Fasten mit Diabetes: Wann es gefährlich wird
Wird gefastet, sollten Diabetiker ihren Blutzuckerwert öfter kontrollieren.
Fasten hat Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und ist für Menschen mit Diabetes daher nicht ganz ungefährlich. Studien zeigen aber auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes klare Vorteile, wenn Fasten geplant und begleitet erfolgt. So belegt etwa eine Untersuchung, dass Intervallfasten über zwölf Wochen den Langzeitblutzucker HbA1c um etwa 0,5 bis 1 Prozentpunkte senken kann. Gleichzeitig verloren Teilnehmende im Schnitt vier bis fünf Kilogramm Gewicht. Der tägliche Insulinbedarf sank um rund neun Einheiten, ohne dass schwere Unterzuckerungen auftraten.
Für Menschen mit Diabetes sind vor allem Formen wie das 16:8-Modell, bei dem 16 Stunden gefastet und in den restlichen acht Stunden gegessen wird, oder das 5:2-Fasten, bei dem fünf Tage der Woche wie üblich gegessen wird und an zwei Tagen stark kalorienreduziert, geeignet. Wichtig sei aber ein vorsichtiger Einstieg, wie der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) kürzlich warnte: Zu Beginn sollten Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente häufig um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.
Starke Blutzuckerschwankungen vermeiden
Zudem sollte der Blutzucker mindestens viermal täglich kontrolliert werden, idealerweise mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM). Hinsichtlich der Ernährung gilt es, auf eiweiß- und ballaststoffreiche Mahlzeiten mit moderatem Kohlenhydratanteil zu achten – sie entlasten den Stoffwechsel und helfen, starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. „Fasten kann den Stoffwechsel entlasten, aber nur, wenn die Therapie angepasst wird“, betont Theresia Schoppe, Vorstandsmitglied des VDBD. Menschen mit Diabetes Typ 2 sollten vor dem Fasten eine Beratung in Anspruch nehmen, um das Risiko für Unterzuckerungen gering zu halten.
Bei Typ-1-Diabetes oder insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes mit verringerter Insulinsekretion ist die Lage allerdings anders: Schon kurze Fastenphasen können zu gefährlichen Unterzuckerungen oder zu einer diabetischen Ketoazidose führen. Diese akute, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung entsteht, wenn dem Körper zu wenig Insulin zur Verfügung steht. Zucker kann dann nicht mehr ausreichend in die Zellen aufgenommen werden und der Körper beginnt, Fett als Energiequelle zu verbrennen. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, die das Blut übersäuern.
Typische Symptome sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Bauchschmerzen, eine tiefe schnelle Atmung, die sogenannte Kussmaul-Atmung, und Bewusstseinsstörungen. Die diabetische Ketoazidose ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.
Ramadan: Stoffwechselentgleisungen bei Menschen mit Diabetes
Im Unterschied zum Intervallfasten, bei dem regelmäßiges Trinken und flexible Essensfenster erlaubt sind, wird beim religiösen Fasten, etwa im Ramadan, vollständig auf Essen und Trinken über viele Stunden hinweg verzichtet, verbunden mit nächtlichen Mahlzeiten, verändertem Schlaf und eingeschränkter Flüssigkeitszufuhr. Studien und Erfahrungen aus dem Ramadan zeigen, dass sich das Risiko für schwere Stoffwechselentgleisungen bei Menschen mit Diabetes dabei um ein Mehrfaches erhöht. Sie sind zwar eigentlich vom muslimischen Fastenmonat ausgenommen, viele Gläubige wollen allerdings trotzdem fasten.
Empfohlen werden dazu sehr häufige Blutzuckerkontrollen – alle zwei bis drei Stunden – bzw. die kontinuierliche Messung mit CGM sowie zusätzliche Keton-Messungen. Zusätzlich sollten Fastende dringend auf Symptome für erhöhte Ketonwerte wie Übelkeit, Benommenheit oder Müdigkeit achten. Idealerweise sollte das Fasten bei Menschen mit Diabetes in Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Das gilt auch für andere Fastenvarianten wie das Intervallfasten.
„Wir möchten nicht pauschal abraten, doch es braucht in jedem Fall eine spezialisierte Betreuung, klare Abbruchregeln und die Bereitschaft, das Fasten bei Auffälligkeiten sofort zu beenden“, so Schoppe. „Denn im Zweifel gilt immer: Sicherheit geht vor Fasten.“ So sollte bei einem Blutzuckerspiegel von unter 70 mg/dl oder über 250 mg/dl und nachgewiesenen Ketonen dringend ärztliche Hilfe eingefordert werden.
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