Biologie: Diesem Geschlecht fällt das Fasten leichter
Muskelmasse, Hormone, Hunger: Ob Fasten Erfolg bringt, hängt auch vom Geschlecht ab.
Verzicht fällt selten leicht. "Frauen sind beim Fasten aber tatsächlich zusätzlich ein wenig im Nachteil", sagt Alexandra Kautzky-Willer, Internistin und Expertin für Gendermedizin.
Aufgrund des unterschiedlichen Körperbaus sei schon die Ausgangsituation eine andere: "Frauen verfügen über mehr Fettgewebe, vor allem an den Oberschenkeln und der Hüfte. Das ist an sich günstiges Fett und dient auch als Reserve für eventuelle Schwangerschaften."
Männer würden hingegen mehr Bauchfett aufweisen. Dieses gilt als schädlicher für die Gesundheit, "weil es zwischen den Organen liegt, deren Funktionen beeinträchtigen kann und einen höheren Fettstoffwechselumsatz aufweist, was wiederum mit Entzündungsprozessen im Körper einhergeht", erläutert die Expertin.
Männer nehmen beim Fasten rascher ab
Männer besäßen allerdings mehr Muskelmasse und damit auch einen höheren täglichen Grundumsatz. Der Grundumsatz ist jene Energiemenge, die der Körper pro Tag in Ruhe, nüchtern und bei angenehmer Temperatur zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen benötigt. "Das bedeutet, dass Nahrungsverzicht sich bei Männern schneller in Form von Gewichtsabbau bemerkbar macht", sagt Kautzky-Willer. "Auch weil sie mehr Bewegung machen und Testosteron den Muskelerhalt unterstützt." Männer nehmen beim Fasten also rascher ab.
Man geht aufgrund jüngster Studien auch davon aus, dass die Energieverwertung bei Männern und Frauen unterschiedlich reguliert wird. "Wir wissen, dass Frauen im Ruhemodus mehr Fett einlagern. Gleichzeitig verbrennen sie bei körperlicher Belastung mehr davon, während Männer hier auf die Glucosereserven zurückgreifen und eher in Ruhephasen mehr Fett verbrennen."
Männer würden eine höhere sogenannte metabolische Flexibilität – die Fähigkeit des Körpers, abhängig von Nahrungsaufnahme, Verfügbarkeit und körperlicher Belastung, effizient zwischen der Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten als Energiequelle zu wechseln – besitzen. "Auch das ist beim Fasten eine günstige Ausgangslage. Männer nehmen häufig schneller ab, da ihr Körper in der Fastenphase Stoffwechselprozesse schneller anpasst", sagt Kautzky-Willer, die aktuell im Rahmen einer großangelegten Studie von MedUni Wien und Med Uni Graz zu den Effekten verschiedener Fastenformen und geschlechtsspezifischen Unterschieden forscht.
Weiblicher Körper hält an Energiereserven fest
Dass bei Frauen die Gewichtsabnahme gebremst vonstattengeht, liegt auch daran, dass der Körper an Energiereserven festhält, um für eine Schwangerschaft gerüstet zu sein. "Nach der Menopause tun sie sich durch den starken Östrogenabfall nochmals schwerer, weil der Grundumsatz deutlich sinkt."
Hinzu kommt, dass Frauen häufiger stärkere Hungergefühle erleben, da Sättigungshormoneffekte bei ihnen während des Fastens stärker abfallen. Auch die Psyche hat großen Einfluss auf das Gewicht. Wer bei Frust und Ängsten zu Schokolade und Chips greift, nimmt leichter zu. Vor allem Frauen neigen zu dieser Form des emotionalen Essens, wie erst kürzlich eine Studie aus der Schweiz bestätigte.
Frauen kommt das Prinzip des Intervallfastens entgegen, erläutert Kautzky-Willer. "Man kann die Zeitspanne des Nahrungsverzichts so wählen, dass er einem möglichst leichtfällt und gut in den Alltag integrierbar ist."
Insbesondere Frauen sollten zusätzlich Sport treiben und Eiweiß zuführen, um Muskelmasse aufzubauen. Das hilft langfristig das Gewicht zu halten: "Frauen nehmen nach Diäten erwiesenermaßen schneller zu. Eine zentrale Rolle spielen die Fettzellen selbst, die ein Gedächtnis besitzen und versuchen, den Zustand vor der Gewichtsabnahme wiederherzustellen – dieser Effekt ist bei Frauen wohl ausgeprägter."
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