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Eiseninfusionen boomen: Wer sie wirklich braucht und was man beachten muss

Vor allem Frauen sind heute viel stärker von Eisenmangel betroffen als noch ihre Großmütter. Warum das so ist und warum nicht jedes Präparat empfohlen wird.
Eine Frau liegt auf einer Liege und erhält eine Infusion.

Eisenmangel zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit – etwa jeder Vierte in Europa ist betroffen. Noch höher ist der Anteil unter Frauen: Schätzungen zufolge leidet jede dritte bis zweite Frau unter Symptomen, die auf Eisenmangel zurückzuführen sind. Dazu zählt etwa chronische Müdigkeit, viele fühlen sich antriebslos und körperlich wenig belastbar.

In sozialen Netzwerken verbreitet sich derzeit der Begriff des „Ferritin-Face“, gemeint sind sichtbare Veränderungen im Gesicht, die auf einen Eisenmangel hindeuten können, etwa Blässe, rissige Lippen und Augenringe. Ist die Eisenzufuhr dauerhaft zu niedrig führt dies zu Blutarmut (Eisenmangelanämie). Es kann nicht genügend Hämoglobin gebildet werden, das für den Sauerstofftransport im Blut wichtig ist. Zudem kann Eisenmangel die Infektanfälligkeit erhöhen und die Wärmeregulation des Körpers stören.

Eisenmangel nimmt zu, vor allem bei Frauen

Ob tatsächlich ein Mangel vorliegt, zeigen aber nicht die Symptome allein – sie sind unspezifisch und können auch auf andere Ursachen hindeuten. Auskunft gibt der Ferritin-Wert im Blut. „Ein Eisenmangel besteht typischerweise, wenn der Ferritin-Wert unter 30 ng/ml liegt. Manche Fachgesellschaften gehen davon aus, dass sogar bei unter 45 ng/ml ein Eisenmangel vorliegt. Ich persönlich glaube sogar, dass es gesund wäre, einen Ferritin-Wert um 100 ng/ml anzustreben“, sagt Heinz Zoller, Leiter des Hepatologischen Labors an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Starke Menstruationsblutungen, Schwangerschaft, Geburt und Stillen können den Eisenbedarf von Frauen erhöhen. Laut Zoller haben Eisenmangel und seine Behandlung bei Frauen in den vergangenen Jahren zugenommen. „Ein Grund ist, dass die erste Regelblutung bei Mädchen heute früher einsetzt. Frauen bekommen im Schnitt auch weniger Kinder, wodurch die Zeiten nach Schwangerschaften wegfallen, in denen sie keine Menstruation haben. Und es gibt Berechnungen, die zeigen, dass der Blutverlust unserer Großmütter während der Menstruation um den Faktor drei geringer war als bei Frauen, die jetzt leben“, sagt Zoller.

Ernährung spielt eine Rolle

Auch die Ernährung spiele eine Rolle: Eisen kann nicht selbst vom Körper gebildet werden, sondern muss regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden. Insbesondere bei vegetarischer und veganer sowie bei einseitiger Ernährung wird Eisen jedoch oft nicht ausreichend aufgenommen.

Liegt bereits ein Mangel vor, reichen eisenhaltige Lebensmittel oft nicht aus, um ihn auszugleichen. „Es geht nicht nur darum, wie viel Eisen ein Lebensmittel enthält, sondern wie gut das Eisen bioverfügbar ist, also wie gut es aufgenommen werden kann. Oft wird die Bioverfügbarkeit durch die Kombination mit Zitrusfrüchten erhöht. Soja hat beispielsweise einen sehr hohen Eisenanteil, während der Mythos, dass Spinat sehr eisenhaltig ist, leider falsch ist“, sagt Zoller.  

Eiseninfusionen: Welches Präparat ist empfehlenswert?

Neben Eisentabletten, die häufig nicht gut vertragen werden und bei denen erst etwa nach drei Monaten Effekte nachweisebar sind, hat sich in den vergangenen Jahren die intravenöse Eiseninfusion als Therapie etabliert. Eine aktuelle australische Studie zeigt etwa, dass im Zeitraum 2013 bis 2024 die Zahl der Eiseninfusionen bei Frauen im Alter von 18 bis 44 Jahren um das 17-fache anstieg. Demnach erhält eine von 20 Frauen im gebärfähigen Alter intravenöses Eisen.

