"Ozempic-Face": Wie Abnehmmedikamente das Aussehen verändern

Der rasche Gewichtsverlust sorgt immer häufiger für ästhetische Probleme und Besuche beim Chirurgen. Viele merken Veränderungen erst spät.
Kelly Osbourne bei den Britain Brit Awards 2026.

Der Erfolg der Abnehmpräparate bringt auch neue ästhetische Herausforderungen mit sich. Besonders auffallend ist das sogenannte „Ozempic-Face“, eine auffällige Veränderung des Gesichts, bei der Falten und Knochen stärker hervortreten. Ozempic ist zwar offiziell zur Diabetesbehandlung und nicht zum Abnehmen zugelassen, steht aber häufig als Synonym für die Abnehmpräparate. 

Der Begriff ist kein medizinischer Fachausdruck, sondern hat sich etabliert, nachdem einige Prominente, etwa der britische TV-Star und Tochter von Rockmusiker Ozzy Osbourne, Kelly Osbourne, zum Paradebeispiel wurden. Gemeint ist ein deutlicher Volumenverlust im Gesicht, insbesondere an Wangen, Schläfen und unter den Augen, wodurch die Gesichtszüge eingefallen wirken. Gleichzeitig verliert die Haut an Spannung, da die Fettpolster darunter schneller abgebaut werden und sie sich – vor allem mit zunehmendem Alter – nicht im gleichen Tempo zurückziehen kann. Das Ergebnis ist oft ein müder, schlaffer Gesichtsausdruck, der Betroffene deutlich älter wirken lässt.

Nachfragen beim Chirurgen nehmen zu

Harald Beck, Spezialist für plastische Chirurgie in Wien, beobachtet in seiner Praxis seit einiger Zeit eine deutliche Zunahme an Patientinnen und Patienten, die nach starkem und schnellem Gewichtsverlust unter unerwünschten körperlichen Veränderungen leiden. „Das große Problem ist die Geschwindigkeit“, sagt Beck. „Wenn man rasch abnimmt – und das ist bei den modernen Abnehm-Medikamenten häufig der Fall – fällt der Körper förmlich zusammen.“ Das eingangs beschriebene „Ozempic-Face“ falle teils so stark ein, „dass Betroffene gefühlt einen Alterungsschub um Jahrzehnte erleben.“

Was viele unterschätzen: Diese Veränderungen lassen sich ästhetisch oft nur eingeschränkt korrigieren. „Wenn das Fett unter der Haut plötzlich fehlt, hängt die Haut nicht nur im Gesicht, sondern am ganzen Körper“, erklärt Beck. Mit Fillern, Hyaluronsäure oder Eigenfett könne man zwar Volumen ersetzen, „aber man kommt typischerweise nicht mehr dorthin zurück, wo man vorher war“. In den meisten Fällen sei eine Kombination notwendig: überschüssige Haut müsse chirurgisch entfernt und Volumen wieder aufgebaut werden.

Eingriffe haben sich vervielfacht

Die Zahl solcher Eingriffe steige derzeit massiv. „Das gab es früher auch – etwa nach Magenbypass-Operationen“, sagt Beck. „Der Unterschied ist die Anzahl. Sie hat sich vervielfacht.“ Während bariatrische Eingriffe wie Magenverkleinerungen inzwischen stark rückläufig seien, habe sich die Gruppe der Patientinnen und Patienten nach medikamentöser Gewichtsabnahme enorm vergrößert. In seiner Ordination habe sich die Zahl dieser Fälle „verdrei- bis verfünffacht“, schätzt Beck.

Der plastische Chirurg spricht auch vom „Ozempic Body“. Gemeint sind nicht nur hängende Hautpartien, sondern auch ein ausgeprägter Muskel- und Proteinabbau. „Fast alle verlieren Muskulatur“, sagt der Schönheitschirurg. Nur jüngere Menschen schafften es meist, parallel ausreichend zu trainieren und Muskelmasse zu erhalten. Ein sehr niedriger Körperfettanteil wirkt sich auf das Äußere aus. „Wenn man zu viel abnimmt, büßt man an Ästhetik ein – tendenziell stärker bei Frauen, aber grundsätzlich bei beiden Geschlechtern“, so Beck.

Fällt anderen meist zuerst auf

Trotz sichtbarer Veränderungen seien viele Betroffene zunächst kaum enttäuscht. „Die negative ästhetische Veränderung fällt selbst oft wenig auf – eher dem Umfeld“, sagt Beck. Im Vordergrund stehe meist die Freude über den Gewichtsverlust. Die Korrektur folge oft erst später.

Ein zentrales Problem sei die mangelnde Steuerbarkeit der Gewichtsabnahme. „Es ist extrem schwer vorherzusagen, mit welcher Dosierung jemand wie viel abnimmt und wann man stehen bleibt“, so Beck. Ein langsamerer Gewichtsverlust wäre aus seiner Sicht deutlich schonender. „Langsames Abnehmen gibt dem Gewebe Zeit, sich anzupassen“, sagt Beck. „Die negativen ästhetischen Folgen sind dann deutlich geringer als bei raschem Gewichtsverlust.“ Seine persönliche Empfehlung ist daher, die Medikamente lieber geringer zu dosieren und nicht zu rasch zu steigern.

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