Fastenkrise: Was hilft bei einem Durchhänger?
Die Fastenzeit ist für viele eine Gelegenheit, Körper und Geist zu reinigen, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und bewusster zu leben. Doch gerade nach einigen Tagen stellen sich oft Durchhänger ein: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Lustlosigkeit – körperlich und emotional.
„Fastenkrise“ wird das Tief unter Experten auch genannt. Sie kann ein Hinweis darauf sein, dass der Körper entgiftet und gewohnte Routinen auf den Kopf gestellt werden. „Durchhänger kommen immer wieder mal vor, sowohl körperlich als auch emotional. Auch Menschen, die schon oft gefastet haben, erleben das“, erklärt Fastenbegleiterin und Psychologin Natascha Zickbauer.
Gemeinsame Rituale helfen
Ein entscheidender Faktor ist, ob man alleine oder in der Gruppe fastet. „Fasten in der Gruppe bietet einen klaren Motivationsvorteil, da der Austausch mit anderen stabilisierend wirken kann. Die Fastengäste erleben, dass die Mitfaster auch müde Tage oder Kopfschmerzen haben, und das relativiert die eigene Erfahrung“, so Zickbauer. Gemeinsame Rituale wie das Teetrinken am Morgen, aktives Erwachen an der frischen Luft und die Präsenz einer Fastenbegleiterin geben Struktur und Halt. „Die Gruppe trägt – besonders an Tagen, an denen die eigene Disziplin schwankt. Motivation entsteht hier durch Gemeinschaft, Verbindlichkeit und gegenseitige Inspiration. Ein persönliches Gespräch mit mir als Fastenbegleiterin ist jederzeit möglich“, betont sie.
Wer sich für das Fasten zu Hause entscheidet, muss sich auf ein höheres Maß an Eigenverantwortung einstellen. Zickbauer erklärt: „Es bietet mehr Ruhe und Individualität, aber auch mehr Ablenkung und Versuchung. Bei einem Durchhänger hilft vor allem gute Vorbereitung: ein klarer Plan, feste Zeiten, bewusste Pausen, Bewegung an der frischen Luft und eventuell ein telefonischer Austausch mit Freunden oder Gleichgesinnten.“ Praktische Hilfen für zu Hause sind, sich kleine Etappenziele zu setzen und sich bewusst zu machen, warum man mit dem Fasten begonnen hat.
Gefühle zulassen
Fasten wirkt sich auf drei Ebenen aus: emotional, mental und körperlich. Emotional hilft das Wissen, dass Fasten uns dünnhäutiger machen kann und wir intensiver auf Erlebtes reagieren. „Wenn wir uns erlauben, unsere Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen, kann das sogar eine bereichernde Erfahrung sein“, erklärt Zickbauer. Mental kann es vorkommen, dass man an sich selbst und an seinen Zielen zweifelt. Hier hilft es, sich bewusst zu machen, warum man begonnen hat, und sich in Erinnerung zu rufen, was man bereits alles geschafft hat. Körperlich gibt es viele Ansatzpunkte: Bewegung ist eines der wirksamsten Mittel gegen Durchhänger. Oft reichen schon kleine Schritte, um wieder in den Fluss zu kommen.
Durchhänger während der Fastenzeit sind normal, egal ob man in der Gruppe oder alleine fastet. Wichtig ist, sie nicht zu verdrängen, sondern bewusst gegenzusteuern. So kann die Fastenzeit zu einer bereichernden Erfahrung für Körper, Geist und Seele werden.
Kommentare