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Wissen Gesundheit
10/13/2021

Ommm – mein Cortisol! So ist man bis in die Haarwurzeln entspannt

Neue Haar-Analysen zeigen: Verschiedene Formen von Meditationstrainings können den Langzeitstress messbar verringern.

Mentales Training verringert die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Haar. Das haben nun Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig herausgefunden. Die Cortisolmenge im Haar gibt Auskunft darüber, wie stark eine Person durch anhaltenden Stress belastet ist.

Positive Trainingseffekte hatten sich bisher in akuten Stresssituationen oder an einzelnen Tagen gezeigt, oder sie basierten auf Selbstauskünften von Studienteilnehmern. Die neue Studie erbringt erstmals einen Beleg dafür, dass mentales Training körperliche Anzeichen von langen Stressphasen verringert, auch bei gesunden Menschen.

Laut Studien leidet rund ein Viertel der EU-Bürger häufig unter Stress. Dieser Zustand belastet nicht nur das Wohlbefinden der Betroffenen. Er hängt auch mit einer Reihe von physiologischen Erkrankungen zusammen, darunter Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychologische Störungen wie Depression, eine der weltweit führenden Ursachen von Krankheitslast.

Zum Haareraufen

Daher sucht man nach wirksamen Methoden, die den Alltagsstress auf Dauer reduzieren. Als vielversprechende Option gelten Achtsamkeitstrainings, in denen die Teilnehmer durch verschiedene Meditations- und Verhaltensübungen ihre kognitiven und sozialen Fähigkeiten schulen, darunter Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und Mitgefühl.

Als geeignete Messgröße für die Belastung durch anhaltenden Stress gilt die Konzentration von Cortisol im Haar. Cortisol ist ein Hormon, das ausgeschüttet wird, wenn man sich zum Beispiel mit einer überwältigenden Herausforderung konfrontiert sieht. In der jeweiligen Situation hilft es, den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen und Energie zu mobilisieren, um damit die Herausforderung zu bewältigen.

Um das Stresslevel der Studienteilnehmer während des neunmonatigen Trainings zu messen, analysierten die Forscher in Zusammenarbeit mit der Universität Dresden die Cortisol-Menge alle drei Monate – jeweils in deren ersten drei Haar-Zentimetern, beginnend an der Kopfhaut.

Das neunmonatige mentale Trainingsprogramm bestand aus drei dreimonatigen Einheiten, die jeweils mithilfe westlicher und fernöstlicher mentaler Übungen einen bestimmten Fähigkeitsbereich schulen sollten. Drei Gruppen von jeweils rund 80 Teilnehmenden absolvierten die Trainingsmodule. Geübt wurde dreißig Minuten täglich, sechs Tage die Woche.

Und tatsächlich zeigte sich: Nach sechs Monaten Training war die Cortisol-Menge in den Haaren der Probanden deutlich gesunken, im Schnitt um 25 Prozent. In den ersten drei Monaten waren zunächst leichte Effekte zu sehen, die sich in den darauffolgenden drei Monaten verstärkten. Im letzten Drittel blieb die Konzentration dann auf niedrigem Niveau. Die Forscher gehen daher davon aus, dass erst ein ausreichend langes Training zu den gewünschten stressreduzierenden Wirkungen führt.

Haarscharfe Analyse

Dabei scheint der Effekt nicht von den Inhalten des Trainings abzuhängen. Möglicherweise sind mehrere der untersuchten mentalen Ansätze ähnlich effektiv, um den Umgang mit chronischem Stress zu verbessern.

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