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Libidoverlust: Mehr als nur ein Hormonproblem

Warum nehmen viele Frauen in den Wechseljahren zu und verlieren gleichzeitig das Interesse an Sexualität? Neue Erkenntnisse lenken den Blick auf einen bislang wenig beachteten Faktor: Noradrenalin. Ein Gastkommentar von Prof. DDr. Johannes Huber.
Eine Frau liegt im Bett und bedeckt ihr Gesicht mit den Händen, wirkt erschöpft oder gestresst.

Obwohl die derzeit vielfach angewendeten GLP-1-Abnehmspritzen wirksame Medikamente sind, die das Sättigungsgefühl im Gehirn verstärken, die Magenentleerung verlangsamen und damit tatsächlich das Abnehmen erleichtern, fragen sich dennoch viele betroffene Frauen, warum gerade in den Wechseljahren häufig Gewichtsprobleme entstehen und diese gleichzeitig mit einem Problem auftreten, das auf den ersten Blick eigentlich nichts mit dem Stoffwechsel zu tun hat: nämlich mit dem Libidoverlust.
Die Betroffenen klagen vor allem über Fetteinlagerungen in der Körpermitte und fehlendes Interesse an der Sexualität, was mitunter auch zu partnerschaftlichen Problemen und Belastungen führt. Verantwortlich dafür müssen jedoch nicht immer ausschließlich die Wechseljahre selbst sein, sondern es kann ebenso ein in der Lebensmitte auftretender Noradrenalinmangel eine wichtige Rolle spielen.


Noradrenalin gehört zu den lebenswichtigen Stresshormonen und Neurotransmittern, die sowohl im zentralen Nervensystem als auch in der Nebenniere gebildet werden. Es reguliert unter anderem Wachheit, Aufmerksamkeit, Stoffwechselvorgänge und die sexuelle Erregung. Neben der Menopause (Hormonmangel bei Frauen) und der Andropause (Hormonmangel bei Männern) gibt es darüber hinaus auch die sogenannte Adrenopause, die mit einer verminderten Aktivität dieser Drüse einhergeht. Dies kann möglicherweise auch andere Beschwerden erklären, die ebenfalls häufig in der Menopause anzutreffen sind, nämlich Müdigkeit, Leistungsabfall, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche.
Noradrenalin ist aber auch in der Lage, über eigene Rezeptoren den Fettabbau zu fördern. Ist in der Lebensmitte nicht ausreichend Noradrenalin vorhanden, kann Fett nur unzureichend abgebaut werden. Noradrenalinmangel entsteht jedoch auch dadurch, dass Entzündungszellen – Makrophagen – das im Gewebe an Nervenendigungen freigesetzte Noradrenalin gewissermaßen „auffressen“. Damit wird der Fettabbau blockiert. 


Um dies  zu  umgehen, forscht die Medizin in verschiedenen Richtungen: Einerseits versucht man, Stoffe zu finden, die die Noradrenalinproduktion anregen bzw. Noradrenalin ersetzen; andererseits kann man auch die Rezeptoren – die Andockstellen für Noradrenalin – vermehren. Dies versucht man mit Yohimbin, einem aus der Rinde des Yohimbe-Baumes (Pausinystalia yohimbe) stammenden Indolalkaloid. In klinischen Studien wird es auch lokal angewandt, direkt an jenen Stellen, an denen sich zu viel Fett eingelagert hat. 
Yohimbin wirkt gefäßerweiternd und verstärkt zudem die sexuelle Erregung, wodurch man versucht, zwei Probleme gleichzeitig zu lösen: das Gewichtsproblem und den Libidoverlust. Natürlich müssen dabei auch andere Hormonparameter im Auge behalten werden, etwa Prolaktin, die Androgene, die Schilddrüse und das Östrogen.

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