Fast 94 Prozent der Verschreibungen in der Studie entfielen auf Eisencarboxymaltose, ein Präparat, das auch in Österreich häufig zum Einsatz kommt. „Man spricht in der intravenösen Eisentherapie von verschiedenen Generationen der Präparate. Eisencarboxymaltose ist die dritte Generation. Allerdings gibt es von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA aktuell eine Warnung, da es zum Abfall des Phosphatspiegels kommen kann, der wiederum Muskelschwäche, Knochenbrüche und Konzentrationsstörungen begünstigt“, sagt Zoller.

Empfehlenswert sei daher die vierte Generation an Eisenpräparaten, nämlich Eisenderisomaltose. „Dieses Präparat hat ein geringes Risiko für Hypophosphatämie, also einen Abfall des Phosphatspiegels, man kann es in ausreichend hoher Dosierung geben und es wird sehr gut vertragen“, betont der Spezialist für Eisenstoffwechsel, der sich dafür einsetzt, dass Eisendersomaltose verabreicht wird.

Erhöhtes Knochenbruchrisiko

Zoller: „Derzeit wird in Österreich in der überwiegenden Zahl der Fälle noch das Drittgenerationspräparat verwendet. Unsere Forschung zeigt aber, dass es zu einem erhöhten Knochenbruchrisiko kommt. Patientinnen und Patienten empfehle ich, wenn es um die Wahl des Präparats geht, gezielt danach zu fragen, welchen Einfluss die Eiseninfusion auf den Phosphatspiegel hat“, betont Zoller.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung ist die sogenannte Fishbane-Reaktion: eine meist leichte und vorübergehende Reaktion während einer Eiseninfusion. Typisch sind ein plötzliches Hitzegefühl mit Hautrötung (Flush) sowie Schmerzen im Brust- oder Rückenbereich, manchmal auch Gelenkschmerzen. Die Beschwerden treten bei einer von 100 Personen während der Infusion auf und verschwinden in der Regel innerhalb weniger Minuten von selbst. Normalerweise handelt es sich nicht um eine allergische Reaktion.

Bei Auftreten sollte die Infusion zunächst gestoppt bzw. verlangsamt und die betroffene Person beobachtet werden. „Deshalb sollte die Eiseninfusion unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Wenn die Infusionsleitung nicht richtig liegt, kann es auch zu Hautverfärbungen kommen. Zeitversetzt sind unter Umständen grippeähnliche Symptome möglich, das ist aber selten“, erklärt Zoller.

Eisenmangel ist gut behandelbar

Die meisten Patientinnen und Patienten würden schon innerhalb von ein bis zwei Tagen Verbesserungen spüren. Im Blut sind typischerweise nach drei bis vier Wochen Veränderungen sichtbar – der Ferritin- und Hämoglobin-Wert steigen an. Laut den australischen Forschenden ist die intravenöse Eisentherapie eine wichtige Behandlungsoption, „insbesondere wenn orale Eisentabletten unwirksam sind oder lästige Nebenwirkungen verursachen“, heißt es in der Studie. „Die Infusion kann die Eisenspeicher schneller wieder auffüllen und Frauen helfen, sich schneller besser zu fühlen, was einen echten Unterschied in ihrem Alltag ausmachen kann. Eisenmangel ist gut behandelbar.“

Dem stimmt auch Zoller zu, allerdings: „Eisenmangel ist immer ein Symptom, nicht die Ursache der Beschwerden. Man sollte die Ursachen finden.“ Bei Frauen sollte etwa abgeklärt werden, wie stark die Monatsblutung tatsächlich ist, etwa mit dem Pictorial Blood Assessment Chart (PBAC), einem bildgestützten Bewertungssystem zur Erfassung der Stärke der Blutung. Die Patientin dokumentiert anhand von Bildern, wie stark Binden oder Tampons durchblutet sind und wie häufig sie gewechselt werden müssen. Zusätzlich können etwa Blutklumpen berücksichtigt werden. Aus den Angaben wird ein Punktwert berechnet, der eine Einschätzung der Blutungsstärke ermöglicht. Besonders gut könne der Blutverlust mithilfe von Menstruationscups gemessen werden.

Auch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, beispielsweise Zöliakie, können dazu führen, dass Eisen nicht ausreichend aufgenommen wird. Zudem können bestimmte Medikamente bzw. Erkrankungen die Eisenaufnahme beeinflussen. Dies müsse bei der Diagnose eines Eisenmangels berücksichtigt werden.

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