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Hitzeplan: Wie vor extremer Hitze geschützt wird

Steigende Temperaturen erhöhen die gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz deutlich. Mit der neuen Hitzeschutzverordnung und verpflichtenden Hitzeschutzplänen reagiert Österreich auf zunehmende Hitzebelastung.
Helle Sonne strahlt mit Lichtstrahlen vor blauem Himmel.

Auch wenn die Eisheiligen heuer pünktlich für einen spürbaren Kälteeinbruch sorgen, bleibt Hitze eines der drängendsten Themen unserer Zeit. Österreich werde auch in diesem Jahr wieder mit anhaltenden Hitzeperioden konfrontiert sein, betonte Bundesministerin Korinna Schumann einleitend bei einer Pressekonferenz zur neuen Hitzeschutzverordnung am Arbeitsplatz, die mit 1. Jänner 2026 in Kraft getreten ist.

Wie gravierend sich die klimatischen Veränderungen bereits auswirken, unterstrich Andreas Schaffhauser, wissenschaftlicher Generaldirektor der GeoSphere Austria. „Hitze ist in Österreich mittlerweile die tödlichste Naturgefahr“, sagte er. Besonders in Städten und Ballungsräumen habe die Hitzebelastung massiv zugenommen. Seit der Klimaperiode im vorindustriellen Zeitalter von 1850 bis 1900 habe sich die Erdatmosphäre global um 1,3 Grad erwärmt, aber lokal in Österreich aufgrund der geografischen Lage um 3,1 Grad. Es gibt Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad und Tropennächte mit nicht weniger als 20 Grad. Auch Hitzewellen haben zugenommen.

Gesundheitliches Problem

Die Folgen dieser Entwicklung sind längst im Alltag der Bevölkerung angekommen. Daten der Gesundheit Österreich (GÖG) zeigen, dass nicht mehr nur einzelne Berufsgruppen, sondern die gesamte Bevölkerung betroffen ist. Im Hitzesommer 2024 berichteten laut „Panel Gesundheitsförderung“ des GÖG 85 Prozent der Befragten von zumindest einer hitzebedingten gesundheitlichen Belastung. Besonders häufig genannt wurden schlechter Schlaf, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und psychische Belastungen. Jede zweite Person gab an, bei Hitze weniger leistungsfähig zu sein, mehr als jede dritte klagte über eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit.

Doch selbst Sommer ohne außergewöhnliche Rekordtemperaturen führen zu Belastungen. Im Sommer 2025, der deutlich weniger Hitzetage verzeichnet hatte, berichteten fast zwei Drittel der Bevölkerung, nämlich 62 Prozent, von mindestens einer hitzebedingten gesundheitlichen Beeinträchtigung. Genannt wurden unter anderem Unwohlsein, Unruhe, Rückzug, schlechter Schlaf und körperliche Beschwerden. Mehr als jede dritte Person schlief in diesem Sommer aufgrund der Hitze schlechter. Die Ergebnisse machen laut Experten deutlich, dass gesundheitliche Auswirkungen durch Hitze längst nicht mehr auf Extremereignisse beschränkt sind.

Belastung im Arbeitsleben

Besonders spürbar sind die Folgen im Arbeitsalltag. Gesundheitliche Risiken durch Hitze am Arbeitsplatz hängen dabei nicht allein von der Temperatur ab, sondern vom Zusammenspiel aus Exposition, individueller Vulnerabilität und konkreten Arbeitsbedingungen, so Andrea E. Schmidt, Abteilungsleiterin Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit, Gesundheit Österreich. Körperlich anstrengende Tätigkeiten, lange Arbeitszeiten, fehlende Abkühlungsmöglichkeiten oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse können die Belastung deutlich verstärken. Zu den besonders betroffenen Berufsgruppen zählen unter anderem Bauarbeiter, Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, Zustell- und Transportdienste, Einsatzorganisationen, Gesundheits- und Pflegeberufe sowie Industriearbeiter.

