Dieses Gesundheitsrisiko durch Dauerhitze wird unterschätzt
Hitzewellen belasten den Körper – besonders das Herz-Kreislauf-System. Es gibt aber auch Risiken, die nicht so im Bewusstsein sind: „Hitze ist ein unterschätzter Risikofaktor für Nierensteine“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (Nierenlehre). „Wer viel schwitzt und zu wenig trinkt, produziert weniger Urin. Dadurch konzentrieren sich steinbildende Substanzen im Harn, und Kristalle können entstehen und wachsen.“
„Nierensteine wachsen sehr langsam“, betont der Nephrologe Michael Rudnicki von der Med Uni Innsbruck, stv. Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie. „Symptome können erst Monate nach einer langen Hitzewelle auftreten.“
Der Zusammenhang Hitze und Nierensteine ist aus dem sogenannten „Steingürtel“ bekannt – Regionen rund um den Äquator sowie heiße Gebiete wie der Südosten der USA und Teile Südostasiens. Dort sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung von Nierensteinen betroffen – die Hitze führt zu chronischem Flüssigkeitsmangel. „Durch den Klimawandel und die steigenden Temperaturen könnte sich dieser ,Steingürtel‘ weiter nach Norden ausdehnen“, so die deutsche Nephrologin Sylvia Stracke.
Mehrere Risikofaktoren
„Natürlich hat eine ausreichende Trinkmenge einen gewissen vorbeugenden Effekt“, sagt Rudnicki. „Aber das gilt vor allem für Menschen, die bereits eine Steinepisode durchgemacht haben.“ Bis zu 50 Prozent der Betroffenen entwickeln erneut Steine.
„Diese Patienten sollten an Hitzetagen auf jeden Fall drei bis dreieinhalb Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.“ Etwa ungesüßte Tees, (Mineral-)Wasser mit wenig Kalzium oder stark verdünnte Fruchtsäfte.
Meist spielen mehrere Risikofaktoren zusammen, etwa auch Übergewicht, Bewegungsmangel und eine unausgewogene Ernährung mit viel Salz und tierischem Eiweiß. Letzteres erhöht die Kalziumausscheidung, gemeinsam mit dem Salz steigt das Steinrisiko stark.
Von winzigen Kristallen bis zu Objekten in Zentimergröße: Nierensteine können stark wachsen.
Bruno Watschinger, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, rät seinen Patientinnen und Patienten, darauf zu achten, dass „man über den Tag verteilt eine kontinuierliche Harnproduktion in den Nieren hat und keine unüblich langen Phasen, in denen man nicht auf die Toilette gehen muss. Besonders ältere Menschen, die ein vermindertes Durstgefühl haben, müssen darauf achten.“
Vorsicht ist aber bei Patienten mit Herzschwäche geboten: „Hier muss man – um das Herz nicht zu überlasten – mit allgemeinen Empfehlungen zurückhaltend sein und Trinkmengen individuell anpassen.“
Nierensteine: Auch Kinder und Jugendliche betroffen
Nierensteine betreffen zunehmend auch Kinder und Jugendliche – darauf hat bereits vor einiger Zeit die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) aufmerksam gemacht. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Nierensteinen im Kindesalter hat sich im letzten Jahrzehnt verfünffacht – besonders stark ist der Anstieg in der Pubertät, in der Umweltfaktoren eine große Rolle spielen.
Dazu zählen neben einer insgesamt zu geringen Flüssigkeitszufuhr unter anderem auch Übergewicht, der hohe Salzgehalt in Fastfood sowie der vermehrte Konsum fruktosehaltiger Getränke. Siegfried Waldegger, Kinder- und Jugendnephrologe an der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Innsbruck: „Fruktose erhöht die Ausscheidung von Kalzium und Harnsäure über den Urin – beides wichtige Bestandteile von Nierensteinen – und kann gleichzeitig den Citratspiegel senken. Citrat wirkt normalerweise schützend, da es die Kristallbildung im Urin hemmt.“ Hingegen beugt eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse Nierensteinen vor.
Was die Trinkmenge betrifft, verweisen die Kinderärzte auf die Farbe des Urins: „Je heller der Urin, desto besser ist die Flüssigkeitszufuhr. Dunkler Urin weist auf einen erhöhten Trinkbedarf hin.“
Zehn Prozent
der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens von einem Nierensteinleiden betroffen, Männer doppelt so häufig wie Frauen, sagt der Nephrologe Michael Rudnicki. „Bei den über 60- bis 70-Jährigen sind es bis zu 20 Prozent der Männer. Bei Männern ist die Veranlagung für Nierensteine höher.“
Symptome, Therapie
Kleine Steine gehen oft unbemerkt mit dem Urin ab. Größere Steine können im Harnleiter stecken bleiben. Plötzlich einsetzende krampfartige Schmerzen sind die Folge. Kleine Steine können durch Stoßwellen von außen zertrümmert, größere durch minimalinvasive endoskopische Eingriffe entfernt werden.
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