Psychotherapie-Ausbildung neu: Wie man einen der 500 Studienplätze ergattert
Österreich reformiert die Psychotherapie-Ausbildung: Ab Herbst 2026 stehen 500 staatlich finanzierte Masterplätze für Psychotherapie zur Verfügung.
"Für mich ist Salzburg die Wiege der modernen Psychotherapie", betont Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP) am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Es sei daher nur logisch, dass man sich zur Präsentation der neuen Psychotherapieausbildung in der Mozartstadt eingefunden habe.
Der Rechnungshof konstatierte bereits 2019, Salzburg biete die beste psychotherapeutische Versorgung in Österreich. Seit zwei Jahren ist dort zudem die Universitätsambulanz für Psychotherapie in Betrieb.
Ab Herbst an zehn Standorten 500 staatlich finanzierte Master-Plätze
Auch die Neuausrichtung der Ausbildung wurde an der Universität Salzburg federführend vorbereitet. "Ab Herbst werden an mehreren Standorten in Wien, Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg, Krems und Klagenfurt pro Jahr 500 staatlich finanzierte Plätze für den Psychotherapie-Master zur Verfügung stehen. Basis der Studiengänge bildet ein gemeinsames Curriculum", sagt Thomas Probst, Universitätsprofessor für Psychotherapie und -forschung sowie Gründungsdirektor der Salzburger Universitätsambulanz für Psychotherapie. In Wien stehen beispielsweise 40 Plätze zur Verfügung.
Das Studienplatz-Kontingent sei zu gering, kritisieren Fachleute immer wieder. Man habe sich an den jährlichen Neueintragungen in der Liste der Psychotherapeutinnen und -therapeuten orientiert, so Probst: „Pro Jahr sind das rund 500.“ Wobei auch Probst mit einer Nachfrage rechnet, die das verfügbare Angebot deutlich übersteigt, weswegen ein Aufnahmeverfahren eingerichtet wurde. Gerechnet wird mit rund 1.500 Anmeldungen.
Die Bewerbungsphase für den Master startet am 2. März. Am 6. Juli soll ein einheitlicher Aufnahmetest erfolgen, in dem unter anderem psychotherapeutische Wissensgrundlagen überprüft werden, ebenso wie verbal-analytisches Denken und sozio-emotionale Kompetenzen. Probst: "Die Leistung entscheidet, wer einen Studienplatz bekommt." 75 Prozent der Plätze sind Personen mit österreichischem Maturazeugnis vorbehalten.
Inhaltlich sei der Master auf eine Verschränkung von Theorie und Praxis ausgerichtet. Neben Informationen zu den in Österreich anerkannten Therapieschulen würden auch Teile der im Zuge der Ausbildung vorgeschriebenen Selbsterfahrung und Praktikumsstunden abgedeckt. "Der Master soll die Basis für die Entscheidung sein, in welche Richtung man in der postgraduellen Phase gehen will", beschreibt Probst.
Finale, kostenpflichtige Ausbildungsphase bleibt
An den Master schließt eine finale, kostenpflichtige Ausbildungsphase an. Sie wird an einer Fachgesellschaft absolviert, an der man sich auf eine psychotherapeutische Arbeitsweise spezialisiert. Bisher war die zweiphasige Psychotherapieausbildung mit allgemeinem Propädeutikum und spezialisiertem Fachspezifikum insgesamt mit Kosten von mehreren Zehntausend Euro verbunden. Für viele ist sie damit nicht leistbar, die Folge ist eine homogene Gruppe an Psychotherapeutinnen und -therapeuten, die sehr diversen Lebensrealitäten aufseiten der Patientinnen und Patienten gegenübersteht.
Ob die Neuregelung tatsächlich eine finanzielle Erleichterung bringt, ist fraglich. Hoffnungen setzt man etwa in bezahlte Berufserfahrungstätigkeiten über Anstellungsverhältnisse statt wie bisher unbezahlter Praktika an Psychiatrien oder Ambulanzen, die während des letzten Ausbildungsabschnitts absolviert werden müssen. Unklar ist, ob dies tatsächlich Realität wird.
