Zimmer-Chaos: Expertin verrät Trick für entspannte Eltern

Vor allem im Teenageralter führt das Thema Aufräumen häufig zu Streit. Wie man dabei unterstützt und welche Grenzen gewahrt werden müssen.
Ein Teenager liegt im Bett in einem unaufgeräumten Zimmer.

Das Kinderzimmer ist Spielplatz, Rückzugsort und manchmal auch Schlachtfeld. Kaum ein Thema sorgt in Familien für so viel Diskussion wie die Ordnung – oder eben das Fehlen davon. Doch wie gelingt Aufräumen ohne Dauerstreit?

Im Vorschulalter ist vor allem die Vorbildwirkung wichtig, sagt Ordnungscoach Michaela Heyer. „Kinder beobachten genau, wie Erwachsene mit Ordnung umgehen. Wer selbst gestresst und seufzend aufräumt, vermittelt unbewusst: Ordnung ist lästig“, sagt Heyer. Sich selbst bei der Nase zu nehmen ist daher ein wichtiger erster Schritt. Wird Ordnung als etwas Praktisches und Positives erlebt, weil man Dinge schneller findet oder mehr Zeit für einander hat, übernehmen Kinder diese Haltung eher.

Spielerisch gemeinsam Aufräumen

„Eltern sollten das Aufräumen nicht erledigen, während die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind. Denn dann bleibt unsichtbar, was es wirklich bedeutet. Jüngeren Kindern kann man gut vermitteln, dass man dafür etwas tun muss, idealerweise auf eine spielerische Art“, betont die Expertin.

Das gelingt, indem Bausteine etwa in einer Kiste „versteckt“ werden, Autos „parken“ in der Garage oder Kuscheltiere gehen in ihr Aufbewahrungsnetz „schlafen“. Aufräumen wird so Teil des Spiels und kein unangenehmer Abschluss. Gemeinsames Aufräumen stärkt nicht nur die Beziehung, sondern vermittelt ganz nebenbei Abläufe.

Allerdings passt nicht jedes Ordnungssystem zu jedem Kind. Manche Kinder möchten ihre Spielsachen auf einen Blick sehen, für andere sind Kisten übersichtlicher. „Ordnung ist individuell unterschiedlich – und darf es auch sein. Selbst Geschwister haben oft ein unterschiedliches Ordnungsbedürfnis. Wichtig ist, dass sich das Kind orientieren und Dinge selbst finden kann“, so Heyer.

Hilfreich ist die Regel: Erst wegräumen, dann Neues beginnen. Das Aufräumen wird so zum Startpunkt für die nächste Aktivität. Regelmäßiges Aussortieren hilft die Übersicht zu wahren – und zwar auch schon bei jüngeren Kindern. Bewährt habe sich eine „Vielleicht-Kiste“: „So kommt Spielzeug vorübergehend außer Sichtweite, etwa in den Keller. Möchte das Kind etwas zurück, ist das jederzeit möglich. Oft zeigt sich nach einigen Monaten, dass bestimmte Dinge gar nicht vermisst werden und weiterziehen dürfen“, sagt Heyer.

Ordnung habe meist positive Effekte – ein aufgeräumtes Zimmer sorge etwa für ein größeres Wohlbefinden. Heyer: „Viele Eltern berichten, dass Ordnung die Schlafqualität der Kinder verbessert. Manche kommen nach dem Aufräumen wieder lieber in ihr Zimmer und können sich besser entspannen.“

Streit mit Teenagern

Besonders mit Teenagern gibt es aber häufig Streit über die (Un-)Ordnung im Zimmer. Hier gilt besonders: Druck führt selten zum Ziel. „Teenager stehen ohnehin unter einem hohen inneren Stress – hormonell, sozial, digital. Wichtig ist, ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen, Jugendliche ernst zu nehmen, aber schon zu vermitteln, was einem wichtig ist und Optionen anzubieten. Vielleicht haben sie selbst eine Lösung für Dinge, die Eltern stören.“

Ein Beispiel wäre eine Geschirrkiste, die einmal täglich vom Zimmer in die Küche getragen wird oder ein eigener Wäschekorb für Schmutzwäsche. Wenn gar nichts funktioniert, kann ein Kompromiss helfen: Das Zimmer bleibt das Reich des Teenagers, solange gemeinsam genutzte Räume ordentlich bleiben. Wer im eigenen Chaos leben möchte, darf das, trägt dafür aber auch die Konsequenzen, so Heyer.

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