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Interview
07/25/2021

Impfen oder nicht? Wie man am besten mit kontroversen Meinungen umgeht

Psychologin und Mediatorin Christine Priesner empfiehlt, das Gespräch zu suchen, aber dennoch zur eigenen Meinung zu stehen.

von Ingrid Teufl

 „Wir erleben derzeit, dass es sehr unterschiedliche Zugänge zum Impfen gibt“, sagt Christine Priesner. Als Leiterin der Fachsektion Mediation im Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen(BÖP) hat sie mit kommunikativen Hürden zu tun.

KURIER: Warum kochen bei vielen die Emotionen derart hoch, wenn es ums Impfen geht?

Christine Priesner: Beim Impfen geht es um das Gesundheitsthema, das ist uns sehr nahe. Das kann gar nicht so selten zu Brüchen führen, weil es viele Ängste gibt, etwa bewegt etliche Menschen die Angst vor unerwünschten Impfwirkungen. Ein zweiter Aspekt sind Meinungen und Weltanschauungen, die in einer Impfdebatte durchkommen. Es treffen unterschiedliche Meinungen aufeinander, wie man sich selbst und andere schützt. In der Psychologie sprechen wir von Selbstwirksamkeit. Für viele steht im Vordergrund, dass sie selbst etwas tun können, zum Beispiel sich impfen zu lassen.

Wie kann man eine Spaltung mit nahestehenden Menschen verhindern? Ich plädiere immer dafür, dass man im Gespräch bleibt, sich Zeit nimmt. Dann ist ein Meinungsaustausch möglich. Es ist besser, wenn man man der betreffenden Person Fragen stellt. Da kann man leichter die anderen Perspektiven einbringen. Man sollte sich die Meinungen derjenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, anhören und sich Gedanken darüber machen. Wichtig ist aber auch, die eigene Meinung einzubringen, am besten in der Ich-Form. Wir haben weitgehende Handlungs- und Wahlfreiheit in unserer Gesellschaft. Umso wichtiger sind das Sprechen und der Austausch, das eröffnet neue Spielräume.

Wie sollte man sich besser nicht verhalten?

Wir erleben oft, dass eine Person bereits wegen eines einzigen Satzes in ein bestimmtes Eck gestellt wird. Da bekommt dieser Mensch etwas von anderen auf sich projiziert. Und das kann dann zu einer Eskalation führen. Die im übrigen wenig in Bezug auf die eigene Sache bringt. Jemanden überzeugen zu wollen, kann sehr frustrierend werden, da es nicht immer um Rationales geht. Der emotionale Aspekt wird vergessen.

Ist das Abbrechen des Kontakts auch eine Option?

Es steht natürlich jedem frei, sich zurückzuziehen. Man muss sich manchmal auch selbst schützen. Damit es nicht eskaliert, empfehle ich immer, sich selbst emotional herunterzuholen, bevor es eskaliert – insbesondere bei immer wiederkehrenden Mustern. Man kann unterschiedliche Strategien anwenden, um nicht immer in die gleiche Falle zu tappen. Wichtig ist, dass man erkennt, was einem nicht gut tut. Kommt es tatsächlich zur Kontaktunterbrechung, sollte man den Rückzug kommentieren. Der Grund ist, dass dieser Schritt vom Gegenüber meist als weitere Eskalation gesehen wird. Besser ist zu sagen: Grundsätzlich kann ich ja mit dir. Gib mir ein wenig Zeit, ich möchte jetzt mal etwas Ruhe. Beide können sich auch einigen auf: Wir sind uns einig, dass wir uns bei diesem Thema nicht einig sind.

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