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Wissen Gesundheit
10/05/2020

Hoffnung für Corona: Eine chronische Viruskrankheit, die heilbar ist

Nobelpreis für Medizin: Die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus rettete Millionen Leben und schuf die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie.

von Ernst Mauritz

„Das ist absolut verdient – und die drei hätten diese Auszeichnung schon vor zehn Jahren bekommen müssen.“ Das sagt der Doyen der österreichischen Leber-Experten, Peter Ferenci von der MedUni Wien, anlässlich der Vergabe des heurigen Medizin-Nobelpreises für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus.

Die drei Preisträger machten ihre Entdeckungen in den 1970er und 1980er Jahren: Harvey J. Alter (USA) zeigte, dass offenbar ein bis dahin unbekanntes Virus – weder Hepatitis A noch Hepatitis B – eine chronische Leberentzündung auslösen kann. Der Brite Michael Houghton konnte das Erbgut des neuen Virus isolieren. Und Charles M. Rice (USA) wies schließlich nach, dass der neu entdeckte Erreger auch tatsächlich der alleinige Auslöser von Hepatitis C ist.

„Dieses Virus zu entdecken war damals eine unglaublich tolle Leistung“, sagt Ferenci. Es war die Grundlage, dass hochempfindliche Bluttests entwickelt werden konnten: „Bis in die Achtzigerjahre passierten zwei Drittel der Neuinfektionen durch Bluttransfusionen. 1989 hatten wir den Antikörpertest, 1991 den PCR-Test. Seit 1992 wird Hepatitis C nicht mehr durch Blutkonserven übertragen.“

Doch die Therapie blieb aufwendig: „Die Patienten bekamen ein Jahr lang einmal in der Woche eine Interferon-Injektion unter die Haut – am nächsten Tag hatten sie 40 Grad Fieber. Ich bewundere heute noch die Patienten, die diese nebenwirkungsreiche Therapie ein Jahr lang durchgestanden haben.“ Trotz der langen Therapiedauer waren danach nur rund 50 Prozent der Patienten auch geheilt.

Ohne die grundlegende Arbeit der drei neuen Medizinnobelpreisträger wäre „ein medizinischer Quantensprung“ nicht möglich gewesen, wie Ferenci es nennt: Die Entwicklung jener neuen Anti-Virus-Therapien, die Hepatitis C seit einigen Jahren zu einer heilbaren Erkrankung gemacht haben. „Die Patienten nehmen heute täglich eine Tablette ohne Nebenwirkungen und nach zwölf Wochen – in einem anderen Therapieschema nach acht Wochen mit drei Tabletten täglich – sind sie geheilt.“

„Das ist wirklich beeindruckend – eine chronische Viruserkrankung, die heilbar ist: Das haben wir bei Hepatitis B nicht geschafft und auch nicht bei HIV“, sagt Michael Trauner, Leiter der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am AKH / MedUni Wien. „Das ist einer der absoluten Durchbrüche in der Medizin.“

Heimische Beteiligung

Die erste moderne interferon-freie Therapie wurde von der Firma Gilead Sciences in Kalifornien zu der Zeit entwickelt, als der Vorarlberger Norbert Bischofberger dort Forschungsdirektor war.

„Diese neuen Therapien wurden wesentlich unter österreichischer Beteiligung miterforscht“, sagt Trauner: „Peter Ferenci hat diese Geschichte wesentlich mitgeschrieben und Studiendaten veröffentlicht, wonach tatsächlich fast 100 Prozent der Hepatitis-C-Patienten geheilt werden können.“

Seit Blutkonserven sicher sind, wird Hepatitis C vor allem durch Drogenkonsum (Spritzentausch, gemeinsames Verwenden von Kokainröhrchen) übertragen, kaum durch Sexualkontakte.

Für Peter Ferenci ist gerade dieser Nobelpreis symbolhaft für die Coronavirus-Pandemie: „Er macht darauf aufmerksam, dass es möglich ist, Viruserkrankungen zu heilen. Ich hoffe, dass wir das von Covid-19 auch eines Tages sagen können.“

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