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Hitze und Alkohol: Warum Bier und Spritzer jetzt schneller riskant werden

Paris hat wegen der Hitzewelle Alkohol im öffentlichen Raum zeitweise eingeschränkt. Warum der „Spritzer“ bei Hitze trügerisch sein kann und was man jetzt wirklich trinken sollte.
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Zusammenfassung

  • Alkohol belastet den Körper bei Hitze zusätzlich, weil er Flüssigkeitsverlust, Kreislaufprobleme und die Arbeit des Herzens verstärken kann.
  • Gesundheitsbehörden empfehlen bei Hitzewellen vor allem Wasser und mineralstoffhaltige Getränke, während Alkohol und zu viel Koffein vermieden werden sollten.
  • Besonders riskant wird Alkohol bei großer Hitze in Kombination mit Sonne, Anstrengung, wenig Wasser, Vorerkrankungen oder Medikamenten; dann gilt: erst Wasser, dann – wenn überhaupt – Alkohol.

Ein kaltes Bier im Gastgarten, ein Spritzer nach der Arbeit, ein Cocktail am See: Manche alkoholische Getränke vermitteln das Gefühl von Erfrischung und „Sommer“. Das täuscht, denn der Körper braucht bei Hitze vor allem Wasser, Kühlung und einen stabilen Kreislauf.

Wie ernst das Thema inzwischen genommen wird, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Paris. Wegen der extremen Hitzewelle hat die Stadt den Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum vorübergehend verboten. Auch der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen wurde zeitweise eingeschränkt. Ausgenommen waren laut Berichten Restaurants und Gaststätten. Begründet wurde die Maßnahme damit, Kliniken und Rettungsdienste während der Hitzewelle zu entlasten. 

Das klingt drastisch, medizinisch ist es aber nachvollziehbar: Hitze belastet den Körper bereits ohne Alkohol. Die Blutgefäße weiten sich, damit Wärme über die Haut abgegeben werden kann, man schwitzt, verliert Flüssigkeit und Salze, der Blutdruck kann sinken, das Herz muss mehr arbeiten. Alkoholkonsum erschwert diese Prozesse.

Alkohol ist kein Durstlöscher

Alkohol ist bei Hitze also keine geeignete Flüssigkeitsstrategie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bei Hitzewellen regelmäßiges Wassertrinken – als Orientierung nennt sie ein Glas Wasser pro Stunde und mindestens zwei bis drei Liter pro Tag. Alkohol und zu viel Koffein sollen vermieden werden. 

Ideal für gesunde Erwachsene sind etwa 1,5 bis drei Liter Flüssigkeit täglich, am besten Leitungswasser, Mineralwasser, ungesüßte Früchte- und Kräutertees sowie verdünnte Obst- und Gemüsesäfte. Laut Ages kann der Körper bei starkem Schwitzen erhebliche Mengen an Mineralstoffen verlieren. Dieser Verlust kann durch den Konsum von mineralstoffhaltigen Getränken ausgeglichen werden. Eine andere Möglichkeit ist die Zugabe von etwas Salz zu Getränken, die nur geringe Mengen an Mineralstoffen aufweisen.

Achtung: Personen mit Nieren- oder Herz-Kreislauferkrankungen sollten unbedingt ihre Ärztin/ihren Arzt hinsichtlich der geeigneten Flüssigkeitsmenge konsultieren. Dies gilt auch für Personen, die aus medizinischen Gründen die Flüssigkeitszufuhr beschränken müssen.

Ungünstige Kombination

Auch epidemiologische Daten sprechen dafür, dass Wärme und Alkohol im Alltag eine ungünstige Kombination sein können. Eine Studie in Communications Medicine analysierte mehr als 670.000 alkoholbezogene Krankenhauskontakte im Bundesstaat New York zwischen 1995 und 2014. 

Höhere Temperaturen waren mit mehr Krankenhausbesuchen wegen alkoholbezogener Störungen verbunden. Ein Temperaturanstieg vom Minimum auf das 75. Perzentil war über null bis sechs Tage mit 24,6 Prozent mehr alkoholbezogenen Krankenhausbesuchen verbunden. 

Die Art des Getränks spielt ebenso eine Rolle. In einer randomisierten Crossover-Studie der Wageningen University & Research  mit älteren Männern wurden Bier, Wein und Spirituosen mit alkoholfreien Vergleichsgetränken beziehungsweise Wasser verglichen. Wein und Spirituosen führten in den ersten vier Stunden zu mehr Urin; Bier mit 5 Prozent Alkohol unterschied sich in dieser Studie nicht wesentlich von alkoholfreiem Bier. Die Studienautoren sprechen von einem kleinen, kurzfristigen harntreibenden Effekt stärkerer alkoholischer Getränke.

Bedeutet: Ein kleines Bier im Schatten ist nicht dasselbe wie mehrere Spritzer in der Sonne, Cocktails am Nachmittag oder Hochprozentiges nach einem Tag mit wenig Wasser. 

Wann wird es gefährlich?

Kritisch wird es vor allem, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: hohe Temperatur, direkte Sonne, wenig Wasser getrunken, körperliche Anstrengung, zu wenig gegessen, mehrere alkoholische Getränke konsumiert, dazu Faktoren wie Alter, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme, Diabetes oder Medikamente wie Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel oder bestimmte Psychopharmaka.

Warnzeichen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, starke Müdigkeit, Schwäche, Muskelkrämpfe, Benommenheit oder Verwirrtheit. Dann sollte man sofort aus der Sonne, Wasser trinken, kühlen und Hilfe holen. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Verdacht auf Hitzschlag ist medizinische Hilfe nötig.

Alkohol sollte bei großer Hitze also keinesfalls als Durstlöscher verstanden werden. Wer trotzdem ein Bier oder einen Spritzer trinkt, sollte vorher und dazu Wasser trinken und die Menge klein halten. 

Die einfachste Regel lautet: Erst Wasser, dann – falls überhaupt – Alkohol. Und zu jedem alkoholischen Getränk mindestens ein Glas Wasser nehmen. Kein Alkohol in der direkten Sonne, nach dem Sport, bei Kreislaufproblemen, Vorerkrankungen oder bei Medikamenteneinnahme.

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