun die THC-Molekühle mit diesen Rezeptoren verbinden, werden physiologische Funktionen so modifiziert, dass in Phasen der intensiven Gehirnentwicklung wichtige Verbindungen zwischen den Nervenzellen ausbleiben oder falsch verbunden werden", erklärt der Neurobiologe. "Daher ist es besonders wichtig, dass Schwangere kein THC zu sich nehmen – das gilt für das Kiffen genauso wie für Medikamente, die diesen Bestandteil enthalten," empfahl Harkany.

Bereits im Jahr 2014 belegte eine internationalen Studie unter der Leitung des Zentrums für Hirnforschung der MedUni Wien, dass Frauen, die während der Schwangerschaft Cannabis konsumieren, eine fehlerhafte Hirnentwicklung ihres ungeborenen Kindes riskieren (mehr dazu hier).

( Agenturen , pama ) Erstellt am 14.06.2018