Studie: 7 Aktivitäten, die Ihr Gehirn vor Demenz schützen

Positive Effekte waren schon im mittleren Lebensalter feststellbar, nicht erst, wenn Demenzsymptome auftraten.
Bunte Darstellung eines menschlichen Gehirns im Querschnitt mit verschiedenen Farben für unterschiedliche Bereiche.

Bestimmte Alltagsaktivitäten können das Risiko, später an Demenz zu erkranken, deutlich senken. Das zeigt eine neue Studie des Trinity College Dublin in Irland. Besonders bemerkenswert: Die positiven Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten treten bereits im mittleren Lebensalter auf – also Jahrzehnte, bevor typische Demenzsymptome erkennbar werden.

Die im Journal of Alzheimer's & Dementia: Diagnosis, Assessment and Disease Monitoring veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass körperlich, sozial und geistig anregende Tätigkeiten die kognitive Leistungsfähigkeit nachhaltig stärken. Und das selbst bei Menschen, die aufgrund ihrer Gene oder familiären Vorbelastung ein erhöhtes Alzheimer-Risiko haben.

Vielfalt statt Einzelmaßnahme

„Wir wissen schon länger, dass Lebensstilaktivitäten wie Sport dem kognitiven Abbau im Alter entgegenwirken können. Wir waren aber überrascht festzustellen, dass anregende Alltagsaktivitäten die Kognition bereits im mittleren Lebensalter deutlich steigern, Jahrzehnte bevor altersbedingter kognitiver Abbau einsetzt", sagt Studienautorin Lorina Naci vom Trinity College Institute of Neuroscience. 

Besonders wirksam sei nicht eine einzelne Aktivität, sondern die Kombination mehrerer Tätigkeiten: „Entscheidend war für uns die Erkenntnis, dass eine Mischung verschiedener Aktivitäten größere Vorteile bringt als eine einzige. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Vielfalt der Schlüssel ist und dass eine Kombination aus körperlicher, sozialer und geistiger Stimulation am effektivsten die Gehirngesundheit fördert.“

Diese Tätigkeiten schützen das Gehirn

Analysiert wurden Daten von rund 700 kognitiv gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren aus Irland und Großbritannien. Getestet wurden unter anderem:

  • soziale Kontakte pflegen (Zeit mit Familie und Freunden verbringen)
  • ein Musikinstrument spielen, etwa Klavier
  • Reisen, insbesondere ins Ausland
  • körperliche Aktivität
  • Lesen und Lernen
  • eine zweite Sprache üben
  • künstlerische Hobbys

Das Ergebnis: Der positive Einfluss dieser Aktivitäten auf die geistige Leistungsfähigkeit war sogar stärker als der negative Einfluss des wichtigsten genetischen Risikofaktors für spät einsetzende Alzheimer-Demenz, das Apolipoprotein E4 (Apo E4). Das ist eine genetische Variante eines Eiweißes, das im Gehirn am Fetttransport und an Reparaturprozessen von Nervenzellen beteiligt ist. Sie erhöht das Risiko für Alzheimer‑Demenz, weil sie Ablagerungen schädlicher Eiweiße im Gehirn begünstigt und Schutzmechanismen der Nervenzellen schwächt.

Psychische Gesundheit als Schlüsselfaktor

Als besonders schädlich für die Kognition identifizierten die Forschenden depressive Symptome und traumatische Hirnverletzungen. Weitere negative Faktoren waren Diabetes, Bluthochdruck, Schlafstörungen und Hörbeeinträchtigungen.

Weltweit leben derzeit rund 48 Millionen Menschen mit Demenz, bis 2050 könnte sich diese Zahl laut Prognosen auf 150 Millionen mehr als verdreifachen. Umso bedeutender sind die Ergebnisse für die Prävention, betont Naci: „Diese Forschung ist ermutigend. Sie zeigt, dass die Teilnahme an einer Vielzahl anregender Aktivitäten – wie etwa soziale Kontakte pflegen, neue Fähigkeiten erlernen, körperlich aktiv bleiben und die psychische Gesundheit fördern – die kognitive Widerstandsfähigkeit Jahrzehnte vor dem Auftreten von Symptomen aktiv stärken kann, selbst bei Menschen mit genetischem Risiko und familiärer Vorbelastung für Demenz.“

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