Spezialist zu James Van Der Beek: "48 ist viel zu jung, um an Darmkrebs zu sterben"
Der Star aus der US-Hitserie "Dawson's Creek", James Van Der Beek, ist laut dem amerikanischen Portal TMZ gestorben.
"48 ist viel zu jung, um an Darmkrebs zu sterben", sagt Darmkrebs-Spezialist Alexander Klaus – und nimmt damit Bezug auf Schauspieler James Van Der Beek, der diese Woche an den Folgen eines kolorektalen Karzinoms verstorben ist (der KURIER berichtete).
Bekannt wurde Van Der Beek Ende der Neunziger mit der Hitserie "Dawson's Creek". Vor zwei Jahren hatte er seine Erkrankung öffentlich gemacht. Entdeckt worden war die Krankheit bereits ein Jahr zuvor.
"Es ist Krebs", schrieb Van Der Beek damals auf Instagram. Weltweit seien jedes Jahr viele Menschen mit dieser Diagnose konfrontiert. "Ich bin einer von ihnen." Immer wieder rief der sechsfache Familienvater in emotionalen Botschaften zur Vorsorge auf. "Je früher Darmkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen", weiß Klaus, ärztlicher Direktor des Krankenhauses Barmherzige Schwestern Wien.
Wie funktioniert die Darmkrebs-Vorsorge in Österreich? Welche Symptome sollten hellhörig machen und wie sind die Überlebenschancen bei Darmkrebs? Der KURIER hat Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was ist Darmkrebs?
Mit Darmkrebs ist meist eine Krebserkrankung des Dickdarms oder des Mastdarms gemeint. Darmkrebs ist je nach Geschlecht die zweit- bis dritthäufigste Krebserkrankung in Österreich. 4.769 Menschen erkrankten 2024 hierzulande neu an Darmkrebs, 2.073 verstarben daran. 95 Prozent aller Erkrankungen entstehen durch die langsame Entartung von gutartigen Darmpolypen.
Die Behandlung und die Heilungschancen haben sich stark verbessert: In den vergangenen 30 Jahren nahm die Häufigkeit von Darmkrebs in den meisten europäischen Ländern, darunter Österreich, in der Generation 55 plus ab. Allerdings ist bei jüngeren Erwachsenen seit zwei Jahrzehnten ein Anstieg zu verzeichnen.
Warum kommt es vermehrt zu Diagnosen bei Jüngeren?
Als mögliche Ursachen werden Bewegungsmangel, fettreiche und zuckerhaltige Ernährung, Übergewicht und Diabetes diskutiert. Experte Klaus nennt verbesserte diagnostische Möglichkeiten als Mitgrund. "Bei den Lebensstilfaktoren sind vor allem der Konsum von rotem Fleisch und Rauchen als Risikofaktoren hervorzuheben."
Wenn Menschen besonders früh an Darmkrebs erkranken, ist meist ein genetisch bedingtes Erkrankungsrisiko involviert. "Hier spielt etwa eine Erkrankung eine Rolle, bei der im ganzen Darm ungewöhnlich viele Polypen auftreten. In seltenen Fällen kann eine Darmkrebserkrankung auch ohne Polypen entstehen." Für eine persönliche Gefährdung spricht, wenn nahe Verwandte bereits Darmkrebs hatten und die Erkrankung früh (vor dem 50. Lebensjahr) aufgetreten ist.
Dass genetische Ursachen auch bei James Van Der Beek zu dem raschen Fortschreiten der Erkrankung geführt haben, ist laut Klaus "nicht auszuschließen".
Darmkrebs gilt als "stille Krankheit", die lange keine Beschwerden verursacht. Van Der Beek soll sich aufgrund von Veränderungen des Stuhlgangs Untersuchungen unterzogen haben. Welche Beschwerden sollten hellhörig machen?
