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Teamspieler oder Einzelgänger – eine Frage des Typs?

Gemeinsam kicken oder allein trainieren? Sportarzt Piero Lercher erklärt, welche Vor- und Nachteile Team- und Einzelsport haben, ob man als bestimmter Typ geboren wird und warum Mannschaftssport gegen Einsamkeit helfen kann.
Mehrere bunte Sportler-Silhouetten bei verschiedenen Disziplinen auf hellem Hintergrund.

Fußball oder Tennis, im Team oder Einzel? Mit der Fußball-WM und den üblichen großen Tennisturnieren (Wimbledon & Co.) jagt ein sportliches Großereignis in diesem Sommer das andere. Die Frage ist „Gibt es ein besser“? „Kann man so nicht sagen“, meint Sportarzt Piero Lercher. Tatsache ist: beides hat Vorzüge und Nachteile und Menschen können tatsächlich auf nur eine Variante gepolt sein. Doch das heißt auch wiederum nicht, dass aus einem Einzelkämpfer nie ein Teamsportler werden kann.

Der große Pluspunkt im Team: Man ist nie allein. „Im Mannschaftssport liegen die Vorteile in der Förderung von Teamgeist, sozialer Kompetenz, Empathie und der Fähigkeit, sich in Gruppen einfügen zu können“, erklärt Lercher. Misserfolge und Niederlagen werden gemeinsam getragen und verarbeitet – eine Entlastung, die gerade in schwierigen Momenten hilft. Allerdings birgt das Miteinander auch Konfliktpotenzial: unterschiedliche Meinungen, Neid, Leistungsdruck. Und noch etwas geht verloren: „Persönliche Fehler beziehungsweise herausragende Leistungen gehen oft in der Gesamtleistung unter.“

Mehr Kontrolle allein

Wer hingegen allein trainiert, hat die volle Kontrolle. „Man bestimmt das Tempo, die Intensität und die Trainingszeiten komplett selbst“, so Lercher. „Erfolg oder Misserfolg hängen zu 100 Prozent von der eigenen Leistung ab.“ Das klingt verlockend – verlangt aber auch einiges ab: „Man benötigt dazu extreme Selbstdisziplin, Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen.“ Die Kehrseite: Einsamkeit. Der direkte soziale Austausch fehlt, das Gemeinschaftsgefühl während des Sports bleibt aus. „Bei Niederlagen trägt man die Enttäuschung und den Druck ganz allein.“

Auf die Frage ob man schon als Teamplayer oder Einzelkämpfer auf die Welt kommt, sagt Lercher: „Es gibt tatsächlich Menschen, die sich dieser Typologien zuordnen lassen.“ Aber: „Eine persönliche, mentale, aber auch körperliche Weiterentwicklung kann trotzdem aus Einzelgängern teamfähige Menschen machen.“ Wichtig sei, dem Sportler oder der Sportlerin die Wahl zu lassen. „Einzelkämpfer und Mannschaftssportler haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, letztendlich ist meist eine gesunde Mischung beider Charaktere gefragt.“ Interessant: Einzelkämpfer glänzen in Mannschaftssportarten oft auf Positionen, die hohe individuelle Verantwortung erfordern – wie Torwarte oder Stürmer im Fußball.

Im Team gegen Einsamkeit

Ein Argument für den Mannschaftssport wird immer wichtiger: Er kann gegen Einsamkeit helfen. „Eindeutig“, sagt Lercher. „Einsamkeit wird ein immer größeres Problem in unserer Gesellschaft und zunehmend auch bei jüngeren Menschen beobachtet.“ Mannschaftssport sei „eine sehr gute Strategie, um spielsüchtige, körperlich inaktive und potenziell krankheitsgefährdete Menschen zu einem neuen Lebensstil zu animieren und motivieren.“ Die regelmäßigen Trainings und Treffen beeinflussen den Tagesablauf positiv und sind sinngebend.

Bleibt die Frage: Wo ist der Druck größer – die Mannschaft nicht zu enttäuschen oder sich selbst? „Hier kommen sicherlich beide Komponenten zu tragen“, meint Lercher. Der Vorteil beim Mannschaftssport: „Bei einem Erfolg der Mannschaft wird der eigene Misserfolg oder das eigene Versagen verschleiert.“ Und bei einer Niederlage? „Wenn der Tormann nicht hält, müssen die Stürmer mehr Tore schießen.“ Eine Mannschaft trägt eben gemeinsam – das Gute wie das Schlechte.

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