Babys und Senioren: Wer bei Hitze besonders gefährdet ist
Hitze belastet nicht alle Menschen gleich stark. Besonders gefährdet sind Schwangere, Kleinkinder, ältere Menschen und sozial isolierte Personen. „Bei extremen Temperaturen müssen wir mehr auf vulnerable Gruppen achten“, betont Umweltmediziner Prof. Dr. Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien. Während gesunde Erwachsene mit hohen ev. höheren Temperaturen meist besser zurechtkommen, können lang anhaltende Hitzeperioden für bestimmte Personengruppen lebensbedrohlich werden.
Jung und alt gefährdet
Etwa Kleinkinder und Säuglinge gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen. „Weil ihre Fähigkeit zur Wärmeregulation noch nicht vollständig entwickelt ist, können sie Wärme nicht so effektiv abgeben“, erklärt Hutter. Gemeint ist damit Schwitzen, also die natürliche Kühlung des Körpers über die Haut. Bei Säuglingen und Kleinkindern funktioniert dieser Mechanismus noch nicht so gut wie bei Erwachsenen, wodurch sich ihr Körper schneller aufheizt. Eltern und Betreuungspersonen sollten daher besonders aufmerksam sein und das Trinkverhalten ihrer Kinder genau beobachten. Auch die Kleidung spielt eine wichtige Rolle: „Weniger ist mehr“, betont der Umweltmediziner. Um Überhitzung etwa bei Babys zu vermeiden, reicht neben der Windel eine Schicht, also ein kurzärmeliger Body aus Baumwolle, vollkommen aus.
Ältere Menschen stellen eine weitere empfindliche Gruppe dar. Mit zunehmendem Alter lässt auch das Durstgefühl nach, was dazu führt, dass man zu wenig trinkt. „Viele Seniorinnen und Senioren haben kein Durst mehr, obwohl ihr Körper dringend Flüssigkeit benötigt. Aus eigenen Studien wissen wir, dass viele nicht einmal einen Liter pro Tag trinken“, warnt Hutter. Gerade bei Hitze sei ausreichende Flüssigkeitszufuhr bekanntlich sehr entscheidend – v.a. für Personen, die ohnedies schwer mit dem Hitzestress zurecht kommen. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Krankheiten wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch hohe Temperaturen zusätzlich belastet werden. Der Kreislauf wird hitzebedingt viel stärker beansprucht, das Herz muss viel mehr arbeiten – eine Kombination, die schnell kritisch werden kann.
„Schauen Sie aufeinander – ein kurzer Besuch, ein Anruf oder ein Klopfen an der Tür kann im Ernstfall Leben retten.“
Umweltmediziner Hans-Peter Hutter
Aufeinander achten
Eine in der Öffentlichkeit oft übersehene Risikogruppe sind alleinlebende und sozial isolierte Menschen, die ein deutlich höheres Risiko haben, vorzeitig zu sterben. „Das sind jene, die im gesellschaftlichen Alltag praktisch unsichtbar sind. Nicht umsonst heißt es im Englischen: “Heat ist a silent killer of silent people„“, so Hutter. Gerade in anonymen Wohnsituationen oder bei Menschen ohne enges soziales Netz kann es passieren, dass niemand mitbekommt, wenn jemand unter der Hitze leidet oder Hilfe braucht. Hier sei Nachbarschaftshilfe gefragt, appelliert der Mediziner: „Schauen Sie aufeinander – ein kurzer Besuch, ein Anruf oder ein Klopfen an der Tür kann im Ernstfall Leben retten.“ Besonders während längerer Hitzeperioden sei es wichtig, auf Nachbarinnen und Nachbarn zu achten.
Auch Obdachlose sind bei extremen Temperaturen extrem gefährdet. Sie haben oft keinen Zugang zu kühlen Räumen, ausreichend Trinkwasser oder medizinischer Versorgung. „Wenn Sie jemanden in praller Sonne sehen, und sie das Gefühl haben, dass es dem nicht gut geht, zögern Sie nicht und holen Sie sofort Hilfe“, appelliert Hutter. In solchen Situationen zähle jede Minute. Wer Fragen zum richtigen Verhalten bei Hitze hat oder unsicher ist, kann sich an das Hitzetelefon der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wenden. Dort erhalten Betroffene und Angehörige kostenlose Beratung und Informationen zum Schutz vor Hitze.
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