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Dicke Finger, schlechter Schlaf: Was Hitze im Körper verändert

Hitze bringt nicht nur den Kreislauf an seine Grenzen: Sie beeinflusst den Schlaf, die Stimmung, das Gehirn, Haut und Nieren. 15 Fakten darüber, wie der Körper reagiert – und was hilft.
Young woman drinking water taking a break

Zusammenfassung

  • Hitze belastet den Körper breit: Herz und Kreislauf arbeiten stärker, Schlaf, Konzentration, Stimmung sowie Nieren und Haut können leiden.
  • Typische Folgen sind Schwindel, Schwellungen, schlechter Schlaf, verminderter Appetit, Dehydrierung und bei Sport oder extremer Belastung Überhitzung bis zum Hitzschlag.
  • Hilfreich sind Trinken, Kühlung, leichte Mahlzeiten, Anpassung von Aktivität und Sport an kühlere Zeiten sowie ärztliche Rücksprache bei Medikamenten oder Warnzeichen.

Österreich erlebt einen Rekordsommer: Während der Juni-Hitzewelle meldeten 157 von 277 Messstationen neue Juni-Höchstwerte, 66 sogar neue Jahresrekorde. Heute klettern die Temperaturen auf bis zu 39 Grad, eine deutliche Entspannung ist noch keine zu erwarten. Nun verschärft die Hitze Trockenheit und Waldbrandgefahr, doch sie Hitze setzt auch unserem Organismus zu. 15 Fakten plus Tipps.

Schwerarbeit für das Herz

Fakt: Zur Wärmeabgabe erweitert der Körper die Hautgefäße und produziert Schweiß. Das Herz schlägt dann schneller, zugleich sinkt durch den Flüssigkeitsverlust das Blutvolumen. Schwindel, Ohnmacht und Herzbeschwerden können folgen.
Tipp: Bei Schwäche, Schwindel oder Herzrasen pausieren, einen kühlen Ort aufsuchen und trinken.

Plötzlich passt der Ring nicht mehr

Fakt: Durch die erweiterten Gefäße kann Flüssigkeit ins Gewebe gelangen. Nicht nur Beine und Füße, auch Hände und Finger können anschwellen.
Tipp: Ringe frühzeitig ablegen, Hände bewegen und hochhalten. Einseitige, schmerzhafte oder anhaltende Schwellungen abklären lassen.

Das Gehirn schaltet einen Gang zurück

Fakt: Laut Kognitionsforscher Claus Lamm, Uni Wien, verändern sich Konzentration und Denkfähigkeit meist „im einstelligen Prozentbereich“, die Forschung dazu sei nicht einheitlich. Bei der Arbeit oder im Verkehr können wenige Prozent dennoch zählen.
Tipp: Anspruchsvolle Aufgaben in kühlere Stunden legen, Tempo reduzieren und wichtige Schritte doppelt kontrollieren.

Auch die persönliche Erwartung heizt uns ein

Fakt: „Wie belastend wir Hitze subjektiv wahrnehmen, beeinflusst stark, wie negativ wir darauf tatsächlich reagieren“, sagt der Kognitionsforscher Lamm in einem Uni-Wien-Video zum Thema. Katastrophisieren kann emotionale und teils körperliche Effekte verstärken. Ungefährlich wird Hitze dadurch nicht.
Tipp: Kühlmaßnahmen und Pausen konkret planen – das vermittelt Kontrolle. Warnzeichen aber niemals „wegdenken“.

Hitze macht dünnhäutig

Fakt: Müdigkeit, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme begünstigen Fehler, Unfälle und Konflikte. Besonders belastend sei es, trotz gleichbleibender Verantwortung nicht so leistungsfähig zu sein wie gewohnt, sagt Psychologin Julia Reiter, ebenfalls Uni Wien.
Tipp: Schwierige Gespräche und Entscheidungen möglichst vertagen; bei verantwortungsvoller Arbeit zusätzliche Kühlpausen einlegen.

Tropennächte als Tief- und Traumschlafräuber

Fakt: Kühlt der Körper nachts nicht genug ab, schläft man später ein, wacht häufiger auf und verbringt weniger Zeit im Tief- und REM-Schlaf. Das drückt auf Gedächtnis, Konzentration und Stimmung.
Tipp: Tagsüber verschatten, erst bei kühlerer Außenluft lüften, leichte Bettwäsche verwenden und kühl bis lauwarm duschen. Laut VKI lohnt sich der Ventilatortrick: Stellen Sie einen Kübel voller Eiswürfel oder gefrorenen Plastikwasserflaschen auf den Boden. Positionieren Sie den Ventilator so, dass er knapp über das Eis hinweg bläst.

