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Schilddrüse: Neue OP-Methode lässt Hals narbenfrei

Der Eingriff findet österreichweit nur in der Klinik Landstraße statt, in Europa sonst nur in Rom. Der Chirurg steuert einen Roboter, der über winzige Schnitte unter den Achseln operiert.
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Rund 850 Schilddrüsen-Operationen führt das Team der Klinik Landstraße am dortigen Schilddrüsenkompetenzzentrum jährlich durch. Seit Kurzem kommt eine neue Methode zum Einsatz: die roboter-assistierte BABA-Technik (Bilateraler Axillo-Brust-Ansatz). Dabei wird die Schilddrüse durch je zwei winzige Schnitte im Bereich von Achsel und Brustwarze entfernt, ganz ohne die sichtbare Narbe am Hals, die typischerweise zurückbleibt. „Der Hauptunterschied zu bisherigen Operationstechniken ist, dass keine Schnitte im sichtbaren Bereich gemacht werden. Im Idealfall sieht niemand, dass man an der Schilddrüse operiert wurde“, erklärt Schilddrüsenspezialist Philipp Riss, Vorstand der Chirurgischen Abteilung in der Klinik Landstraße des Wiener Gesundheitsverbundes.

Entwickelt wurde die Methode in Asien, wo es vielen Menschen extrem wichtig ist, keine Halsnarbe zu haben. „Auch in Österreich gibt es Patientinnen und Patienten, die eine Narbe am Hals vermeiden wollen. Bei Menschen mit überschießender Narbenbildung etwa kann eine Narbe am Hals besonders störend sein und psychische Auswirkungen haben“, sagt Riss. Auch sehr junge Patientinnen mit ausgedehnten Schilddrüsenoperationen, etwa bei Schilddrüsenkarzinomen mit befallenen Lymphknoten, würden von dem neuen Eingriff profitieren.

Anderer Zugangsweg

Die Entscheidung für die neue Methode obliege den Patientinnen und Patienten, manche würden auch gezielt danach fragen. „Die BABA-Technik ist nicht die ,bessere' Methode, sondern ein anderer Zugangsweg, der für manche Patientinnen und Patienten Vorteile haben kann“, so Riss. Neben den kosmetischen hat sie auch Vorzüge für den Operateur selbst. „Durch die Operationstechnik mit dem Roboter sind sehr kleine, feine Bewegungen möglich, sodass ein besonders genaues Operieren möglich ist“, erklärt Chirurg Riss.

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Philipp Riss  an der Steuerkonsole des OP-Roboters während einer Schilddrüsen-Operation in der Klinik Landstraße.

Der Roboter operiert dabei aber nicht eigenständig, sondern wird von erfahrenen und dafür ausgebildeten Operateuren bedient. Über eine Konsole wird vom Chirurgen oder der Chirurgin die Bewegung von den Instrumenten, die in Roboterarme eingespannt sind, gesteuert. Ein Chirurg sitzt an der Steuerkonsole, ein weiterer direkt am Operationstisch. Auf einem integrierten Bildschirm sieht die steuernde Person das Livebild in 3D. Die Operation dauert in etwa gleich lang wie herkömmliche Eingriffe, wenn die durchführenden Personen Erfahrungen damit gesammelt haben.

Auch die Komplikationsrate unterscheidet sich nicht von anderen Schilddrüsenoperationstechniken. Spezifische Komplikationen des Zugangswegs über die Achsel seien extrem selten und in Wien noch nicht vorgekommen, berichtet Riss. Hinsichtlich der Wartezeit auf die Operation mache es keinen Unterschied, welche Methode zum Einsatz kommt. Die Reihung werde vor allem durch die Diagnose beeinflusst: Wer schneller operiert werden muss, werde auch schneller behandelt.

Vorteil für Chirurgen

Zudem profitieren Chirurginnen und Chirurgen selbst von der BABA-Technik: „Kopf- und Halschirurgen leiden am meisten unter chronischen Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen, weil sie ihr ganzes Berufsleben mit Lupenbrille und Stirnlampe gebückt über Patienten stehen. Mit dem Roboter sitzt man ergonomisch an einer Konsole.“

Noch ist die BABA-Technik aber nicht der neue Standard. Rund 50 Eingriffe fanden seit Ende 2025 in der Klinik Landstraße statt. Riss hat die Technik in Korea erlernt, wo sie entwickelt und standardisiert wurde. „Dort werden tausende Operationen pro Jahr gemacht, in manchen Krankenhäusern ist die BABA-Methode bereits Standard“, sagt Riss.

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Chirurg Philipp Riss erlernte die BABA-Technik in Korea.

Derzeit werden in der Klinik Landstraße bereits Assistenzärztinnen und -ärzte am Roboter ausgebildet. „Das ist mir besonders wichtig, weil es moderne Chirurgie darstellt. Für zukünftige Chirurginnen und Chirurgen ist es ein fixer Bestandteil der Ausbildung“, betont Riss. Auch erfahrene Oberärzte werden geschult. Als eine von nur zwei Kliniken in Europa, wo die BABA-Methode zum Einsatz kommt – die zweite ist in Rom –, finden an der Klinik Landstraße auch Schulungen statt. Im Herbst kommt etwa einer der erfahrensten koreanischen Chirurgen nach Wien, um die Zusammenarbeit zu vertiefen.

Ziel ist, ein europäisches Ausbildungscurriculum zu erarbeiten. Schon jetzt veranstaltet die Klinik jährlich einen internationalen Kurs für die sogenannte transorale Schilddrüsen-Entfernung, eine weitere minimalinvasive Methode über den Mund.

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