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Wissen Gesundheit
06/30/2021

Können auch Genesene den zweiten Stich bekommen?

Für einen guten Schutz ist nur eine Dosis notwendig, bei internationalen Reisen könnte man aber beide Dosen brauchen.

von Theresa Bittermann

Aus medizinischer Sicht ist die Sache klar: ist man genesen, braucht man nur eine Impfung. Immunologisch wirkt dann nämlich schon die erste Impfung wie ein Booster, ein Verstärker. Auch nach einer Impfung sei die Immunantwort bei Genesenen schon "exzellent", sagte der Kinderarzt und Impfexperte Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums (NIG), zuletzt bei einer Pressekonferenz. "Man sieht, dass eine zweite Dosis gar nicht mehr so viel bringt." Aus Sicht des in Österreich zuständigen NIG ist daher eine Impfung bei Genesenen ausreichend. 

Die Sache hat aber einen Haken. "Im Grunde genommen ist das nur einmalige Impfen nach einer Infektion ein Off-Label-Use (außerhalb des zugelassenen Gebrauchs, Anm.), wir brauchen laut Zulassung zwei Teilimpfungen für einen vollständigen Impfschutz - auch bei Genesenen", erklärte Zwiauer weiter. Deshalb kann es auch passieren, dass im internationalen Reiseverkehr - je nach Einreiseland - formal zwei Impfungen notwendig sind. "Bei einer zweimaligen Impfung kann eine erhöhte Rate an Impfreaktionen bei Genesenen nicht ausgeschlossen werden", schreibt das NIG dazu in den aktuellen Anwendungsempfehlungen. 

Im Grünen Pass, der ab morgen für Reisen in der EU gelten soll, scheint die einmalige Impfung Genesener momentan nur als Teilimmunisierung auf. 

In Wien keine Zweitimpfung vorgesehen

Will man also - obwohl es aus medizinischer Sicht nicht empfohlen ist - als genesene Person den zweiten Stich, solle man sich zuerst an den Hausarzt oder die Hausärztin wenden, so die Empfehlung aus dem Gesundheitsministerium. "Man sollte hier vor allem einmal ausschließen, dass es Risiken gibt, weil stärkere Nebenwirkungen - wie sie bei der zweiten Impfung Genesener auftreten können - für bestimmte Personen ein Risiko bedeuten können", sagt ein Sprecher des Ministeriums zum KURIER. Ob man dann die zweite Impfung bekommen kann oder nicht, liege grundsätzlich in der Risiko-Einschätzung des impfenden Arztes oder Impfstelle, denn vorgesehen ist es den Empfehlungen des NIG nach eben nicht. 

An diese Empfehlung hält man sich zum Beispiel in Wien bei der Organisation seitens der Stadt. In der Hauptstadt wird man als genesene Person keinen zweiten Stich bekommen, "weil wir uns an die klare Empfehlung des Impfgremiums halten", so ein Sprecher der Stadt auf KURIER-Nachfrage. Die Organisation der Impftermine ist nämlich Bundesländersache. Damit es eine einheitliche Lösung für zweitimpfwillige Genesene gibt, befänden sich die Bundesländer gerade in Abstimmung miteinander, heißt es wiederum vom Gesundheitsministerium. 

Lösung im Grünen Pass in Arbeit

Vor Kurzem kam auch eine Empfehlung des EU-Rats, dass Genesene mit nur einer Impfung als vollimmunisiert gelten sollen. An einer technischen Lösung, die einmalige Impfung Genesener auf diese Empfehlung hin auch im Grünen Pass als Vollimmunisierung abzubilden, würde gerade gearbeitet, heißt es aus dem Ministerium. 

Unabhängig davon empfiehlt man seitens des Ministeriums aber: "Informieren Sie sich immer über die aktuellen Einreisebestimmungen Ihres Ziellandes." Denn ob zweimal geimpft oder nicht, manchmal würde in jedem Fall ein negativer PCR-Test verlangt. Manchmal ist auch eine Registrierung zur Einreise per Formular notwendig. Und im Hinblick auf die sich ausbreitende Delta-Variante sei auch zu bedenken, dass Einreisebestimmungen sich jederzeit ändern könnten. Einen PCR-Test vor Abreise zu machen, sei zur Sicherheit immer gut. 

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