Corona: Virologe Krammer erwartet Impfschutz für einige Jahre

Virologe Florian Krammer.
Österreichischer Forscher in den USA: "Auch bereits Infizierte sollten geimpft werden".

Der am New Yorker Mount Sinai Hospital in New York tätige steirische Virologe Florian Krammer glaubt, dass der Schutz nach der Impfung gegen das Coronavirus für einige Jahre anhält. Zwar gibt es laut Krammer noch keine gesicherten Fakten. "Aber von der Antikörperantwort, die man jetzt sieht, und den Daten, die es bis jetzt gibt, also über vier Monate, nehme ich einmal an, dass der Schutz durch die Impfung schon für einige Jahre hält", sagte er in einem Interview mit orf.at.

Die Impfstoffe würden die Lunge und somit vor Erkrankung dieser sehr gut schützen. Im Tiermodell zeigte sich aber auch, dass die Virusvermehrung in den oberen Atemwegen meistens kürzer war als bei ungeimpften Tieren. Auch war die Viruslast geringer. "Das wird bei Menschen nicht anders sein. Das heißt jetzt, dass es wahrscheinlich Leute gibt, die, wenn sie geimpft sind, auch vor einer Infektion geschützt sind. Und dann wird es wieder andere Leute geben, die, wenn sie geimpft sind, möglicherweise auch Leute anstecken können."

Krammer glaube, dass es dazu in wenigen Monaten Daten geben werde. "Vom Moderna-Impfstoff gab es im US-Zulassungspaket ja schon Daten, die auch auf einen Schutz vor asymptomatischen Infektionen hinwiesen, wenn auch geringer als gegen Erkrankungen. Beim Pfizer-Impfstoff wird das wahrscheinlich nicht anders sein."

Seiner Meinung nach sollten sich auch Menschen impfen lassen, die bereits eine Coronavirus-Infektion überstanden haben. "Wir wissen mittlerweile, dass wenn man schon mit Covid-19 infiziert war, dass ein gewisser Schutz besteht, und deswegen würde ich sagen, muss man sich nicht als Erster impfen lassen. In den USA hat man darüber nach der Zulassung diskutiert. Es wurde dann aber beschlossen, dass man alle impfen wird, weil es zu viel Arbeit bzw. zu viel Aufwand wäre, wirklich sicherzustellen, ob jemand jetzt schon Corona hatte oder nicht."

Es gebe mittlerweile zwei Studien, die zeigen, wenn man Antikörper gegen das Virus gebildet hat, sei das Risiko der Neuinfektion, "sehr, sehr gering", so Krammer. "Das Risiko ist aber nie null, das heißt, es gibt auch Reinfektionen, die sind sehr selten, aber die kommen vor", erklärte der Wissenschafter. "Es gibt schon gute Studien über Immunität, die zeigen, dass die Antikörperantwort am Anfang etwas runtergeht und dann sich zwischen fünf und sieben Monaten zu stabilisieren beginnt. Und es kann schon sein, dass diese Antikörper dann für Jahre stabil bleiben. So etwas Ähnliches würde ich mir auch von der Impfung erwarten."

Wie man sich in der Öffentlichkeit verhält und welche Regeln man einzuhalten hat, hänge nach Angaben Krammers nicht davon ab, ob man geimpft ist oder nicht, sondern vermutlich davon, wieviel Viruslast in der Bevölkerung vorhanden sei.

"Ich kann mir schwer vorstellen, dass, wenn wir geimpft sind und dann in ein öffentliches Verkehrsmittel einsteigen, dass da jemand den Impfpass verlangt und dann entscheidet, ob man Maske tragen muss oder nicht", sagte Krammer.

Allerdings werde sich im privaten Bereich vieles ändern. "Wenn ich weiß, meine Eltern sind geimpft, meine Großeltern sind geimpft, dann kann ich relativ frei mit denen umgehen. Ich glaube, dass sich das Leben in der Familie und im Freundeskreis schneller normalisieren wird als das öffentliche Leben."

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