Wenn die Freude am Essen sinkt

Fakt: Hitze dämpft den Appetit und Belohnungseffekt des Essens. Schwere Mahlzeiten beanspruchen zudem Blut für die Verdauung, das der Körper zur Kühlung benötigt.
Tipp: Mehrere kleine, leichte und wasserreiche Mahlzeiten wählen – etwa Gemüse, Obst, Salat oder Suppe.

Schwitzen ist kein Abnehmprogramm

Fakt: Der Energieverbrauch steigt bei großer Hitze laut Sport- und Ernährungsmediziner Daniel König, Uni Wien, nur um etwa zwei bis zehn Prozent. Das rasche Minus auf der Waage ist vor allem verlorenes Wasser.
Tipp: Flüssigkeitsverlust ausgleichen, statt ihn als Diäterfolg zu verbuchen.

INDIA-LIFESTYLE

Kalte Getränke können bei extremer Hitze zur Kühlung beitragen; das frühere Gebot, nur lauwarm zu trinken, gilt als überholt.

Früher schwitzen, weniger Salz

Fakt: Wird der Körper mehrere Tage hintereinander Hitze ausgesetzt, setzt die Schweißproduktion früher ein. Zugleich enthält der Schweiß weniger Salz, das Blutplasmavolumen nimmt zu und die Herzfrequenz steigt bei gleicher Belastung weniger stark. Diese Hitzeakklimatisation beginnt nach etwa vier bis sieben Tagen und ist nach zehn bis 14 Tagen gut ausgeprägt.
Tipp: Bewegung und Aufenthalte im Freien schrittweise an die Hitze anpassen. Die Gewöhnung schützt jedoch nicht vor Flüssigkeitsmangel oder extremer Hitze.

Das Blut bringt die Wärme an die Oberfläche

Fakt: Bei Hitze leitet der Körper mehr Blut in die Haut, um Wärme an die Umgebung abzugeben. Kühles Wasser auf gut durchbluteten Hautflächen unterstützt diesen Wärmeaustausch.
Tipp: Unterarme unter kühles Wasser halten oder die Beine abduschen. Eiskalt muss das Wasser nicht zwingend sein – das kann die Hautgefäße verengen und den Kreislauf belasten. Auch kalte Getränke können bei extremer Hitze zur Kühlung beitragen; das frühere Gebot, nur lauwarm zu trinken, gilt als überholt.

Belastung für die Nieren

Fakt: Bei Flüssigkeitsmangel wird der Urin konzentrierter, Nierensteine können dann leichter entstehen. Beschwerden zeigen sich mitunter erst Monate später, schwere Arbeit bei Hitze kann die Nieren zusätzlich schädigen.
Tipp: Dunkler Urin und ungewöhnlich lange Toilettenpausen sprechen dafür, mehr zu trinken.

Hitze kann den „Disney-Ausschlag“ auslösen

Fakt: Nach langem Gehen bei Wärme können rote bis violette, juckende Flecken an den Unterschenkeln auftreten. Das Phänomen heißt so, weil es häufig nach stundenlangem Gehen bei Hitze beobachtet wird – etwa bei ausgedehnten Besuchen in Freizeitparks wie Disney World. Typisch für diese belastungsinduzierte Purpura: Die Haut unter den Socken bleibt oft ausgespart. Meist klingt sie binnen ein bis zwei Wochen ab.
Tipp: Pausieren, kühlen und Beine hochlagern. 

Beim Sport heizt sich der Körper von innen auf

Fakt: Beim Sport erzeugt der Körper zusätzlich Wärme, die er bei hohen Außentemperaturen schwerer abgeben kann, Überhitzung und Kreislaufprobleme drohen. Dennoch sollte man Bewegung an heißen Tagen nicht grundsätzlich streichen. Tipp:Frühmorgens und möglichst im Grünen trainieren; Parks können fünf bis acht Grad kühler sein als versiegelte Flächen. Bei über 35 Grad am Tag beziehungsweise 25 Grad in der Nacht ist von Sport abzuraten

Medikamente können die Körper-Kühlung stören
Fakt: Manche Arzneimittel, darunter bestimmte Antidepressiva, beeinträchtigen die Temperaturregulation. Hitze und Flüssigkeitsmangel können umgekehrt ihre Wirkung verändern.
Tipp: Nichts eigenmächtig absetzen oder anders dosieren, sondern ärztlich oder in der Apotheke nachfragen. 

Wenn die körpereigene Kühlung zusammenbricht
Fakt: Übersteigt die aufgenommene und selbst produzierte Wärme dauerhaft die Wärmeabgabe, steigt die Körperkerntemperatur gefährlich an. Beim Hitzschlag wird auch das zentrale Nervensystem beeinträchtigt – deshalb sind Verwirrtheit, auffälliges Verhalten oder Bewusstseinsstörungen besonders ernste Zeichen.
Tipp: Betroffene sofort aus der Hitze bringen, Kleidung lockern, den Körper kühlen und den Notruf 144 wählen. Bewusstlosen nichts zu trinken geben.

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