Ein Mann im Anzug mit Schutzmaske geht auf einer Straße in Heraklion auf Kreta. Die Luft ist durch Sahara-Staub orange gefärbt.
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Immer mehr Sahara-Staub in der Luft: Todeszahlen in Europa steigen

Immer heftigere Stürme treiben immer mehr Wüstenstaub aus Nordafrika nach Europa. Das wird zur zunehmenden Gefahr für Herz- und Lungenkranke sowie ältere Menschen. Die Sterblichkeitsrate steigt.

Gartenmöbel, Windschutzscheiben und Fenster sind mit einer feinen roten Staubschicht überzogen, die Luft ist diesig und rötlich gefärbt – wenn ein Sturm über Afrika Saharastaub in großen Mengen aufnimmt, können Luftströme diesen bis nach Europa treiben. Staaten in Südeuropa sind durch die Nähe zu Afrika stärker betroffen, von Griechenland über Italien bis Spanien und Portugal. Aber auch in Österreich sind die Auswirkungen, wenn auch in schwächerer Form, spürbar. 

„Das hat Folgen für die Gesundheit“, schreiben Forscherinnen und Forscher des schweizerischen Paul Scherrer Instituts (PSI) in der Fachzeitschrift Nature. Es ist die bislang wohl umfassendste Datenerhebung zu Wüstenstaub in Europa, bei der die PSI-Forschenden im Rahmen des paneuropäischen Forschungsnetzwerks Actris mit über fünfzig Kollegen in ganz Europa kooperierten und laut Studien-Co-Autor Imad El Haddad „praktisch alle zu diesem Thema verfügbaren Messreihen“ mit einbezogen.

Staubmenge doppelt so hoch

Die Wüstenstaubmenge in der Luft ist demnach in den vergangenen zehn Jahren um zehn bis 25 Prozent gestiegen. Untersuchungen von alpinem Gletschereis zeigen anhand eingeschlossener Feinstaubpartikel eine Verdopplung in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten (siehe Infobox unten). Der Grund für den Anstieg ist aber nicht eine höhere Anzahl von Stürmen, sondern dass die einzelnen Stürme heftiger ausfallen. Gleichzeitig hat sich die atmosphärische Zirkulation verändert, starke Winde aus dieser Region gelangen so vermehrt nach Europa.  

In Südeuropa liegt die durchschnittliche Konzentration von Wüstenstaub bei 5,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Sie ist mehr als doppelt so hoch wie in Mittel- und Nordeuropa. Dort werden im Schnitt 2,1 Mikrogramm gemessen. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Staubmenge rund ein halbes Mikrogramm pro Kubikmeter zugenommen. Während eines Sturms werden die Durchschnittsmengen jedoch um ein Vielfaches übertroffen.

Als Anfang April heftige Unwetter in Griechenland schwere Schäden verursachten, färbten große Mengen Saharastaub die Luft auf Kreta sowie den Kykladeninseln Santorini, Naxos und Mykonos orange-rot. Die Luft enthielt so viel Staub, dass die Sicht eingeschränkt war (siehe Foto oben). Schulen wurden geschlossen, der Fährbetrieb eingestellt. Die Konzentration von Wüstenstaub in der Luft überstieg die Marke von 1.000 Mikrogramm pro Kubikmeter, auf den Straßen trugen viele Menschen Masken.   

Fakten

Sahara-Ausweitung
Die weltweit größte Trockenwüste in Nordafrika ist so groß wie die USA und wächst  weiter. Seit 1920 hat sie sich um rund 10 Prozent ausgedehnt.

Gletscherstudie
Die Untersuchung von Eisbohrkerndaten am Colle Gnifetti an der schweizerisch-italienischen Grenze ergab, dass sich die Wüstenstaubkonzentration in den vergangenen 150 Jahren mehr als verdoppelt hat.

500 Wüstenstaubstürme in Europa und deren Daten analysierte Forscher Kaspar Dällenbach vom Paul Scherer Institut in der Schweiz in Kooperation mit Kollegen aus ganz Europa. 

Mehr Tode durch Herzinfarkte und Atemprobleme

An Tagen mit hohen Wüstenstaubwerten in der Luft sterben deutlich mehr Menschen an Herzinfarkten und Atemproblemen. Auch ältere Menschen sind stärker gefährdet. Längerfristige Auswirkungen wie Staublunge, Asthma und chronische Bronchitis werden zwar vermutet, Langzeitstudien dazu gibt es jedoch noch keine. 

Frühwarnsystem

Um gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, schlagen die Wissenschafter vor, ein Warnsystem zu etablieren. Man könne sich etwa an den Informationsplattformen für Feinstaubwerte in der Stadt oder Pollenbelastung orientieren. Wer gesundheitlich vorbelastet ist, könnte an Tagen mit erhöhten Staubwerten Bewegung im Freien reduzieren und sich mehr in Innenräumen aufhalten.

Weniger Feinstaub, mehr Wüstenstaub

Dank strenger Vorschriften sinkt die Feinstaubbelastung, die durch Verkehr, Haushalte und Industrie verursacht wird, in Europa. Die Belastung durch Wüstenstaub nimmt jedoch zu. „Inwieweit der menschengemachte Klimawandel diese Entwicklung mitverursacht hat und ob er sie weiter verstärkt, ist noch nicht abschließend geklärt“, so Projektleiter Kaspar Dällenbach.

Durch die Klimaerwärmung wird es in bestimmten Regionen trockener und die Wüsten breiten sich aus. Die Forscher vermuten deshalb, dass diese eine Zunahme des Wüstenstaubs in der Luft zumindest begünstigt.  

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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