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Wissen Gesundheit
03/09/2022

Epidemiologe Gartlehner spricht sich gegen Schultests aus

Großflächiges Testen in den Schulen hält Gartlehner für "nicht mehr sinnvoll", die Aufhebung der Impfpflicht sei zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt.

Trotz eines neuen Rekordwerts an Corona-Neuinfektionen wurde die geplante Impfpflicht am Mittwoch vorerst ausgesetzt. Die Aufhebung sei zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt, sagte der Epidemiologe Gerald Gartlehner am Mittwochabend in der ZiB2.

"In der aktuellen Situation hilft sie nicht mehr und im Herbst wissen wir noch nicht, was uns erwartet", so Gartlehner. Im Sommer müsse die Situation neu evaluiert werden. Man könne davon ausgehen, dass etwa 90 Prozent der österreichischen Bevölkerung eine Immunisierung durch Infektion oder Impfung haben. Sie bräuchten dann kleine Grundimmunisierung mehr, sondern nur einen einmaligen Booster - also einen vierten Stich -, der an die aktuelle Virus-Variante angepasst ist.

Dass die Infektionszahlen wenige Tage nach den Öffnungen ein Rekordniveau erreichen, überrascht den Gesundheitswissenschafter von der Donau-Uni Krems nicht: "Wenn man bei hohen Zahlen öffnet, muss man damit rechnen, dass sie noch höher werden."

Die Aufhebung der Maßnahmen sei eine politische Entscheidung gewesen, keine epidemiologische. "Die Öffnungen kamen zu früh", so Gartlehner, der weiterhin für eine Maskenpflicht in Innenräumen und eine 2-G-Regel in der Nachtgastronomie - wie in Wien - plädiert.

Test-Strategie

Das Testen quer durch die Bevölkerung sei hingegen nicht mehr zielführend. "Man muss unterscheiden, wer getestet wird. Niederschwelliges Testen bei Symptomen ist extrem wichtig. Ansonsten sollte man sich auf Personen konzentrieren, die ein hohes Risiko haben."

Auch das großflächige Testen in den Schulen hält Gartlehner für "nicht mehr sinnvoll". Stattdessen hätte die Maskenpflicht im Unterricht beibehalten werden sollen: "Masken schützen vor Infektionen, Testen nicht. Das passt alles nicht mehr richtig zusammen."

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