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Protein vor dem Schlafen: Sinnvoll oder überbewertet?

Der "Pre-Sleep-Protein-Hack" soll den Aufbau von Muskeln fördern. Was Studien dazu zeigen.
Eine Portion Skyr.

Ein Ernährungstrend erobert die Sportwelt: Protein kurz vor dem Schlafengehen soll Muskelaufbau und Regeneration fördern. Doch was bringt der „Pre-Sleep-Protein-Hack" wirklich?

Besonders bei Leistungs- und Hobbysportlern ist die gezielte Eiweißzufuhr vor dem Zubettgehen beliebt. Die Idee: Die Muskeln werden über Nacht kontinuierlich mit Nährstoffen versorgt. Im Fokus steht Casein, ein Milcheiweiß, das rund 80 Prozent des Proteins in Kuhmilch ausmacht. „Casein wird über mehrere Stunden hinweg im Körper aufgenommen und kann die Muskulatur während der Nacht kontinuierlich mit Aminosäuren versorgen", erklärt Kneginja Richter, Chefärztin der CuraMed Tagesklinik Nürnberg. Das macht es für Sportler interessant, die ihre nächtliche Regeneration unterstützen wollen.

Enthalten ist Casein vor allem in Magerquark, Hüttenkäse, Skyr, Joghurt, Mozzarella und Käse. Im Gegensatz dazu wird Whey-Protein (Molkenprotein) schneller aufgenommen und meist direkt nach dem Training als Post-Workout-Booster eingesetzt.

Topfen statt Pulver

Teure Nahrungsergänzungsmittel sind laut Richter meist unnötig: „Ein proteinreiches Milchprodukt am Abend liefert bereits eine ausreichende Menge Casein, um mögliche Effekte zu erzielen." Damit können viele handelsübliche Proteinshakes problemlos ersetzt werden.

Die Studienlage ist gemischt. Einzelne Untersuchungen zeigen, dass abendliches Protein die nächtliche Muskelproteinsynthese fördern kann. Andere Studien belegen keine signifikanten Effekte auf langfristige Trainingsanpassungen. 

Ein zentraler Befund: Die gesamte tägliche Proteinaufnahme ist entscheidender als der exakte Zeitpunkt. Wer ausreichend Protein über den Tag verteilt zu sich nimmt, ist bereits gut versorgt. „Für viele Sportler handelt es sich beim Pre-Sleep-Protein daher eher um eine Feinoptimierung als um einen entscheidenden Leistungsfaktor", so Richter. Als Orientierung können etwa 40 Gramm Protein pro Mahlzeit dienen.

Schlaf nicht gefährden

Wichtig laut Richter: Ernährungsstrategien dürfen die Schlafqualität nicht beeinträchtigen. „Schlaf ist selbst der wichtigste Regenerationsfaktor", betont die Expertin. Leicht verdauliche, proteinreiche Lebensmittel wie Magertopfen seien hier sinnvoll, sofern sie individuell vertragen werden.

Bestimmte Aminosäuren wie Glycin könnten am Abend sogar zu besserer Schlafqualität beitragen, etwa durch eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Dieser Effekt wird aktuell weiter erforscht.

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