"Die neue Fachausbildungsphase wird im Vergleich zum aktuellen Fachspezifikum umfangreicher, was sich in den Kosten niederschlagen wird", sagt Haid, die erneut eine vollumfängliche staatliche Finanzierung der Ausbildung fordert. "Ähnlich, wie es bei anderen gehobenen gesetzlich geregelten Gesundheitsberufen der Fall ist." Bis dahin müssten Stipendien und Fördermodelle eingerichtet werden.
Einzelpsychotherapie in Österreich in freier Praxis wirksam
Dass Psychotherapie im niedergelassenen Bereich hierzulande wirkt, zeigt nun erstmals eine Studie der Universität Krems. "Häufig wird die Wirksamkeit von Psychotherapie im Klinik-Setting untersucht, wir haben Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in freier Wildbahn, untersucht", sagt Studienleiterin Elke Humer. "Wir konnten nachweisen, dass Einzelpsychotherapie in Österreich in freier Praxis wirksam ist", schildert sie. Damit konnte hierzulande erstmals ein Wirksamkeitsnachweis für ambulante Psychotherapie erbracht werden. "Das macht Österreich international sichtbar in der Psychotherapieforschung", sagt Probst.
Laut Humer sei es in der Studie zu einer Zunahme an positiver psychischer Gesundheit gekommen, bei gleichzeitiger Abnahme depressiver oder ängstlicher Symptomatik sowie Beeinträchtigungen im Alltag. Bei einem geringen Prozentsatz sei eine Verschlechterung der Symptomatik eingetreten. "Eine Einschränkung der Studie ist, dass wir keine Kontrollgruppe hatten. Die Veränderungen lassen sich also nicht eindeutig auf die Psychotherapie zurückführen und könnten zumindest teilweise durch andere Einflüsse erklärbar sein."
In Folgestudien soll nun der Fokus auf Risiken und Nebenwirkungen der Psychotherapie sowie auf den Einfluss der Passung zwischen Therapeuten und Patienten liegen.
Österreichweit stehen ab 1.10.2026 jährlich 500 Studienplätze für das Masterstudium Psychotherapie zur Verfügung. Die Studienplätze verteilen sich wie folgt.
- Standort Graz: 140 Studienplätze
- Standort Innsbruck: 100 Studienplätze
- Universität Klagenfurt: 40 Studienplätze
- Universität für Weiterbildung Krems: 80 Studienplätze
- JKU Linz: 50 Studienplätze
- Universität Salzburg: 50 Studienplätze
- Standort Wien: 40 Studienplätze
Da die 500 Studienplätze das Interesse am Studium nicht abdecken, wird österreichweit ein einheitliches Aufnahmeverfahren eingeführt. Die österreichweit gültigen Informationen zu diesem Aufnahmeverfahren sind zu finden unter www.psychotherapiestudieren.at
Mehr Versorgungssicherheit schaffen
Aktuell gibt es in Österreich 13.000 eingetragene Psychotherapeutinnen und -therapeuten. 11.000 befinden sich in Ausbildung. Lange Wartezeiten, am Ende ein Griff in die eigene Geldbörse: Viele Österreicherinnen und Österreicher erleben den Zugang zu Psychotherapie nach wie vor als hürdenreich. Andreas Huss von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) streicht Verbesserungen der vergangen Jahre hervor. So seien etwa mehr vollfinanzierte Kassenplätze geschaffen und Versorgungsstrukturen vereinheitlich worden.
Geplant sei, österreichweit psychosoziale Versorgungszentren aufzubauen, die Menschen mit psychischen Problemen zur Erstabklärung besuchen können und anschließend an Fachpersonal, auch Psychiaterinnen oder Klinische Psychologen, weiterverwiesen werden. "So kann mehr Versorgungssicherheit geschaffen und bestehende Ressourcen können effizienter genutzt werden", betont Huss, der die Akademisierung der Psychotherapie begrüßt. "Wir schließen damit an internationale Standards an."
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