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Coronavirus: Erhoffter Effekt mit HIV-Medikament in China blieb aus

Eine erste klinische Studie mit 199 schwerkranken Covid-19-Patienten verlief entgegen der Hoffnung negativ.

03/19/2020, 07:38 AM

Ein HIV/Aids-Medikament mit den Wirkstoffen Lopinavir und Ritonavir wird nach Erstversuchen bei SARS und MERS nun auch bei Covid-19-Patienten angewendet. Eine erste klinische Studie mit fast 200 Patienten in Wuhan in China bei Schwerkranken hat kaum einen positiven Effekt gebracht, berichtet das chinesische Autorenteam jetzt im New England Journal of Medicine.

Kein Benefit

Gro├če Hoffnungen darf man sich offenbar nicht machen. "Bei hospitalisierten erwachsenen Patienten mit schwerer Covid-19-Erkrankung wurde mit Lopinavir/Ritonavir kein Benefit im Vergleich zur Standardtherapie registriert", schrieb das Autorenteam unter Leitung von Bin Cao vom Nationalen Klinischen Forschungszentrum f├╝r Pneumologie Chinas. Man m├╝sse allerdings weiterforschen. Au├čerdem h├Ątte es sich bei den in die Studie aufgenommenen Patienten um Kranke mit sehr schwerer Covid-19-Verlaufsform gehandelt. M├Âglicherweise k├Ąme f├╝r diese besser eine andere medikament├Âse Therapie, zum Beispiel mit der Substanz Remdesivir, infrage.

Als die SARS-CoV-2-Epidemie in Wuhan ausbrach, machte sich die gro├če Forschergruppe daran, im Schnellverfahren eine klinische Studie mit dem Proteasehemmer-Medikament durchzuf├╝hren, um erstmals wissenschaftlich einen m├Âglichen Effekt des weltweit zugelassenen Medikaments zur Behandlung von HIV/Aids auch bei Covid-19 zu belegen. Dies erfolgte an einer Klinik in Wuhan.

Von 199 Patienten mit schwerer Erkrankung wurden per Zufall 99 der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe (zus├Ątzlich zur Standardtherapie) zugeteilt, hundert vergleichbare Patienten im Alter von rund 58 Jahren erhielten ausschlie├člich die Standardtherapie. Placebo gab es keines, weil die Zeit so dr├Ąngte. Prim├Ąr sollte beurteilt werden, ob die Behandlung mit dem Medikament schneller zu einer Besserung des Zustandes f├╝hrt oder nicht. Alle Patienten hatten eine schlechte Sauerstoffs├Ąttigung im Blut mit oder ohne Sauerstoffzufuhr. Es handelte sich durchwegs um Schwerkranke.

Kein Effekt auf Sterblichkeit und Virusbelastung

In der Gesamtgruppe hatte die Gabe des Kombinationsmedikamentes keinen Einfluss auf die Zeit bis zu einer Verbesserung des klinischen Zustandsbildes. "Die Mortalit├Ąt nach 28 Tagen war in der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe mit 19,2 Prozent versus 25 Prozent in der Gruppe mit Standardtherapie ├Ąhnlich." Fast v├Âllig gleich waren auch die Kurven bei der Virusbelastung im Atemtrakt.

Erst in eine modifizierten Analyse unter Nichtber├╝cksichtigung von drei Patienten, welche fr├╝hzeitig gestorben waren, zeigte sich eine schnellere Verbesserung des Zustandsbildes um einen Tag (15 statt 16 Tage). Allerdings ben├Âtigten die Kranken, welche den Proteasehemmer erhielten, nur sechs Tage intensivmedizinische Betreuung im Vergleich zu elf Tagen in der Gruppe unter ausschlie├člicher Standardtherapie. Schlie├člich war der Anteil der Patienten mit einer signifikanten Verbesserung ihres Zustandes nach 14 Tagen unter den Patienten, welche die medikament├Âse Behandlung erhielten, mit 45,5 versus 30 Prozent (Standardtherapie allein) h├Âher.

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