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Wissen Gesundheit
12/03/2020

Intensivmediziner: "Von angestrebten Zielwerten noch weit enfernt"

Fachgesellschaft: Vorsichtiger Optimismus, aber kein Grund zur Entwarnung. Eine Überlastung des Gesundheitssystems sei noch nicht abgewendet.

Die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) begrüßte am Donnerstag in einer Aussendung "ein vorsichtiges und bedachtes Vorgehen in Schritten" bei der Rücknahme von Maßnahmen zur Eindämmung der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2. "Wir nehmen mit einer gewissen Erleichterung zu Kenntnis, dass sich die Zahl der Neuinfektionen zwar immer noch auf hohem Niveau, aber doch nach unten entwickelt", wird ÖGARI-Präsident Univ.-Prof. Klaus Markstaller vom Wiener AKH / MedUni Wien in der Aussendung zitiert. "Auch auf den Intensivstationen sehen wir inzwischen leichte Rückgänge bei der Zahl schwer an COVID-19 Erkrankter, verbunden mit der Hoffnung, dass die abnehmenden Infektionszahlen sich hier zeitversetzt noch deutlicher auswirken werden."

Überlastung noch nicht abgewendet

Allerdings sei das noch keineswegs ein Grund zur Entwarnung, so der ÖGARI-Präsident. "Von jenen angestrebten Zielwerten, die sicherstellen, dass eine Überlastung des Gesundheitssystems abgewendet ist, sind wir noch weit entfernt. Lockerungen bei bestehenden Maßnahmen und nächste Öffnungsschritte müssen behutsam und mit Bedacht gesetzt werden, um diese ersten Erfolge nicht zu gefährden und eine noch deutlichere Trendwende sicherzustellen." In jedem Fall sei es wichtig für alle, auch gerade mit Blick auf die bevorstehenden Feiertage, weiterhin die wohlbekannten Grundregeln sehr konsequent einzuhalten – also eine Reduktion von Kontakten und "AHML": Abstand halten, Händehygiene, Mund-Nasenschutz und Lüften.

"Nur so können wir gemeinsam die Belastung der Intensivstationen wieder in einen Bereich bringen, in dem sichergestellt ist, dass wir weitgehende Normalversorgung und nicht Notbetrieb fahren können", sagt Markstaller. Eine zusätzliche Belastung der ohnehin stark in Anspruch genommenen Intensivstationen mit mehr als 30 Prozent Pandemie-bedingten Belegungen bedeute notwendigerweise, dass nicht dringend erforderliche Eingriffe verschoben und andere Einschränkungen des Routinebetriebes erfolgen müssen. "Das möchte niemand, und das müssen wir alle gemeinsam wieder abwenden. Wir alle wünschen uns entspanntere Advent- und Feiertage. Aber wir müssen uns immer vor Augen halten, dass uns nicht Regeln oder Maßnahmen daran hindern, sondern ein gefährliches, sehr ansteckendes Virus."

"Intensivmedizin muss abgesichert werden"

Durch die massive Pandemie-bedingte Belastung war die Intensivmedizin zuletzt stark im Fokus des öffentlichen Interesses. "Es ist auch vielen deutlich geworden, wie wertvoll die hohe Versorgungsqualität, die wir in Österreich auf diesem Gebiet haben, gerade in der Krise ist", wird der ÖGARI-Präsident in der Aussendung zitiert. "Daher besteht wohl auch breites Einvernehmen, dass die Intensivmedizin über die Pandemie hinaus auch für die Zukunft gestärkt und abgesichert werden muss."

Für die künftige Entwicklung dieses wichtigen Versorgungsgebietes gebe es verschiedene Konzepte und Vorstellungen, sagt Prof. Markstaller. "Wir halten die bisherige Struktur für eine sehr solide Basis, die ihre Stärke gerade in einer großen Gesundheitskrise unter Beweis stellt. Eine Weiterentwicklung ist wichtig, muss aber gut abgestimmt und bedachtsam erfolgen. Die aktuelle Leistungsfähigkeit ist auch dem hohen Niveau der österreichischen Intensivmedizin zu verdanken, und davon darf es keine Abstriche geben.“ Die ÖGARI stehe jedenfalls gerne zur Verfügung, einen Diskussions- und Entwicklungsprozess gemeinsam mit allen Interessierten einzuleiten und voranzubringen.

 

 

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