Hitze beeinträchtigt auch Konzentration und Leistungsfähigkeit und das mit direkten Auswirkungen auf die Sicherheit am Arbeitsplatz. Studien aus Deutschland und der Schweiz zeigen, dass die Zahl der Arbeitsunfälle bei Temperaturen über 30 Grad Celsius um rund sieben Prozent steigt. Gleichzeitig führen hitzebedingte Leistungseinbußen zu erheblichen Produktivitätsverlusten. Analysen zufolge gingen 2024 in Österreich aufgrund von Hitze rund 12,8 Millionen potenzielle Arbeitsstunden verloren, etwa die Hälfte davon in der Baubranche. Laut einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) aus dem Jahr 2025 könnte sich das Bruttoinlandsprodukt in einem Worst-Case-Klimaszenario innerhalb von drei Jahren um bis zu 0,7 Prozent – rund drei Milliarden Euro – verringern.

Betreuung von Angehörigen

Auch Betreuung und Pflege werden durch Hitze zunehmend erschwert. Eltern müssen sich verstärkt um Kleinkinder kümmern, die bei hohen Temperaturen schlechter schlafen oder stärker belastet sind. Gleichzeitig benötigen ältere oder pflegebedürftige Angehörige während Hitzeperioden oft zusätzliche Unterstützung. Das erhöht die Belastung für betreuende Angehörige und wirkt sich unmittelbar auf die Vereinbarkeit von Betreuung und Erwerbsarbeit aus.

Hitzeschutzverordnung ab 1. Jänner 2026

Seit Jahresbeginn gilt die Hitzeschutzverordnung, die ab diesem Sommer erstmals praktisch wirksam wird. Sie soll einen eigenständigen rechtlichen Rahmen für den Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schaffen und bestehende Regelungen ergänzen. 

Vorgesehen sind unter anderem verpflichtende Hitzeschutzpläne, die Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen ab Hitzewarnstufe 2 – also ab 30 Grad Celsius –, Arbeitszeitverlagerungen, Beschattung, die Bereitstellung von Trinkwasser sowie persönliche Schutzmaßnahmen wie leichte Schutzkleidung oder Kopfbedeckungen. Auch die Kühlung von Fahrerkabinen und selbstfahrenden Arbeitsmitteln sowie erweiterte Kontrollmöglichkeiten durch das Arbeitsinspektorat sind Teil der Verordnung.

Herausforderungen auf zwei Seiten

Besonders deutlich zeigen sich die Herausforderungen im Rettungs- und Einsatzdienst. Das Österreichische Rote Kreuz berichtet von steigenden Einsatzzahlen während Hitzeperioden, insbesondere bei älteren Menschen, Kindern und Personen mit Vorerkrankungen. Gleichzeitig arbeiten die Einsatzkräfte selbst unter erschwerten Bedingungen. „Je heißer es wird, desto stärker steigen auch die Belastungen für den Rettungsdienst. Gleichzeitig arbeiten Einsatzkräfte in Schutzkleidung, bei hohen Temperaturen und oft ohne ausreichende Abkühlungsmöglichkeiten“, sagt Georg Geczek, Landesrettungskommandant des Wiener Roten Kreuzes. 

Hitze betreffe damit nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern zunehmend auch jene, die Hilfe leisten. Schutzkleidung verstärkt die Hitzebelastung zusätzlich, Fahrzeuge heizen sich trotz Klimatisierung stark auf, Flüssigkeitsverlust und Erschöpfung nehmen zu, und zwischen Einsätzen bleibt oft kaum Zeit zur Abkühlung. Die körperliche Belastung erhöht damit auch das Risiko für Fehler im Einsatz. Um dem entgegenzuwirken, setzt das Rote Kreuz auf eigene Hitzeschutzmaßnahmen – von Wasserflaschen bei Ausfahrten über gezielte Ablösen und Pausen an kühlen Orten bis hin zu eigenen Hitzeschutzkonzepten und sogenannten Cooling Centern als niederschwellige Rückzugsorte bei Hitze.

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