Lungentransplantation: Wie sie Mette-Marit helfen könnte

Lungenfibrose bei Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen: Wie eine Lungentransplantation abläuft – und welche Chancen der "zweite Atem" bietet.
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Zusammenfassung

  • Kronprinzessin Mette-Marits Gesundheitszustand hat sich durch ihre chronische Lungenfibrose verschlechtert, sodass eine Lungentransplantation erwogen wird.
  • Lungentransplantationen sind komplexe Eingriffe, die bei fortgeschrittener Lungenerkrankung eine neue Lebensperspektive bieten, aber mit Risiken und begrenzter Langzeitprognose verbunden sind.
  • Erfahrungen von Patientinnen und Patienten zeigen, dass nach einer erfolgreichen Transplantation ein aktives Leben möglich ist, wie auch Beispiele aus Österreich belegen.

Seit 2018 ist bekannt, dass Kronprinzessin Mette-Marit an einer chronischen Lungenfibrose leidet. Die Krankheit zerstört nach und nach das Lungengewebe. Medikamente können den Verlauf bremsen – doch im fortgeschrittenen Stadium bleibt manchmal nur eine Möglichkeit: eine neue Lunge.

Nach Angaben des norwegischen Königshauses hat sich der Gesundheitszustand der Prinzessin zuletzt verschlechtert. Deshalb bereiten sich die behandelnden Ärzte nun auf mögliche weitergehende Therapien vor – dazu kann in schweren Fällen auch eine Lungentransplantation gehören.

Wenn das Lungengewebe vernarbt

Bei einer Lungenfibrose verändert sich das Gewebe der Lunge. Es vernarbt und verliert seine Elastizität. Die feinen Strukturen, über die Sauerstoff ins Blut gelangt, funktionieren dadurch immer schlechter, das Atmen wird schwieriger.

Typische Symptome sind:

  • zunehmende Atemnot
  • trockener Reizhusten
  • schnelle Erschöpfung

Die Krankheit schreitet meist langsam, aber stetig voran. Medikamente können die Entzündungsprozesse in der Lunge bremsen, heilen lässt sich eine Fibrose jedoch nicht.

Wann eine Lungentransplantation nötig wird

Bei vielen Betroffenen lässt sich der Verlauf über Jahre stabilisieren. In fortgeschrittenen Stadien kann die Lunge jedoch so stark geschädigt sein, dass selbst moderne Therapien nicht mehr ausreichen. Dann bleibt oft nur noch eine Möglichkeit: eine Lungentransplantation.

Sie kommt vor allem bei schweren Lungenerkrankungen infrage, also bei

  • Lungenfibrose
  • COPD
  • Lungenemphysem
  • Mukoviszidose
  • pulmonaler Hypertonie

Voraussetzung ist, dass andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Lebensqualität stark eingeschränkt ist. Gleichzeitig müssen Patienten körperlich stabil genug sein, um eine große Operation zu überstehen.

Der Weg zur Transplantation

Bevor Patientinnen und Patienten auf eine Warteliste kommen, folgen umfassende medizinische Untersuchungen. Ärzte prüfen dabei unter anderem Herz, Kreislauf und andere Organe. 

Erst wenn klar ist, dass eine Transplantation medizinisch sinnvoll und möglich ist, erfolgt die Aufnahme auf eine internationale Warteliste. 

Als länderübergreifende Schaltstelle fungiert Eurotransplant – die europäische Organisationszentrale für Organtransplantationen, mit einem gemeinsamen Spendermeldesystem und einer zentralen Warteliste.

Wie eine Lungentransplantation abläuft

Der Eingriff gehört zu den komplexesten Operationen der Thoraxchirurgie. Über einen großen Schnitt im Brustkorb werden die erkrankten Lungenflügel entfernt und durch Spenderlungen ersetzt. Es kann auch nur ein Lungenflügel ersetzt werden. 

