Fußball: Schon einzelne Kopfbälle hinterlassen Spuren im Gehirn
Ob Profi oder Amateur: Kopfbälle können Spuren hinterlassen.
Kopfballtore gehören zu den spektakulärsten Momenten einer Fußball-WM. Doch was Fans begeistert, hinterlässt Spuren im Gehirn der Spieler. Eine neue Studie belegt: Bereits wenige Kopfbälle führen zu messbaren Veränderungen – selbst bei Amateurfußballern. Die Werte normalisieren sich zwar wieder, doch Experten warnen vor Langzeitfolgen.
Epidemiologische Studien belegen: Fußballprofis entwickeln 2- bis 3-mal häufiger Hirnerkrankungen, bei denen Nervenzellen absterben, als andere Menschen. Als Auslöser gelten Kopfbälle, die durch den Aufprall des Balls ein subklinisches Schädel-Hirn-Trauma verursachen können.
Zwei Kopfbälle reichen aus
Nun haben Forschende von der Universitätsklinik Amsterdam untersucht, wie sich Kopfbälle im Amateurfußball auswirken. Das Team entnahm 302 Amateurkickern im durchschnittlichen Alter von 24,6 Jahren unmittelbar nach dem Spiel und erneut 24 bis 48 Stunden später Blutproben. Untersucht wurden sechs Marker für Hirnschäden: p-tau217 (phosphoryliertes Tau-Protein), das als Alzheimer-Marker gilt, sowie Neurofilament-Leichtkettenprotein (NfL) und neuronenspezifische Enolase (NSE) als Marker für das Absterben von Nervenzellen.
Zusätzlich analysierten die Forschenden das Calcium-bindende Protein S100B, das saure Gliafaserprotein (GFAP) und „Brain-derived"-Tau (BD-Tau) als Marker einer Verletzung der Axone, das sind die langen, faserartigen Fortsätze von Nervenzellen, über die elektrische Signale weitergeleitet werden.
Die 216 Spieler, die Kopfbälle absolvierten, hatten unmittelbar nach dem Spiel höhere Konzentrationen von S100B und tendenziell auch von p-tau217 im Blut als Spieler ohne Kopfbälle. Bei der zweiten Untersuchung nach 24 bis 48 Stunden waren die Werte gefallen und keine Unterschiede mehr erkennbar. Für S100B und p-tau217 ermittelte das Team eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die auf eine mögliche Kausalität hinweist.
Die Studie zeigt damit: Bei Amateurfußballern führen bereits wenige Kopfbälle zu labormedizinischen Veränderungen, die auf eine Schädigung von Hirnzellen hinweisen. In der Studie waren es durchschnittlich zwei Kopfbälle pro Spiel.
Hirnveränderungen halten monatelang an
Eine weitere experimentelle Studie eines Teams von der Universität Wales in Cardiff untersuchte die Auswirkungen von Kopfbällen mittels Magnetresonanztomografie (MRT). Sechs junge Erwachsene köpfelten aus 7,65 bis 23 Metern Entfernung. Bei allen Probanden wurden vor dem Kopfballexperiment, einen Tag später sowie nach 90 und 180 Tagen MRT-Aufnahmen des Gehirns gemacht. Die Vergleichsgruppe bildeten sechs gleichaltrige Personen ohne Kopfbälle.
Die Forschenden bestimmten im MRT Parameter, die die Beweglichkeit von Wassermolekülen im Gewebe messen und Rückschlüsse auf den Verlauf von Nervenfasern zulassen. Veränderungen, die auf mögliche Beschädigungen hinweisen, fand das Team erst nach 90 Tagen. Auch hier hatten sich die Veränderungen nach 180 Tagen weitgehend zurückgebildet.
Langzeitfolgen unklar
Welche Folgen dies auf Dauer hat, könnte allerdings nur in epidemiologischen Studien untersucht werden. Die Normalisierung der Werte nach 24 bis 48 Stunden deutet darauf hin, dass einzelne Kopfbälle keine langfristigen Folgen haben. Es gibt allerdings auch im Amateurbereich ambitionierte, kopfballstarke Spieler, die über viele Jahre aktiv sind.
Experten warnen davor, die Ergebnisse der beiden Studien überzubewerten. Es sei zwar richtig, dass auch einzelne Kopfbälle negative Reaktionen im Gehirngewebe auslösen können. Ob und wie stark dadurch die Gesundheit der Spielenden beschädigt werde, lasse sich aufgrund der Ergebnisse nicht feststellen.
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