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Wissen Gesundheit
08/13/2021

Krebsmedikament gibt Hoffnung für schwere Covid-Fälle

Tritt ein Lungenversagen auf, könnte die Verabreichung des Krebsmedikaments Ruxolitinib die Lebenszeit erhöhen.

Bei etwa fünf Prozent der Covid-19-Erkrankten ist der Verlauf so schwer, dass es zu einem Lungenversagen kommen kann. "Ein schwerer und sogar tödlicher Verlauf geht regelmäßig mit einem sogenannten Zytokinsturm einher“, sagt der Marburger Mediziner Andreas Neubauer, einer der Leitautoren der Fachveröffentlichung, die im Fachmagazin Leukemia erschien.

"Dabei handelt es sich um eine Überschwemmung des Körpers mit Substanzen, die das Immunsystem anregen."

Vor einem Jahr hatte ein Team um Andreas Neubauer bereits vom Erfolg einer Behandlung mit Ruxolitinib bei einer schwer erkrankten Covid-19-Patientin berichtet, die künstlich beatmet wurde. Das Medikament stammt ursprünglich aus der Krebstherapie: Das Mittel hemmt Enzyme im Körper, die an überschießenden Entzündungsreaktionen beteiligt sind.

Da eine überschießende Immunantwort oft mit erhöhter Sterblichkeit bei einer Covid-19-Erkrankung einhergeht, untersuchte das Team, ob eine Verabreichung von Ruxolitinib das Überleben von Patientinnen und Patienten verlängert, die künstlich beatmet werden müssen.

Überlebensrate von 81 Prozent

Das Team aus Marburg und Kassel schloss in seine Studie 16 künstlich beatmete Corona-Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 35 und 92 Jahren ein, die allermeisten davon waren Männer.

Sie erhielten das Medikament für eine Dauer von vier bis 28 Tagen zusätzlich zur Standardbehandlung, die zum Beispiel die Verabreichung des entzündungshemmenden Medikaments Dexamethason umfasste. Nach vier Wochen endete die Studie.

13 der 16 Betroffenen waren nach 28 Tagen noch am Leben, das entspricht einer Überlebensrate von 81 Prozent. In früheren Studien lag die Überlebensrate am Tag 28 zwischen 25 und 60 Prozent. Die Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen waren zwischen 6 und 28 Tagen auf die künstliche Beatmung angewiesen, im Schnitt 16 von 28 Tagen.

Noch eine weitere Beobachtung teilt das Team mit: Jene Patientinnen und Patienten, die bis zum Ende künstlich beatmet werden mussten, waren bereits vor Studienbeginn mehr als einen Tag lang auf eine Beatmungsmaschine angewiesen, also bevor sie das Medikament erhielten.

"Der Beginn der Ruxolitinibbehandlung hat sich für das Ergebnis als kritisch erwiesen", schlussfolgert Mitverfasser Thomas Wiesmann von der Marburger Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie.

Die Anzahl der Patientinnen und Patienten sei natürlich zu klein, um endgültige Aussagen über die Wirksamkeit von Ruxolitinib bei Covid-19 zu treffen, jedoch laufe bereits eine größere klinische Studie, um einen potenziellen Vorteil bei schweren Verläufen weiter zu untermauern.

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