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Kinder, die nur vorm Smartphone essen: Was eine Expertin dazu sagt

Viele Eltern nutzen das Handy als Ablenkung für ihre Kinder, um in Ruhe zu essen. Warum das auf Dauer kein guter Weg ist und gemeinsame Mahlzeiten wichtig sind.
Portrait of cute baby boy eating porridge in highchair and watching cartoons on smartphone

Ob im Urlaub beim Hotelfrühstück, im Restaurant oder zu Hause: Schon Kleinkinder bekommen beim Essen häufig ein Smartphone vorgesetzt. Viele Eltern nutzen die Geräte, um Kinder mit Zeichentrickserien, Videoclips oder Spielen zu beschäftigen, während sie essen. Welche Folgen kann das haben? Merken Kinder, was oder wie viel sie essen, wenn sie währenddessen auf das Smartphone schauen?

Kaum, sagt Andrea Buhl-Aigner. Die Spezialistin für digitale Medien hält als „Smartphone-Coach“ regelmäßig Workshops und berät Eltern und Lehrkräfte. „Vorschulkinder können durch den Bildschirmkonsum beim Essen ein negatives Essverhalten entwickeln. Sie werden tendenziell wählerischer und lehnen Essen ab. Je stärker sie abgelenkt sind, desto weniger nehmen sie wahr, was sie essen. Außerdem kauen sie weniger bewusst und merken nicht, wann Sättigung erreicht ist“, so Buhl-Aigner.

Vorbildwirkung der Eltern

Essen sei „multisinnlich“: Einerseits gehe es darum, zu sehen, zu riechen, zu schmecken, aber auch zu spüren, wie sich bestimmte Speisen im Mund oder in der Hand anfühlen, das Hunger- und Sättigungsgefühl wahrzunehmen. Andererseits lernen Kinder beim gemeinsamen Essen durch die Vorbildwirkung der Eltern und die soziale Interaktion. „Gemeinsames Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. In Familien ist es eine tägliche Situation, in der emotionale und soziale Verbindungen aufgebaut und verstärkt werden. Die Mahlzeit ist gemeinsame Routine, sozialer Austausch miteinander sowie eine kulturelle Tradition“, betont Buhl-Aigner.

Regelmäßiges gemeinsames Essen hat nachweislich positive Auswirkungen auf Kinder – sie entwickeln mehr Selbstvertrauen und profitieren hinsichtlich ihrer sozialen Entwicklung. Kinder, die sich angewöhnen mit dem Blick aufs Smartphone zu essen, sind hingegen gedanklich und emotional abgelenkt. Studien mit Erwachsenen zeigen: Wir essen gedankenloser, wenn wir vorm Bildschirm essen. Das gilt auch für Eltern, die Babys füttern. Buhl-Aigner: „Sie halten weniger Blickkontakt, sprechen und reagieren weniger auf das Kind, wenn sie ein Smartphone in der Hand haben. Lern- und bindungsfördernde Reize gehen zurück.“ Sie seien zwar körperlich anwesend, wenden sich aber vom Kind ab.

Anders als beim Fernseher ist die Ablenkung beim Smartphone größer, da es unmittelbar in der Hand liegt und interaktiver ist. Das hat auch Auswirkungen auf die Essgewohnheiten des Kindes: Eltern, die beim Füttern das Handy nutzen, achten weniger auf natürliche Hunger- und Sättigungssignale des Babys. Und sie senden auch selbst weniger Signale, indem sie etwa zum Probieren unbekannter Lebensmittel ermuntern.

Bei Jugendlichen kann sich das Essverhalten ändern

Bei älteren Kindern und Jugendlichen kann sich zudem das Essverhalten verändern: „Eine Metastudie mit insgesamt rund 52.000 Teilnehmenden zeigt, dass bei Jugendlichen, die das Smartphone mehr als 6 Stunden pro Tag nutzen, unkontrolliertes Essen häufiger ist. Zudem steigt die Kalorienaufnahme, wenn man vor dem Bildschirm isst“, sagt Expertin Buhl-Aigner.

Kinder, die „nur mit dem Handy“ essen, haben dies so gelernt. Mithilfe neuer Routinen und schrittweiser Reduktion des Handykonsums kann hier gegengesteuert werden. Bei Bedarf mithilfe psychologischer Unterstützung.

Generell möchte Buhl-Aigner die Nutzung des Smartphones zur kurzen Ablenkung nicht verurteilen, es gehe aber um die Häufigkeit, mit der dies geschehe. „Wenn möglich, sollten Mahlzeiten bildschirmfrei sein“, so die Expertin.

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