Klo-Gerüchte

Auf der Toilette kann einiges nicht ganz richtige Wege gehen.

© iridi/IStockphoto.com

Wissen Gesundheit
12/09/2019

Die Gerüchte-Küche am Klo: Kann die Blase wirklich platzen?

Kaffee treibt. Beckenbodenübungen sind ein Muss. Und pressen beim Pinkeln ist schneller. Alles falsch. Wussten Sie dass...

von Anja Krämer

Zur Überprüfung einer gesunden Blase schlägt der Facharzt für Urologie, Dr. Erik Randall Huber vor, sich beim Urinieren einmal einen 500 Milliliter-Becher unterzuhalten. Warum es eher schlecht ist, wenn dieser Becher bei einem normalen Toilettengang überläuft und weitere Mythen und Fakten rundum die Blase und ihre Nachbarorgane.
Wussten Sie, dass...

... die Blase per se gar nichtplatzen kann?

Vielmehr führt langes Zurückhalten sehr viel wahrscheinlicher zu einem Auslaufen, weil der Schließmuskel dem Überdruck in der Blase nicht mehr standhalten kann (die sog. Überlaufblase). Im Extremfall kann langes Verkneifen zu einem (sehr ungesunden!) Rückstau des Urins in die Nieren führen. Per se kann die Blase schon platzen, aber nur durch gezielten Druck, wenn zum Beispiel bei  einem Autounfall der Druck des Gurtes zu einem Trauma im Unterbauch führen kann.

... man von Kaffee gar nicht öfter urinieren muss?

Der erhöhte Harndrang nach Kaffee- oder Teegenuss liegt nicht daran, dass diese Getränke „treiben“, sondern dass bestimmte Stoffe darin die Blasenwand reizen, wodurch der frühere Harndrang einsetzt.

... der Klodeckel nicht der schmutzigste Teil einer Toilette ist?

Der schmutzigste Ort einer Toilette ist dort, wo man sich die Hände wäscht, und Harnwegsinfekte sitzen nicht auf dem Klodeckel. Voraussetzung ist, dass sich die Damen setzen und so der Deckel sauber bleibt.  In angespannter Haltung über dem Klo zu „hockerln“ führt zu einem angespannten Beckenboden, wodurch Urin in der Harnblase verbleiben kann, der in weiterer Folge Harninfekte auslösen kann. Was ein Urologe empfiehlt: Vor dem Toilettengang Hände waschen und dem entspannten Pinkeln im Sitzen frönen.

  ... viel trinken nicht zwingend gesund für Blase und Niere ist?

Es existiert keine wissenschaftliche Studie, die beweist, dass drei Liter täglich ein Muss für einen gesunden Wasserhaushalt des Körpers sind. Aus der Praxiserfahrung von Dr. Huber und Studien geht hervor: „Es ist völlig ausreichend, zu trinken, wenn man Durst hat.  Das kann einmal ein Liter sein und ein andermal sind es eben drei.“

... es nicht gesund ist, wenn der Harndrang erst nach zwei Maß Bier einsetzt?

Wenn mehr als 500 Milliliter Flüssigkeit in der Blase Platz haben, dann sind die Muskelstrukturen der Blase überdehnt und greifen nicht mehr richtig. Typische Langzeitfolgen einer solchen Dauerbelastung durch langes Zurückhalten sind Inkontinenz, Harnwegsinfekte oder im Extremfall eine lebenslange Kathetisierung.

... urinieren nach dem Geschlechtsverkehr wirklich (wirklich!) wichtig ist?

Ursache Nummer eins der sogenannten „Honeymoon Cystitis“, der gemeinen Blasenentzündung, ist laut Experten der Mangel an postkoitaler Blasenentleerung. Denn durch die Nähe von Scheide und After können sich Kolibakterien und andere Keime  während des Geschlechtsverkehrs auf den Weg durch die Harnröhre Richtung Harnblase  machen. Und wer auf Nummer sicher gehen möchte, fügt dem Ritual auch noch Duschen hinzu.

... die Länge der Harnröhre schuld an Blasenentzündungen bei Frauen ist?

Genau genommen ist die „Kürze“ der weiblichen Harnröhre der Schuldige an dem großen Prozentsatz an Blasenentzündungen bei Frauen im Vergleich zum männlichen Geschlecht.  Bakterien gelangen bei einer durchschnittlich drei bis vier Zentimetern langen Harnröhre sehr viel schneller in die Blase der Frau als über einen Weg von meist als 20 Zentimetern beim Mann.

... Cranberrysaft nicht unbedingt zur Heilung einer Blasenentzündung beiträgt?

Zumindest gibt es keine wissenschaftliche Studie, die das jemals bewiesen hätte. Das Gegenteil ist aber genauso wenig bewiesen, so können  in Einzelfällen, Cranberry-Saft, -tropfen oder -dragees und andere Mittel, wie etwa Blasentees,  sehr wohl zu einem schnelleren Heilungsverlauf beitragen.

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