Diabetes und Prädiabetes: Wie die nordische Diät helfen kann
Lachs ist Teil der nordischen Ernährung.
Eine gesunde nordische Ernährung kann laut einer schwedischen Studie den Fettanteil in der Leber von Menschen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes deutlich senken. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Communications, zeigen zudem positive Effekte auf Langzeitblutzucker, Cholesterin, Triglyzeride und Leberfunktion.
Die „Healthy Nordic Diet“ - die skandinavische Version der mediterranen Ernährung - basiert auf regionalen skandinavischen Lebensmitteln wie Roggen, Haferflocken, Äpfeln, fettem Fisch (z. B. Lachs, Makrele) und Rapsöl. Auch Mandeln, Heidelbeeren, Himbeeren, Kohl und Erbsen, fettarmes Naturjoghurt und Sauermlichprodukte sind Teil der nordischen Ernährung.
Rapsöl statt Olivenöl
Sie setzt auf einen hohen Anteil an Ballaststoffen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und pflanzlichem Fett, während gesättigte Fette weitgehend vermieden werden. Im Unterschied zur viel gepriesenen mediterranen Ernährung wird das Olivenöl durch Rapsöl, Vollkornweizen durch Vollkornroggen, -hafer und -gerste ersetzt. Die in Skandinavien heimischen Beeren, Äpfel und Birnen enthalten ebenso Vitamine wie Südfrüchte. Fische aus Seen und der Ostsee liefern einen hohen Anteil an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren.
Der Anteil an den Gesamtkalorien von Kohlenhydraten liegt bei der nordischen Ernährungsweise bei 50 bis 55 Prozent, 25 bis 30 Prozent Fetten sowie 20 Prozent Proteinen.
Fettanteil in der Leber ging zurück
In der einjährigen schwedischen Studie mit 150 übergewichtigen oder sehr stark übergewichtigen Teilnehmenden im Alter von 30 bis 75 Jahren führte diese Diät zu einem Rückgang des Leberfetts um durchschnittlich 0,91 Prozentpunkte, während der Fettanteil in der Kontrollgruppe stieg. 53,6 Prozent der Teilnehmenden mit nordischer Ernährung erreichten einen Rückgang der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (MASLD), verglichen mit 17,4 Prozent in der Gruppe mit einer „anti-lipogenen“ Kost. Sie erhielten fettreiche Lebensmittel wie Sonnenblumenöl, Walnüsse, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, kohlenhydratarme Gemüse, proteinreiche Bohnen, Linsen und einige magere Milchprodukte.
Dies ergibt einen hohen Anteil an den Gesamtkalorien von pflanzlichen Fetten (50 %), 30 Prozent Kohlenhydraten und 20 Prozent Proteinen. In der Kontrollgruppe ging die MASLD bei 16,7 Prozent der Teilnehmenden zurück. Sie hatte lediglich unspezifische Empfehlungen zur Ernährung erhalten. Einschränkungen hinsichtlich Kalorien gab es in keiner der drei Gruppen.
MASLD
Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, heute MASLD (Metabolic Associated Steatotic Liver Disease) genannt, ist eine chronische Lebererkrankung, bei der es zu einer vermehrten Fetteinlagerung in den Leberzellen kommt, ohne dass ein schädlicher Alkoholkonsum vorliegt. Sie steht eng im Zusammenhang mit Stoffwechselerkrankungen wie Übergewicht, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Häufig entwickelt sich die Erkrankung schleichend und bleibt lange Zeit symptomlos. Manche Betroffene klagen lediglich über Müdigkeit, Leistungsabfall oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch.
MASH
Im frühen Stadium handelt es sich um eine einfache Fettleber, die grundsätzlich reversibel ist. Schreitet die Erkrankung fort, kann es zu einer entzündlichen Form (MASH) kommen, bei der Leberzellen geschädigt werden. In weiteren Stadien entstehen bindegewebige Vernarbungen (Fibrose), die im schlimmsten Fall in eine Leberzirrhose übergehen und das Risiko für Leberkrebs erhöhen.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt meist durch Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Elastographie sowie den Ausschluss anderer Ursachen, insbesondere Alkohol. Eine spezifische medikamentöse Therapie existiert bislang nicht. Die Behandlung basiert vor allem auf Lebensstiländerungen, insbesondere Gewichtsreduktion, regelmäßiger körperlicher Aktivität und einer ausgewogenen, zuckerarmen Ernährung. Bereits eine moderate Gewichtsabnahme kann zu einer deutlichen Verbesserung der Leberverfettung führen. Bei frühzeitiger Erkennung ist eine Rückbildung der Erkrankung möglich, während unbehandelte Verläufe zu schweren Leberschäden führen können.
Teilnehmende nahmen Gewicht ab
Die positiven Effekte der nordischen Ernährung wurden größtenteils durch eine moderate Gewichtsabnahme erklärt: Die Teilnehmenden bei nordischer Ernährung nahmen im Schnitt 4,61 kg ab, 2,15 kg bei "anti-lipogener" Kost und 1,84 kg in der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse unterstreichen laut den Studienautoren das Potenzial der nordischen Ernährung, die Lebergesundheit und den Stoffwechsel zu verbessern, ohne strikte Kalorienbeschränkungen. Besonders profitierten Menschen, die aufgrund einer langjährigen Ernährung mit einem hohen Anteil gesättigter Fette und raffiniertem Zucker Typ-2-Diabetes oder die Vorstufe Prädiabetes entwickelt haben.
Bis in die 1960er Jahre galt die skandinavische Ernährung allerdings als alles andere als gesund. So hatte die sogenannte Sieben-Länder-Studie damals gezeigt, dass in Ostfinnland ein hoher Anteil an gesättigten Fetten in der Nahrung für die damals weltweit höchste Rate an Herz-Kreislauf-Todesfällen verantwortlich war. In den 1970ern starteten daher Bemühungen die Ernährung umzustellen - gemeinsam mit Maßnahmen gegen Rauchen und für eine bessere Blutdruckkontrolle konnte die Zahl der Todesfälle um mehr als 80 Prozent gesenkt werden.
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