"Das Hauptsymptom ist Blut im Stuhl", sagt Klaus. "Wenn man Blut im Stuhl bemerkt, sollte man eine Koloskopie (Darmspiegelung, Anm.) machen. Auch dann, wenn man beispielsweise Hämorrhoiden hat und vermutet, dass das Blut davon kommt." Darüber hinaus gebe es auch unspezifische Symptome, die meist im späteren Krankheitsverlauf auftreten: "Nachtschweiß, unerklärlicher Gewichtsverlust oder ein Unwohlsein im Bauch. Schmerzen sind selten."
Welche Rolle spielt die Vorsorgeuntersuchung?
"Die Darmkrebsvorsorge ist enorm wichtig", betont Klaus. Durch Vorsorgeuntersuchungen kann Krebs nicht nur früh erkannt, sondern häufig sogar verhindert werden, indem etwa Darmpolypen entdeckt und direkt entfernt werden, bevor sie sich verändern. In Österreich nutzen nur 18 Prozent der Menschen ab 45 das Angebot der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung.
Wie sieht das Darmkrebs-Screening-Programm aus?
Das bestehende Darmkrebs-Screening in Österreich sei insgesamt gut, schickt Klaus voraus. Seit Oktober 2025 werden Darmspiegelungen bereits ab 45 Jahren von der Krankenkasse übernommen. Neben der Darmspiegelung, die alle zehn Jahre empfohlen wird, steht auch ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl (Fäkaler Immunologischer Test, FIT) zur Verfügung. Für den Test nimmt man zuhause eine kleine Stuhlprobe. Diese wird in einem Labor analysiert. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch Krebs, "zur Abklärung braucht es eine Darmspiegelung", betont Klaus. Der FIT wird Menschen ab 45 Jahren alle zwei Jahre empfohlen, sollten sie ihn statt einer Koloskopie wählen.
In Wien sollen im Rahmen eines Früherkennungs-Projekts in der ersten Jahreshälfte 2026 erstmals Testkits für zuhause zur Verfügung gestellt werden. Alle Personen mit Wohnsitz in Wien zwischen 45 und 75 Jahren, die seit zwei Jahren keine Koloskopie durchführen haben lassen, sollen einen FIT erhalten. Im Burgenland gibt es bereits ein ähnliches Screening-Programm.
Wann sollte man früher zu Vorsorge?
"Wenn in der Familie Krebserkrankungen, insbesondere Darmkrebs, vorliegen, würde ich empfehlen, schon früher eine Koloskopie zu machen", sagt Klaus.
Bei Beschwerden oder einem erhöhten Risiko durch familiäre Vorbelastung oder chronische Erkrankungen ist eine Darmspiegelung jederzeit auch unabhängig vom Alter möglich. Dazu braucht es keine Überweisung, sondern man kann direkt einen Termin bei einem Gastroenterologen oder einer Gastroenterologin vereinbaren. Die Kosten werden übernommen.
Die Koloskopie gilt als Goldstandard bei der Erkennung von Darmkrebs. Viele fürchten die Untersuchung. Wie läuft sie ab?
"Es ist wichtig, Ängste vor der Darmspiegelung zu nehmen", sagt Klaus. "Man nimmt ein Abführmittel am Vortag, geht dann zum Spezialisten, bekommt eine Schlafspritze und wenn man aufwacht, ist es schon vorbei", erläutert er den schmerzfreien Ablauf.
Darmkrebs gilt inzwischen als gut behandelbar. Wie sehen die Überlebenschancen im Krankheitsfall aus?
"Wenn ein Polyp im Rahmen der Koloskopie entdeckt wird, wird dieser mikroskopisch untersucht. Findet man bösartiges Gewebe, wird ein Teil des Darms entfernt", erklärt Klaus. Ist die Erkrankung fortgeschritten, kann vor oder im Anschluss an einen operativen Eingriff eine Chemo- oder Strahlentherapie zum Einsatz kommen.
Laut Klaus wichtig: "Auch im fortgeschrittenen Stadium ist Darmkrebs in vielen Fällen heilbar."
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