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Wissen Gesundheit
12/30/2020

Gute Nachricht auch für Österreich: Großbritannien lässt AstraZeneca-Impfstoff zu

Der Oxford-Impfstoff ist ein essenzieller Bestandteil im österreichischen Impfplan.

Großbritannien hat den Corona-Impfstoff der Universität Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca zugelassen. Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) habe dem heimischen Vakzin eine Zulassung erteilt, gab das Gesundheitsministerium in London am Mittwoch bekannt. Damit steht nach der Biontech/Pfizer-Vakzine in dem Land ein weiteres Präparat zum Impfen bereit.

"Wir glauben, dass wir die Gewinner-Formel gefunden haben", sagte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot der Sunday Times. Der Impfstoff könnte einen hundertprozentigen Schutz gegen schwere Verlaufsformen bieten. Er wirke "genauso gut", wie die anderen bisher zugelassenen Impfstoffe. Zuversichtlich zeigte er sich auch hinsichtlich der Wirksamkeit gegen die Corona-Mutation, die zuletzt für Unruhe sorgte. Ende November hatte man noch erklärt, eine nur 70-prozentige Wirksamkeit erzielt zu haben, weshalb Fragen zur Zuverlässigkeit des Impfstoffs aufkamen.

Zulassung in EU wohl erst im Februar

Großbritannien ist damit das weltweit erste Land, das den Oxford-Impfstoff zugelassen hat. Die behördliche Bestätigung ist ein willkommener Schub für AstraZeneca und das Oxford-Team, denen mangelnde Klarheit über die Ergebnisse von Studien im Spätstadium vorgeworfen wurde. Aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen hatte das Unternehmen seine Impfstoffstudie vor einigen Monaten ausgesetzt. Es habe sich um eine Routinemaßnahme gehandelt, teilte AstraZeneca damals mit. Die Firma nannte keine Einzelheiten zu den aufgetreten Nebenwirkungen bei dem Probanden, sprach lediglich von "einer potenziell unerklärlichen Krankheit".

Die New York Times berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich bei dem gesundheitlichen Problem um Transverse Myelitis handelte - eine Entzündung, die das Rückenmark treffe und von Vireninfektionen ausgelöst werden könne.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hält eine Zulassung des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca in der Europäischen Union schon im Jänner für unwahrscheinlich.

"Wir sind von Anfang an von einer Zulassung im Februar 2021 ausgegangen", sagte dazu Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstag gegenüber der APA. "Danach haben wir auch unsere Impfstrategie ausgerichtet. AstraZeneca kommt als Impfstoff spätestens ab dem 2. Quartal 2021 zum Einsatz", so der Ressortchef. In dieser Phase solle der Impfstoff wie angekündigt für die breite Bevölkerung in Österreich ausgerollt werden. Der stellvertretende EMA-Direktor Noel Wathion hatte zuvor am Dienstag erklärt, AstraZeneca habe "noch nicht einmal einen Antrag bei uns gestellt". Man benötige zusätzliche Daten zur Qualität des Impfstoffs.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigte sich über die Nachrichten erfreut: "Ich möchte dem Vereinigten Königreich zur Zulassung eines weiteren Impfstoffs, nämlich von AstraZeneca, gratulieren. Das ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Pandemie. Ich hoffe nun auf eine rasche Zulassung in der EU unter Einhaltung aller wissenschaftlichen Standards", sagte Kurz in einer Stellungnahme an die APA.

Wichtiger Bestandteil für Impfstrategie

Österreich hat sechs Millionen Dosen vom vergleichsweise billigeren Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns bestellt. "Je mehr Impfstoffe wir zur Verfügung haben, desto schneller kommen wir aus der Krise, desto weniger Menschen sterben und desto weniger Arbeitsplätze werden vernichtet", sagte der Bundeskanzler.

Es ist das größte Kontingent von allen Impfstoffen. Großer Vorteil im Vergleich zu anderen Impfstoffen: Dieser muss nicht bei so niedrigen Temperaturen aufbewahrt werden.

Bei dem Impfstoff der Uni Oxford und AstraZeneca handelt es sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Vektorimpfstoffe bestehen aus für den Menschen abgeschwächten, harmlosen Erregern, den Vektoren ("Trägern"), die die genetische Information für das Oberflächeneiweiß des Coronavirus in sich tragen. Das Trägervirus gelangt in einige wenige Körperzellen. Der Geimpfte produziert daraufhin in diesen Zellen dieses Oberflächenprotein ("Spike-Protein"), welches in der Folge eine Reaktion des Immunsystems des Körpers hervorruft.

Die ersten Impfungen in Großbritannien damit sollen bald nach Jahreswechsel beginnen, hieß es. Es sollen zwei Dosen im Abstand von vier bis zwölf Wochen pro Person verabreicht werden. Das Unternehmen wolle im ersten Quartal 2021 Millionen Impfdosen zur Verfügung stellen, insgesamt gebe es einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 100 Millionen Dosen.

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