Wissen | Gesundheit
04.07.2018

Frau verliert Zehennägel nach Fisch-Pediküre

Bei der Betroffenen lösten sich die Nägel vom Nagelbett. Eine Expertin macht eine Fisch-Pediküre verantwortlich.

Ein aktueller medizinischer Fallbericht dokumentiert eine bizarre und unappetitliche Patientinnengeschichte: Wie die US-Medizinerin Shari R. Lipner in einem Report im Journal JAMA Dermatology schildert, lösten sich bei einer Patientin mehrere Fußnägel vom Nagelbett. Die Dermatologin führt dies nach abschließender Diagnose auf eine Fisch-Pediküre zurück, der sich die junge Frau Monate zuvor unterzogen hatte.

Demnach hatte die Frau ihre Füße in ein Becken mit Saugbarben getaucht, um sich von den Fischen überschüssige Hornhaut abknabbern zu lassen. In den darauffolgenden Monaten bemerkte sie, dass sich sechs ihrer Fußnägel zu verändern begannen – und sich schließlich gänzlich von der Haut lösten.

In Fachkreisen wird dieses Phänomen als Onychomadese bezeichnet. Die Ablösung der Nagelplatte vom Nagelbett tritt neben anderen pathologischen Veränderungen (Psoriasis, Pilzinfektionen, Ekzemen) bei Zirkulationsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, (Hormonstörungen), Hyperhidrosis oder durch Traumen und Verletzungen verschiedenster Art auf. Lipner zufolge komme es recht häufig vor, dass sich Nägel an Händen oder Füßen ablösen. Da die Ablösung in der Regel verzögert auftritt, gestaltet sich die Suche nach der Ursache oft schwierig.

Da die Patientin keine andere medizinische Indikation aufwies, geht Lipner davon aus, dass die Fisch-Pediküre die Onychomadese verursacht hat. Lipner, die noch keinen anderen derartigen Fall im Zusammenhang mit Fisch-Spas (Bezeichnung für Fisch-Pediküre-Salons, Anm.) behandelt hat, sieht derartige Angebote daher kritisch. Sie geht davon aus, dass die Bisse der Fische am Nagel und der umliegenden Hautpartie für den Verlust der Nägel verantwortlich sind. Die Expertin gibt außerdem zu bedenken, dass durch Fisch-Pediküren Infektionen übertragen werden können.

Fisch-Spas in der Kritik

Seit Fischbehandlungen, die oft zur Therapie von Hautkrankheiten angewandt werden, in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen haben, äußern Experten Bedenken bezüglich der Methode. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit bei Hautkrankheiten, so der Tenor. Ferner bestehe die Gefahr, sich im Aquarium mit viralen Infektionskrankheiten anzustecken. Auch bakterielle Krankheitserreger können von einem infizierten Patienten über die Fische an weitere Patienten übertragen werden. Das gelte insbesondere für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder solche mit bestehenden Erkrankungen (mehr dazu hier).

Nicht vollständig geklärt

Lipners Therapie widerspricht Antonella Tosti, Professorin für Dermatologie an der Leonard M. Miller School of Medicine der University of Miami. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Fische das Problem verursacht haben", gibt sie im Interview mit CNN zu Protokoll. Tosti geht vielmehr davon aus, dass zu kleine oder enge Schuhe den Nagelverlust ausgelöst haben könnten. Wenn sich die Zehen in Schuhen dauerhaft beim Tragen überlappen, könne dies zur Ablösung beitragen.

Die sechs betroffenen Fußnägel der Patientin wachsen nun wieder nach. Bis sie das Nagelbett wieder vollständig bedecken, kann es allerdings dauern. Fußnägel wachsen etwa einen Millimeter pro Monat. Bis ein Nagel nachgewachsen ist, kann es daher bis zu einem Jahr lang dauern.