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Grippe-Impfung: USA lassen ersten mRNA-Impfstoff zu

Die US-Arzneimittelbehörde FDA gab grünes Licht für einen Influenza-Impfstoff auf Basis der Technologie der Corona-Vakzine. Wirksamkeit höher als bei Standardimpfstoffen.
FILE PHOTO: People pose with syringe with needle in front of displayed Moderna logo

In den USA ist der erste Grippeimpfstoff auf Basis der mRNA-Technologie zugelassen worden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat eine reguläre Zulassung für Erwachsene im Alter von 50 bis 64 Jahren erteilt und eine beschleunigte Zulassung für Personen ab 65 Jahren ausgesprochen. 

Das bedeutet, dass auch ältere Menschen mit dem neuen Präparat geimpft werden können, Moderna aber eine zusätzliche Studie durchführen und mehr Daten für Erwachsene ab 65 Jahren vorlegen muss, um den Nutzen des Impfstoffs auch in dieser Altersgruppe eindeutig zu bestätigen. Der Impfstoff soll in den USA bereits in der kommenden Wintersaison zur Verfügung stehen. 

Der Impfstoff enthält den Bauplan, die sogenannte Messenger-RNA, für ein Virus-Protein. Nach der Injektion produzieren Körperzellen diesen Virusbestandteil. Dadurch wird der Körper - wie bei anderen Impfungen auch - darauf vorbereitet, den entsprechenden Krankheitserreger im Falle einer Infektion zu bekämpfen. Das Immunsystem entwickelt Abwehrstoffe, die sich bei einer Infektion sofort gegen das Virus richten und eine Vermehrung im Körper verhindern.

mRNA-Impfstoff: Deutlich höhere Wirksamkeit

Die Zulassung basiert auf Daten aus einer Studie mit fast 41.000 Menschen im Alter von 50 bis 64 Jahren. Dabei zeigte sich, dass der Impfstoff um 26,6 Prozent wirksamer war als ein zugelassener herkömmlicher Grippeimpfstoff in der Standarddosis.

Moderna legte außerdem separate Daten vor, die zeigten, dass der Impfstoff bei Erwachsenen ab 65 Jahren stärkere Antikörperreaktionen hervorrief als der herkömmliche Grippeimpfstoff in einer hohen Dosis.

US-Forscherinnen und Forscher sehen einen der größten Vorteile der mRNA-Impfstoffe darin, dass sie rasch hergestellt werden können. Die traditionellen Grippeimpfstoffe benötigen mehrere Monate zur Herstellung und basieren auf jahrzehntealten Technologien. Dabei muss das Virus teilweise in befruchteten Eiern heranwachsen. Laut Moderna ermögliche der schnellere Herstellungsprozess, auf Virusmutationen rascher zu reagieren. 

Derzeit gibt die WHO generelle Empfehlungen heraus, welche Virusvarianten in den Grippeimpfstoff für die jeweilige Erdhalbkugel aufgenommen werden sollten. Diese Empfehlung erfolgt für die nördliche Hemisphäre üblicherweise im Februar und für die südliche Hemisphäre im September.

Häufiger Müdigkeit und Kopfschmerzen als Nebenwirkungen

„Ein Grippeimpfstoff, der nicht durch den veralteten Prozess mit Hühnern und Eiern hergestellt werden muss, wird der öffentlichen Gesundheit enorm zugutekommen“, wird Georges C. Benjamin, Geschäftsführer der American Public Health Association, in der New York Times zitiert. „Er wird es uns ermöglichen, uns schnell an neu auftretende Grippestämme anzupassen - eine Fähigkeit, die wir bisher nicht hatten.“

Diejenigen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die die Moderna-Impfung erhielten, berichteten von mehr Nebenwirkungen: Fast zwei Drittel hatten Schmerzen an der Injektionsstelle, 45 Prozent berichteten über Müdigkeit und 38 Prozent über Kopfschmerzen. Diese Prozentangaben waren etwa doppelt so hoch wie bei der Gruppe mit dem konventionellen Impfstoff. Schwerwiegende Ereignisse waren allerdings sehr selten: So gab es einen Fall von Ohnmacht, einen Fall von niedrigem Blutdruck, der zu einem dreitägigen Krankenhausaufenthalt führte, und einen Fall von Perimyokarditis (gleichzeitige Entzündung des Herzbeutels und des darunterliegenden Herzmuskels).

Die Zulassung des Impfstoffs mit dem Namen mFLUSIVA folgt auf eine Reihe von Rückschlägen für die mRNA-Forschung in der Amtszeit von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. So wurden 22 Forschungsprojekte eingestellt, die zum Ziel hatten, Impfstoffe mit mRNA-Technologie durch die staatliche Biomedical Advanced Research and Development Authority zu entwickeln.

Ursprünglich hatte die FDA sich Anfang dieses Jahres sogar geweigert, Modernas Zulassungsantrag überhaupt zu prüfen. Nach heftigen öffentlichen Protesten änderte die FDA jedoch ihre Haltung.

mRNA-Impfstoffe: Sehr sicher und hoch wirksam

mRNA-Impfstoffe wurden in der Corona-Pandemie millionenfach verimpft. Kanadische Forschende haben Ende Juni im Fachmagazin The Lancet eine aktuelle Übersichtsstudie zur Wirksamkeit und Sicherheit veröffentlicht: Demnach sind schwere Nebenwirkungen nach wie vor sehr selten. So ist das Risiko für eine Herzmuskelentzündung durch den Impfstoff deutlich niedriger als das Risiko nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2.

Auch andere schwere Komplikationen traten sehr selten auf, zum Beispiel Anaphylaxie und das Guillain-Barré-Syndrom. Die meisten Nebenwirkungen, zum Beispiel Fatigue oder Fieber, waren nur leicht bis mäßig ausgeprägt und verschwanden nach ein paar Tagen von alleine. Gleichzeitig ist die Wirksamkeit sehr hoch: 87 Prozent Schutz gegen eine SARS-CoV-2-Infektion, zu 93 Prozent wirksam gegen Spitalsaufnahmen und zu 94 Prozent gegen einen durch die Covid-Infektion verursachten Tod. 

2023 wurde der Medizin-Nobelpreis an die Pioniere der mRNA-Forschung Katalin Karikó und Drew Weissman verliehen. Sie legten den Grundstein für die Entwicklung der lebensrettenden mRNA-Corona-Impfstoffe. 

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