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Wissen Gesundheit
03/04/2021

Experte: Corona führt auch zum "Gebrochenes-Herz-Syndrom"

Der Innsbrucker Kardiologie-Chef Axel Bauer warnt außerdem davor, wichtige andere Krankheitsbereiche - neben Corona - zu vernachlässigen.

Das Coronavirus kann offenbar auch zu einer besonderen Form der sogenannten Kardiomyopathien führen, also einer Erkrankung des Herzmuskels: der Stress-Kardiomyopathie, auch Gebrochenes-Herz-Syndrom genannt. Es gebe erste Berichte, dass auch diese Form der Kardiomyopathie, die vor allem bei Frauen nach schweren psychischen Belastungssituationen auftritt, in Zusammenhang mit CoVid-19 zu finden ist, sagte der Direktor der Kardiologie der Innsbrucker Med-Uni-Klinik, Axel Bauer zur APA

Doch die gute Nachricht: Solche Fälle nehmen meistens einen "guten Verlauf", so Bauer. Bei der Stress-Kardiomyopathie kommt es zu massiven Stresshormon-Ausschüttungen, die in der Folge den Herzmuskel beeinträchtigen können. Der Verlust eines Lebenspartners kann ein Auslöser sein.

Darüber hinaus gelte für den Bereich der Kardiologie auch das, was für die anderen medizinischen Bereiche in Zusammenhang mit Corona gelte: Zwei Drittel aller Patienten mit schweren Verläufen hätten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder seien übergewichtig. Auch ein höheres Alter sei ein starker Risikofaktor. Oftmals habe das Virus auch gar keine direkte Schädigung des Herzens zur Folge.

Vorerkrankung des Herzens sind Risikofaktor

Im Falle einer Schädigung sind die Muster laut dem Mediziner jedoch "vielfältig". Der "klassische Herzinfarkt" sei nur eine Manifestationsform, jedoch keine häufige Folge von CoVid-19, erklärte Bauer. Bei rund einem Drittel der Fälle sei jedoch ein Zugrunde-Gehen von Herzmuskelzellen in Laboruntersuchungen feststellbar. Generell gelte: Personen mit Vorerkrankungen des Herzens haben im Vergleich zu Patienten ohne Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 haben. Die Gründe seien vor allem eingeschränkte Reserven sowie eine geschwächte Immunabwehr.

Eindringlich mahnte Bauer indes aber eine "nüchterne Betrachtung" der Risiken einer CoVid-Infektion an - nicht zuletzt was in Folge die Handhabung in den Krankenhäusern betrifft. "Die Wahrscheinlichkeit, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, ist fast fünfmal so hoch", betonte er und verwies auf erste offizielle Zahlen, die zeigen, dass es in Österreich im Jahr 2020 rund 32.000 Todesfälle aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gegeben habe, während rund 6.500 Todesfälle einer Corona-Erkrankung zugeordnet wurden.

"Versorgungskritische" Bereiche in Spitälern definieren

Hinsichtlich der Spitäler wies der Experte darauf hin, wie wichtig es sei, "versorgungskritische Bereiche" zu definieren, die man auch im Falle einer erneuten Corona-Welle geschützt und unbeeinträchtigt weiterbetreiben müsse. Dazu gehörten sämtliche Bereiche zur Behandlung lebensbedrohlicher Erkrankungen und insbesondere die Notfallversorgung - wie zum Beispiel die Therapie von Herzinfarkten oder anderen internistischen Erkrankungen, Schlaganfällen und dringlichen chirurgischen Eingriffen.

"Mit diesem Priorisierungskonzept haben wir in unserem Zentrum sehr gute Erfahrungen gemacht und während der ersten Welle vieles für die Zukunft gelernt. Zum damaligen Zeitpunkt war es ja noch völlig unbekannt gewesen, mit welcher Wucht die Pandemie unser Gesundheitssystem treffen würde. Dementsprechend wurde der damalige Fokus auf Corona gelegt", so Bauer. Hier gelte es für die Zukunft rational abzuwägen, um Kollateralschäden so gering wie möglich zu halten. Während der zweiten Welle habe man diesbezüglich - etwa in Innsbruck - aus den Erfahrungen der ersten bereits die richtigen Lehren gezogen.

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