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Wissen Gesundheit
07/01/2021

Covid-Patienten liegen im Schnitt 21 Tage lang im Spital

Bilanz: Ein österreichischer Krankenhausbetreiber zeigt sich trotz großer Herausforderungen optimistisch.

von Uwe Mauch

Auf die Frage, was er aus den ersten drei Corona-Wellen mitnimmt, erklärt Michael Heinisch ohne lange darüber nachdenken zu müssen: „Wie unendlich flexibel unsere Mitarbeiter agiert haben.“

Die besagten Mitarbeiter sind bei der Vinzenz Gruppe tätig, die in Wien fünf und in Oberösterreich derzeit drei und bald vier gemeinnützige Krankenhäuser betreibt. Ihr Chef, der Geschäftsführer der Gruppe, ist Michael Heinisch.

Und der zog nach bald 16 Monaten Pandemie eine bemerkenswerte Bilanz für die Vinzenz Gruppe – und das gesamte Gesundheitssystem in einem Wohlfahrtsstaat, der Österreich heißt.

Fünf Mal länger

Die wichtigste Kennzahl, die Michael Heinisch nannte: „Durchschnittlich bleibt ein Patient, der schwer an Covid-19 erkrankt ist, 21 Tage bei uns in stationärer Betreuung.“ Das ist in der Tat sehr lange. Zum Vergleich: Nach einer Hüftoperation beträgt die Aufenthaltsdauer in den Spitälern der Vinzenz Gruppe nur drei bis fünf Tage und die allgemeine Verweildauer durchschnittlich vier Tage.

Es gab zwei Momente, Ende November des Vorjahrs und Mitte April 2021, gibt der Gesundheitsmanager zu, da war man vor allem in den Ordenskrankenhäusern der Gruppe mit den Kapazitäten ziemlich am Ende.

Just in diesen Momenten sei für ihn Wunderbares passiert, erklärt Heinisch: „Niemanden-mehr-Aufnehmen war für uns keine Option. In allen Häusern meldeten sich aber plötzlich Mitarbeiter, die sich bereit erklärten, dort einzuspringen, wo wir gerade echte Engpässe hatten.“

Gleichzeitig konnten im Orthopädischen Spital in Wien-Speising – traditionell auf kurze Verweilzeiten der OP-Patienten spezialisiert – neue Kapazitäten für Covid-19 geschaffen werden. Zwar mussten Knie- und Hüftoperationen verschoben werden, dafür fehlte es an keinem Tag an Corona-Intensivbetten.

In der zweiten und dritten Corona-Welle haben die Vinzenz-Krankenhäuser 3.213 Covid-19-Patienten versorgt. Dass diese länger blieben und mehr Betreuung benötigten, erklärt Heinisch so: „Diese Patienten kommen mit einer deutlich eingeschränkten Lungenfunktion sowie sehr geringer Belastbarkeit zur Akutreha.“

Post Covid, Long Covid

Weiterhin haben die Teams in den Krankenhäusern mit dem Corona-Virus viel zu tun: Patienten, die eben erst aus der Intensivstation entlassen wurden, lernen sie, wieder zu schlucken, die Hand zu heben und sich im Bett aufzurichten.

Diese sogenannte Post-Covid-Phase dauert bei vielen Patienten von der vierten bis zur zwölften Woche nach ihrer Infektion und wird oft von Ängsten und auch von Depressionen begleitet.

Verhältnismäßig neu ist für die medizinischen und die pflegenden Kräfte in den Krankenhäusern Long Covid. Immerhin jeder zehnte Corona-Infizierte soll darunter leiden, geht aus bisherigen Aufzeichnungen hervor.

Betroffene kommen zumeist ab der zwölften Woche und beklagen, dass sie sich nichts merken können oder dass sie Schmerzen im Herz- und Brustbereich spüren. Im Herz-Jesu-Krankenhaus in Wien-Landstraße wurde für sie eine Terminambulanz eingerichtet. Zudem ist dort eine Long-Covid-Tagesklinik geplant. Betroffene sollen in dieser dann mehrwöchig ambulant betreut werden.

Fürchtet sich ein Insider wie Michael Heinisch vor der Delta-Variante und eventuell einer vierten Welle? Wieder antwortet er spontan: „Nein, sehend, was die Mitarbeiter bisher geleistet haben, blicke ich beruhigt in die Zukunft.“

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