Keimschleuder Küchenschwamm: Salmonellen überleben Wochen
Bakterien auf dem Küchenschwamm sind nicht sichtbar oder riechbar.
Jährlich erkranken Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit rund 600 Millionen Menschen an Lebensmittelinfektionen. Während große Ausbrüche oft auf Großküchen oder Catering-Betriebe zurückgeführt werden, bleibt eine Infektionsquelle häufig unbeachtet: der eigene Küchenschwamm. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat nun in einer Untersuchung nachgewiesen, wie gefährlich der alltägliche Haushaltshelfer werden kann.
Die im Fachjournal „Journal of Food Protection“ veröffentlichte Studie belegt: Krankheitserreger wie Salmonellen, Escherichia coli und Staphylococcus aureus siedeln sich nicht nur in Schwämmen an, sondern sie vermehren sich dort auch massiv und lassen sich leicht auf Küchenoberflächen übertragen.
Ideale Bedingungen für Bakterien
Die poröse Struktur und ständige Feuchtigkeit machen Schwämme zu perfekten Brutstätten für Mikroorganismen. Lebensmittelrückstände, die in den Poren hängenbleiben, liefern Nährstoffe für bakterielles Wachstum. Im Vergleich zu Spülen oder Schneidebrettern erreichen Schwämme deutlich höhere Keimzahlen.
Die BfR-Forschenden setzten Schwämme gezielt verschiedenen Erregern aus, darunter E. coli und Salmonellen, die häufig Lebensmittelinfektionen auslösen, sowie Staphylococcus aureus, dessen Giftstoffe Vergiftungen verursachen können. Das Ergebnis: Selbst bei niedrigen Ausgangskonzentrationen vermehrten sich die Bakterien innerhalb weniger Tage erheblich. Auch mehrere Tage Trockenheit überlebten die Keime problemlos.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Alle untersuchten Erreger überlebten mindestens 14 Tage im Schwamm, selbst bei sehr geringen Ausgangsmengen.
- E. coli und Salmonellen vermehrten sich stark, S. aureus nur begrenzt
- Selbst nach 3 Tagen Austrocknung bleiben die Erreger stabil. Schwämme wirken als langfristige Keimreservoire
- Bei Kontakt mit Oberflächen unter leichtem Druck werden bis zu 100.000 Keime übertragen.
- Geruch oder Verfärbung sind kein verlässlicher Indikator für Keimbelastung
Übertragung bei geringstem Kontakt
Besonders alarmierend: Bereits leichter Druck genügt, um große Mengen an Bakterien vom Schwamm auf Oberflächen zu übertragen. Bei direktem Kontakt mit Lebensmitteln, die anschließend ohne Erhitzen verzehrt werden, kann das zur Infektion führen. „Nicht wenige Lebensmittelinfektionen haben ihren Ursprung im Privathaushalt und nicht immer sind sie mit ein, zwei Tagen Unwohlsein überstanden“, warnt BfR-Präsident Andreas Hensel. Besonders gefährdet seien ältere oder kranke Menschen sowie kleine Kinder.
Viele Menschen verlassen sich beim Schwammwechsel auf Geruch oder optische Veränderungen. Doch genau hier liegt das Problem: Die Forschenden stellten fest, dass selbst stark verkeimte Schwämme weder auffällig rochen noch verschmutzt oder schmierig wirkten. Sensorische Eindrücke sind damit kein verlässlicher Maßstab für Hygiene.
Alternativen und Hygienemaßnahmen
Wann ein Schwamm gewechselt werden sollte, hängt von der Nutzung ab. Nach Kontakt mit rohem Fleisch oder anderen kritischen Lebensmitteln gehört er sofort entsorgt. In Haushalten mit immungeschwächten Personen, Kindern oder älteren Menschen empfiehlt sich ein besonders häufiger Austausch.
Wer den Schwamm zwischendurch desinfizieren möchte, sollte ihn mindestens zwei Minuten mit über 70 Grad heißem Wasser behandeln. Als hygienischere Alternativen gelten Bürsten oder Mikrofasertücher: Sie trocknen schneller, weisen laut früheren Studien geringere Keimzahlen auf und lassen sich in der Spül- oder Waschmaschine bei mindestens 60 Grad reinigen.
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