Häufig übernimmt währenddessen eine Herz-Lungen-Maschine die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff.

Nach der Operation verbringen Patientinnen und Patienten zunächst einige Zeit auf der Intensivstation. Anschließend beginnt eine längere Phase der Rehabilitation. Häufig wird vom „zweiten Atem“ gesprochen. 

Vom Krankenbett auf den höchsten Gipfel Amerikas

Was nach einer erfolgreichen Lungentransplantation möglich sein kann, zeigt ein Beispiel aus Österreich. Die Wienerin Stefanie Eigner erhielt 2017 eine Spenderlunge. Jahre später stand sie auf dem Aconcagua in den Anden – mit 6.961 Metern der höchste Berg Amerikas.

„Vor einigen Jahren war ich noch bettlägerig und jetzt habe ich es auf den Aconcagua geschafft“, sagte die 31-Jährige vor Kurzem. Gemeinsam mit weiteren transplantierten Patientinnen und Patienten aus mehreren Ländern nahm sie an einer Expedition teil, die von Ärzten der Medizinischen Universität Wien begleitet wurde.

Mit ihrer Teilnahme wollte sie anderen Mut machen: „Ich wollte zeigen, dass man ein aktives Leben führen kann und keine Angst vor einer Lungentransplantation haben muss.“

Auch der Wiener Lungenfacharzt Peter Jaksch von der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie sieht darin ein wichtiges Signal. 

„Gerade Lungentransplantierte werden oft als dauerhaft eingeschränkt wahrgenommen“, sagt er. Die Expedition habe jedoch gezeigt, dass sorgfältig ausgewählte Patientinnen und Patienten „körperlich belastbar und anpassungsfähig“ sein können – sogar unter extremen Bedingungen.

Ein Teilnehmer schaffte es sogar bis ganz auf den Gipfel. Der Oberösterreicher Helmut Steigersdorfer lebt bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten mit einer transplantierten Lunge. „Ich wollte zeigen, was mit einer solchen Lunge möglich ist – und damit Hoffnung und Zuversicht geben“, sagt er.

Body with lung tumor

Für viele Patienten ist eine Lungentransplantation die Chance auf einen "zweiten Atem".

Wie erfolgreich Lungentransplantationen sind

Die Lungentransplantation zählt zu den anspruchsvollsten Eingriffen der Transplantationsmedizin

Zwar haben sich die Ergebnisse in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, dennoch sind die langfristigen Überlebenschancen niedriger als bei anderen Organtransplantationen.

Internationale Registerdaten zeigen ungefähr folgende Größenordnungen:

  • Nierentransplantation: etwa 95–98 Prozent der Patienten leben ein Jahr nach dem Eingriff, rund 85–90 Prozent nach fünf Jahren.
  • Lebertransplantation: etwa 85–90 Prozent überleben das erste Jahr, rund 70–75 Prozent fünf Jahre.
  • Herztransplantation: etwa 85–90 Prozent ein Jahr, etwa 70–75 Prozent nach fünf Jahren.
  • Lungentransplantation: etwa 80–85 Prozent leben nach einem Jahr, rund 55–60 Prozent nach fünf Jahren.

Ein Grund dafür ist, dass die Lunge besonders anfällig für Infektionen und chronische Abstoßungsreaktionen ist. Transplantierte müssen lebenslang Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken.

Eine neue Chance – trotz Risiken

Trotz dieser Herausforderungen bedeutet eine Lungentransplantation für viele Menschen mit schweren Lungenerkrankungen eine neue Perspektive. Ohne den Eingriff ist die Lebenserwartung im Endstadium vieler Krankheiten stark eingeschränkt.

Die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten zeigen jedoch, dass nach einer erfolgreichen Transplantation wieder ein aktives Leben möglich sein kann. 

Für Kronprinzessin Mette-Marit könnte eine solche Operation deshalb vor allem eines bedeuten: die Chance, wieder leichter Luft zu bekommen.

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